In diesem Sommer 2026 haben wir in Deutschland so deutlich wie selten zuvor erlebt, dass unser Wasser nicht selbstverständlich fließt. Der Schiffsverkehr kommt angesichts niedriger Pegelstände ins Stocken. Bauern verlieren Teile ihrer Ernte wegen staubtrockener Böden. Aufrufe zum Wassersparen oder gar Bewässerungsverbote sind gerade in Städten und Ballungsräumen keine Seltenheit mehr.

Die Reaktion darauf muss verschiedenste Akteure zusammenbringen. Im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) ist der Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen und den Folgen des Klimawandels Teil der Nachhaltigkeitsforschung. Wir treiben technologische Innovationen voran, die helfen, die wachsenden Klima-, Wasser- und Hitzeherausforderungen zu bewältigen. Wasser gehört zweifellos zu den wichtigsten Ressourcen unseres Landes, es ist von enormem gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Wert.

KI-basierte Technologien für Extremereignisse

Durch unsere Forschung schaffen wir die Grundlage für Kommunen, Länder und Unternehmen, um mit Wasserextremereignissen wie Dürren, aber auch Starkregen und Hochwasser umgehen zu können. Kommunen sollen ihre Anpassungsmaßnahmen zielgenauer planen und gestalten können.

Mit der Strategie "Forschung und Nachhaltigkeit" (FONA) des BMFTR fördern wir entsprechende technologische Innovationen. Die FONA-Strategie befasst sich unter anderem damit, wie künstliche Intelligenz beim modernen Wassermanagement unterstützen kann. Auch für Extremereignisse werden digitale und KI-basierte Technologien entwickelt. Damit verbessern wir Prognosen und die Reaktion auf Dürren oder Starkregen, um sowohl Menschen als auch Infrastrukturen besser schützen zu können.

Die FONA-Strategie nimmt auch "Clean Technologies" in den Fokus. Dabei geht es um Lösungen für effektiven Klimaschutz und nachhaltige Kreislaufwirtschaft, damit unsere Städte und Gemeinden resilienter werden. Sogenannte blau-grüne Infrastrukturen dienen dem Rückhalt von Wasser im urbanen Raum und verbessern das Stadtklima.

Genau das haben Forscherinnen und Forscher in Berlin und Köln erfolgreich demonstriert: Vorhandene Anlagen der Regenwasserbewirtschaftung wurden gezielt zu blau-grünen Infrastrukturen ausgebaut und können nun bei Starkregen mehr Wasser speichern und bei Dürre das Stadtgrün bewässern. Die Ergebnisse stehen als webbasierte Informations- und Planungstools anderen Kommunen zur Verfügung.

Aufbereitetes kommunales Abwasser für urbane Bewässerung

Für die Industrie und Landwirtschaft geht es uns um neue Ansätze, um weitergehend gereinigtes Abwasser wiederzuverwenden und damit kostbares Trinkwasser zu sparen. In Schweinfurt hat ein Forscherteam der TU München gezeigt, dass es möglich ist, aufbereitetes kommunales Abwasser für die urbane Bewässerung zu nutzen. Es werden nunmehr 20 Prozent des Schweinfurter Abwassers wiederverwendet.

Lesen Sie dazu auch: Vorbild Schweinfurt: Nutzwasser für städtisches Grün

Und natürlich haben wir auch das Kernthema vieler Kommunen im Blick – eine sichere und effiziente Wasserversorgung für uns alle. Im Frühjahr 2025 sind dazu zehn Verbundprojekte gestartet. Forschungseinrichtungen und Unternehmen entwickeln und erproben gemeinsam mit kommunalen Betreibern und Unternehmen der öffentlichen Wasserversorgung innovative Technologien und Konzepte.

Förderrichtlinie "Wasserversorgung der Zukunft"

Im Detail

Im Fokus stehen drei Themenfelder: Technologien zur Minimierung des Ressourcen- und Energiebedarfs der Wasserversorgung, innovative Management- und Betriebskonzepte für Wasserinfrastrukturen sowie die Vernetzung grauer und blaugrüner Wasserinfrastrukturen. Erforscht wird etwa die biologische Stabilisierung von Trinkwasser zur Sicherung der hygienischen Resilienz, die synergetische Optimierung von Wasser- und Energieressourcen mittels künstlicher Intelligenz und die optimale Steuerung von Talsperrensystemen unter sich ändernden Bedingungen im globalen Wandel. Ein weiteres Projekt beschärftigt sich mit der Resilienz der Wasserversorgung und -speicherung im ländlichen Raum. Einen Überblick über die Einzelprojekte finden Sie hier.

Erfolgsbeispiele machen Mut

Wichtig ist mir, den Verbundcharakter der Förderprojekte des BMFTR hervorzuheben. Denn wenn Wissenschaft, Wirtschaft und Kommunen ihre Kräfte bündeln und Hand in Hand arbeiten, wie in der Projektförderung des BMFTR, sind die Aussichten auf erfolgreiche Veränderung vor Ort besonders groß. Mit Forschung und Innovationen schaffen wir Lösungen für die neuen Herausforderungen des Umgangs mit der Ressource Wasser im 21. Jahrhundert.

Auch beim zentralen innovationspolitischen Vorhaben der Bundesregierung, unserer Hightech Agenda Deutschland (HTAD), geht es darum, die Kräfte zu bündeln. Auch hier spielt Wasser eine Rolle: im strategischen Forschungsfeld "Meeres-, Klima- und Nachhaltigkeitsforschung" sowie bei den Schlüsseltechnologien der HTAD, die wir gemeinsam mit vielen Partnern voranbringen.

Unsere Förderaktivitäten wirken nicht nur lokal, sondern erheben den Anspruch, auch in andere Regionen und für andere Nutzer übertragbar zu sein. Als Blaupausen zeigen sie, wie neue Ideen schneller im Alltag der Menschen ankommen und notwendige Veränderungen gelingen können. Wir tragen alle gemeinsam dazu bei, die Wasserversorgung der Zukunft zu sichern.

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