Blick auf die Klärschlammverbrennungsanlage Vera auf dem Gelände des Klärwerks Köhlbrandhöft (Archivbild)

Blick auf die Klärschlammverbrennungsanlage Vera auf dem Gelände des Klärwerks Köhlbrandhöft (Archivbild)

Bild: © Marcus Brandt/dpa

Die Erweiterung der Klärschlamm-Verwertungsanlage Vera II im Hamburger Hafen wird teurer. Nach einer Neubewertung des Prestigeprojekts beträgt der Budgetrahmen nun rund 315 Millionen Euro, teilte das Kommunalunternehmen Hamburg Wasser mit. Das sind etwa 71 Millionen Euro mehr als zuletzt veranschlagt.

Im neuen Budgetrahmen seien knapp 30 Millionen Euro tatsächliche Mehrkosten enthalten, erläuterte der Wasserversorger. Als Gründe dafür wurden beispielsweise zusätzliche Anforderungen aus Genehmigungs- und Umsetzungsprozessen genannt. Dazu kommt eine millionenschwere Vorsorge für Risiken, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit noch eintreten könnten. Der Aufsichtsrat von Hamburg Wasser stimmte der Budgetanpassung am Donnerstag zu.

Vera-Erweiterung wird zum Politikum

Die Klärschlammanlage Vera gilt als größte Anlage ihrer Art in Deutschland. Seit 1997 wird dort Klärschlamm aus Hamburg und den angeschlossenen Kommunen verbrannt und in Strom und Wärme umgewandelt. Derzeit gibt es noch drei Verbrennungslinien, eine vierte entsteht mit Vera II.

Die Erweiterung der Klärschlammverwertungsanlage Vera II war in den vergangenen Jahren zum Politikum geworden. Ursprünglich mit 196 Millionen Euro kalkuliert, stiegen die Kosten zwischenzeitlich auf 297 Millionen Euro. Jetzt dürfte der Preis noch höher sein.

Nach Problemen im Projektmanagement wurde die Geschäftsführung im April 2025 neu aufgestellt. Mit Frank Herzog und dem Technischen Geschäftsführer Michael Beckereit kehrten erfahrene Führungskräfte zurück, um das Unternehmen bis Mitte 2026 interimistisch zu leiten. Inzwischen steht neben Frank Herzog Martin Gerhardt an der Spitze von Hamburg Wasser.

Lob von Umweltsenatorin, Kritik von Linken

Ein wesentliches Ergebnis der Neuaufstellung ist die künftig getrennte Steuerung von Erweiterungsbau und Sanierung. Hamburg-Wasser-Chef Gerhardt verspricht sich davon mehr Transparenz über Kosten, Risiken und Termine.

"Beide Vorhaben befinden sich in unterschiedlichen Projektphasen und werden deshalb künftig eigenständig geplant und bewertet", erläuterte er. "Bei einem Großprojekt dieser Größenordnung bleiben Risiken bestehen. Entscheidend ist, diese frühzeitig sichtbar zu machen, offen zu berichten und konsequent zu steuern."

Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) lobte das Vorgehen der neuen Geschäftsführung als "vorbildlich". Stephan Jersch, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft, warnte dagegen. Die "Kostenexplosion" bei Vera II dürfe nicht zu Gebührensteigerungen führen, teilte er mit.

Der Bund der Steuerzahler kritisierte, die für die Aufsicht zuständige Umweltbehörde habe ein strukturelles Problem bei der Kontrolle ihrer Großprojekte. Auch der Bau der neuen Müllverbrennungsanlage am Volkspark wird deutlich teurer als geplant, wie zuvor bekannt geworden war.

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