Die Kommission sollte ein Maßnahmenbündel zur Erreichung der Energie- und Klimaziele für den Gebäudesektor erarbeiten. "Die kurzfristige Nachricht des vermeintlichen Aus für die geplante Gebäudekommission ist ein irritierendes Signal an die betroffenen Akteure", erklärte am Dienstag der Chef der Deutschen Energie-Agentur (Dena), Andreas Kuhlmann. In der Frage, mit welchen konkreten Maßnahmen die hochambitionierten Energie- und Klimaziele im Gebäudesektor erreicht werden könnten, gebe es verschiedene Kontroversen.
"Eine Kommission könnte hier kurzfristig und effizient einen Konsens herbeiführen, ähnlich wie bei den sehr konfliktreichen Fragen zu Strukturwandel und Kohleausstieg", sagte Kuhlmann weiter. Nun müsse die Politik selbst entsprechende Vorschläge vorlegen. Kuhlmann ist gleichzeitig Sprecher der Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea).
"Handlungsdruck im Gebäudesektor ist gewaltig"
Im Gebäudesektor sei zwar eine deutliche Steigerung der energetischen Gebäudesanierung möglich, jedoch nur wenn verlässliche Rahmenbedingungen herrschten und langdiskutierte Maßnahmen zeitnah umgesetzt würden. Die Investitionszyklen erforderten hier langfristige Sicherheit und Verlässlichkeit, betonte der Dena-Chef.
Die nötigen Instrumente für den Gebäudebereich liegen nach Einschätzung der geea-Mitglieder auf dem Tisch. Dies sind zum einen eine deutliche und langfristige Verbesserung der Förderinstrumente – insbesondere die steuerliche Förderung – zum anderen eine Informations- und Beratungsoffensive. Hier solle die Bundesregierung schnell aktiv werden. "Eine vertiefende Diskussion brauchen wir vor allem für Instrumente, die einen neuen langfristigen ökonomischen Rahmen schaffen könnten – beispielsweise durch eine stärkere Fokussierung auf CO2 durch attraktive Bonus-Malus-Systeme. Da diese Optionen einen tiefen Eingriff in den Markt darstellen und kontrovers beurteilt werden, ist die Bundesregierung gefordert, dafür Diskussionsräume aufzumachen. Ob mit Kommission oder ohne: Der Handlungsdruck im Gebäudesektor ist gewaltig", so Kuhlmann.
Internationaler Markt für synthetische Brennstoffe
Nach Angaben aus einer aktuellen geea-Gebäudestudie sanken die CO2-Emissionen im Gebäudebereich von 1990 bis 2010 von 209 Mio. t CO2 um etwa 3 Mio. t jährlich auf etwa 149 Mio. t CO2. Bis zum Jahr 2017 war die jährliche Reduktion mit rund 2,7 Mio. t CO2 auf dann etwa 130 Mio. t CO2 geringer, zuletzt stagnierte dieser Wert. Um die Klimaschutzziele zu schaffen, dürften laut der Studie die Emissionen im Jahr 2030 nur noch bei 72 Mio. t CO2 liegen. Dazu reiche das bisherige Minderungstempo nicht aus – es müssten jährlich 5,8 Mio. t CO2 eingespart werden – mehr als doppelt so viel wie bislang.
Mit Blick auf die Klimaziele im Gebäudesektor schlägt die Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz u.a. folgende Handlungsfelder vor:
- Eine Verbesserung der Energieeffizienz der Gebäudehülle durch energetische Sanierung um mindestens 40 Prozent durch eine Steigerung der jährlichen Sanierungsrate auf 1,4 Prozent von bisher 1 Prozent
- Eine Modernisierungsoffensive in der Anlagentechnik mit einer Steigerung von derzeit rund 730.000 abgesetzten Geräten auf über 1 Mio. Geräte, die eine höhere Effizienz aufweisen und erneuerbare Energien einbinden
- Den Aufbau eines internationalen Marktes für synthetische Brennstoffe aus erneuerbaren Energien, die mittelfristig schrittweise die fossilen Brennstoffe ersetzen können. (hil)



