Herr Winkler, Unlängst gab es einen Betrugsvorfall bei dem Unternehmen Envion – hier ging es um Kryptowährungsbetrug. Ist so etwas auch bei Blockchain in der Energiewirtschaft denkbar?
Rüdiger Winkler: Der Einsatz der Blockchain in der Energiewirtschaft wird definitiv keine windige Geschäftemacherei werden. Es geht vielmehr um realistische Projekte als um abgehobene Fantasien oder klaren Betrug, wie im Envion-Fall. Ein Beispiel ist der Showcase zur Marktkommunikation, den unsere Blockchain-Inivitative Energie noch dieses Jahr vorstellen wird.
Gibt es auch Gefahren bei der Blockchain?
Die Blockchain-Technologie gilt als besonders sicher - Risiken bestehen rein kryptografisch definitiv keine. Dennoch ist wie auch bei anderen Technologien eine fehlerhafte Implementierung möglich. Dabei ist es nicht entscheidend, wo die Schwachstelle liegt -also ob im vor- oder nachgelagerten System oder der Anwendung, wie etwa die Authentifizierung. Am Ende würde das Gesamtsystem leiden. Deshalb muss bei der Gestaltung auch ein umfassendes Sicherheits-Konzept bedacht werden – insbesondere ausgerichtet auf das Monitoring möglichen Fehlverhaltens.
Blockchain-Anwendungen könnten beispielsweise mittelfristig die Energieversorgung sicherer und zuverlässiger machen. Hacker-Angriffe der klassischen Art sind dann nicht mehr möglich.
Wie lässt sich Sicherheit und Digitalisierung angesichts der Bedrohungen, die draus entstehen, vereinbaren?
Die Digitalisierung macht Prozesse sicherer, schneller und effizienter – vielleicht sogar demokratischer. Eines Tages werden auch die heute dezentral heranwachsenden Blockchain-Anwendungen vernetzt sein. Das Gesamtsystem wird dadurch mit hoher Zuverlässigkeit betrieben werden können. Nur so ist die Herkulesaufgabe der Integration erneuerbarer Energien zu stemmen.
Rüdiger Winkler ist Geschäftsführer beim Edna Bundesverband Energiemarkt und Kommunikation. Der Verband hat die Initiative-Blockchain Energie ins Leben gerufen.



