Bild: © iaremenko/AdobeStock

Am 26. November will die Bundesnetzagentur die Vergabe der 5G-Lizenzen verbindlich regeln. Bis dato fehle jedoch ein Fahrplan, der einen flächendeckenden 5G-Ausbau gewährleisten könnte, so ein Interessenzusammenschluss aus dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU), der Internet Economy Foundation (IEF) und dem Bundesverband für Glasfaseranschluss (Buglas) bei einer Pressekonferenz am Dienstag (6. November) in Berlin.

Um das Ziel einer Flächenabdeckung von 98 Prozent auch nur annähernd erreichen zu können, fordert Katherina Reiche, Hauptgeschäftsführerin des VKU, eine Veränderung des Ausschreibungsverfahrens, um die Option National Roaming zwischen den einzelnen Netzbetreibern durchführen zu können. Grundsatzvoraussetzung hierfür sei jedoch der Ausbau der Glasfaserleitungen.

National Roaming statt Oligopol

Die drei Mobilfunkriesen Vodafone, Telekom und Telefónica verfahren schon jetzt nach dem Roaming-Prinzip, was bedeutet, dass der Nutzer unbemerkt von dem Anbieter versorgt wird, der die Netze in der jeweiligen Region besitzt.

Allerdings ist es fragwürdig, ob die drei Oligopolisten den Markt für andere Unternehmen öffnen, solange hier keine Verbindlichkeit besteht. „Die Großen teilen die Infrastruktur, aber nicht mit anderen“, meint Theo Weirich, Geschäftsführer von Wilhelm Tel und Buglas. VKU, IEF und Buglas fordern diese Verbindlichkeit in Form einer Dienstanbieterverpflichtung, die bereits in den Lizenzvergaberichtlinien der Bundesnetzagentur verankert sein muss. Sofern notwendig, müsse hierfür auch der Rechtsrahmen angepasst werden, fordern die Verbände.

Massiver Antennenausbau nötig

Weirich sieht „Konnektivität als ein Menschenrecht.“ Als City-Carrier hat er mit Wilhelm Tel bereits die Erfahrung gemacht, dass „Wettbewerb nur funktioniert, wenn der Wettbewerber merkt, dass er verliert.“ Mit 2 000 Antennen hat er in Norderstedt, Schleswig Holstein, und Umgebung ein WLAN-Netz aufgebaut, welches 450 000 Kunden auf Gbit-Ebene versorgt. Wolle man mit der 5G Entwicklung Schritt halten und Deutschland so wettbewerbsfähig halten, müsse eine „Invasion im Antennenbereich“ stattfinden.

Er kritisiert auch, dass die Bundesnetzagentur sich beim Kostenvoranschlag für die 5G-Wende vollkommen auf die Zahlen der Telekom verließe. Diese geben eine Schätzung von 60 Mrd. Euro für die komplette Umstellung an. Eigenen Gutachten zufolge käme er jedoch lediglich auf sieben bis acht Mrd. Euro. „Und diese Kosten sind durch Kooperationen senkbar“, führt er weiter aus.

Politischer Druck ist immens

„Der politische Druck ist groß“, resümiert Friedbert Pflüger, Vorsitzender der IEF, die Debatte der letzten Wochen. „Über 20 Wirtschaftsführer haben sich dazu im Weckruf der deutschen Wirtschaft in einem Handelsblatt-Artikel geäußert. Der Konsens: Wir springen zu kurz.“

„Neueinsteiger müssen die Möglichkeit haben, einzusteigen. Dafür muss die Bundesnetzagentur als Schiedsrichter agieren“, fordert er weiter. In den kommenden Tagen müsse die Voraussetzung dafür geschaffen werden, dass Deutschland wettbewerbsfähig bleiben kann. 5G wird in Zukunft für viele Themen relevant werden. Stichworte sind das autonome Fahren, "predictive maintenance" und E-Health. Internetdienstleistung sei moderne Daseinsvorsorge, sind sich VKU, Buglas und IEF einig.

Unabhängigkeit für Kommunen

Auch für kommunale Unternehmen wird das Thema 5G künftig zu einem entscheidenden Standortfaktor anwachsen. Hierfür sei es entscheidend, dass Kommunen unabhängig von den Ausbauplänen der Netzbetreiber die Möglichkeit haben, den Mobilfunkausbau in ihrer Kommune voranzutreiben. (hol)

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