Blick auf die Fassade des M-Net-Standortes in München.

Blick auf die Fassade des M-Net-Standortes in München.

Bild: © M-Net

Seit 2017 will der kommunale Glasfaseranbieter M-Net in 37 Gemeinden im Oberpfälzer Landkreis Cham eines der größten flächendeckenden Glasfasernetze im ländlichen Raum errichten. 1600 Kilometer Tiefbautrasse werden dafür benötigt. Doch passiert ist laut dem Landkreisamt bisher so gut wie nichts, kaum eine Leitung wurde verlegt. "M-Net hat das Projekt offensichtlich völlig unterschätzt und mangelhaft kalkuliert", teilt ein Sprecher des Landratsamtes auf ZfK-Anfrage mit. Der Landkreis habe deshalb einen Verzugsschaden für nicht fertiggestellte Cluster geltend gemacht.

Spekulationen um Kapitalerhöhung

Die Wellen in Cham und in München schlagen seitdem hoch. Spekulationen über die wirtschaftliche Situation schießen ins Kraut. M-Net weist Spekulationen über mögliche finanzielle Schwierigkeiten bis hin zu einer Insolvenz entschieden zurück und behält sich bei entsprechenden Äußerungen aus dem Markt rechtliche Schritte vor. Auch die Stadtwerke München (SWM) als Hauptanteilseigner von M-Net sind über die Entwicklung des Projekts sehr unzufrieden. Unter anderem wegen der Entwicklungen in Cham hat M-Net seit vergangenem Jahr eine neue Geschäftsführung. Auch eine Kapitalerhöhung für den Glasfaseranbieter wird im Gesellschafterkreis nicht ausgeschlossen.

Einer der Hauptgründe für das bisher missglückte Projekt sind offenbar Probleme mit einer beauftragten Tiefbaufirma. "Ein Vertrag mit einem Infrastrukturpartner kam bislang nicht zustande", heißt es ergänzend in einer Mitteilung der M-Net-Gesellschafter. Zu diesen gehören neben den SWM, N-Ergie, die Stadtwerke Augsburg, das Allgäuer Überlandwerk, Infrafürth und die Erlanger Stadtwerke. Bei dem Ausbauvorhaben in Cham sollen 6500 Haushalte ein neues FTTB- und FTTC-Glasfasernetz erhalten. Der Ausbau wird mit Bundes- und Landesmitteln gefördert, die Gesamtinvestitionssumme liegt bei 58 Mio. Euro.

"Rechtliche Auseinsandersetzungen vermeiden"

M-Net untersuche derzeit alle Aspekte des Projekts und werde hierbei von den Mitarbeitern der Gesellschafter untertützt. "M-Net, Vertreter der Gesellschaftsunternehmen und Vertreter des Landkreises werden in Kürze auf Basis dieser Analysen Gespräche führen, mit dem Ziel, eine für alle Beteiligten tragfähige Lösung zu finden und gerichtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden", heißt es weiter. Zum jetzigen Zeitpunkt verbieten sich sämtliche Spekulationen über mögliche Schadenersatzansprüche oder gar Geldsummen, da man gemeinsam mit dem Landkreis an einer Lösung arbeite, heißt es ergänzend von M-Net.

Von dem "Krisengespräch" mit M-Net erhoffen sich die Oberpfälzer, ein "realistisches und verlässliches Bild über die Leistungsfähigkeit und Stabilität von M-Net zu verschaffen". Gleichzeitig halte der Landkreis aber an dem Vertrag mit M-Net und dem vereinbarten Ausbauziel fest, das definierte Projektgebiet mit einem Glasfasernetz zu erschließen.

M-Net wächst entgegen dem Trend

Abgesehen von dem Glasfaserprojekt in Cham entwickelt sich das operative Geschäft von M-Net laut einem Sprecher sehr erfolgreich. "Bei unseren Anschlüssen verzeichnen wir sogar ein Wachstum gegen den allgemeinen Trend im Telekommunikationsmarkt", heißt es auf Anfrage. Ende 2017 lag die Zahl der aktiven Kundenanschlüsse bei M-Net bei 447.000 – ein Plus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch beim Umsatz verzeichnete man ein Wachstum – von vier Prozent auf 244 Mio. Euro. (hoe)

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