Über Satelliteninternet wollen Anbieter wie das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX, die britische Firma Oneweb oder der Handelsgigant Amazon zukünftig weltweit Breitband-Internetzugänge zur Verfügung stellen. Auch in der politischen Diskussion rückt das Internet aus dem All zunehmend ins Blickfeld. Eine Studie der TU Mittelhessen hat nun die Leistungsfähigkeit von Satelliteninternet nach dem Konzept von Starlink (SpaceX) untersucht. Die Ergebnisse geben Auskunft darüber, inwieweit es eine Alternative für Glasfasernetze bis in die Gebäude und Wohnungen in Deutschland darstellt, teilt der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) mit, der die Studie beauftragt hat.
Die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der digitalen Infrastruktur wachsen. Laut der Breko Marktanalyse21 zufolge erhöhe sich das durchschnittlich pro Anschluss und Monat übertragene Festnetz-Datenvolumen allein im vergangenen Jahr um mehr als 40 Prozent. Diesen Trend spiegele auch die weiter steigende Nachfrage nach hochbitratigen Anschlüssen wider. Bereits ein Drittel aller Kunden buchte 2020 Internetanschlüsse mit einer Datenrate über 100 Mbit/s. Mehr als eine Million Kunden entschieden sich bereits für Anschlüsse mit Datenraten von 1Gbit/s oder mehr.
Die Studienergebnisse im Überblick
Vor dem Hintergrund dieser steigenden Anforderungen stellt sich die Frage nach der Leistungsfähigkeit von Internetzugängen über Satellit. Die wesentlichen Ergebnisse der Studie im Überblick:
- Über das Satellitennetzwerk Starlink lasse sich keine flächendeckende Versorgung der deutschen Haushalte mit Bitraten von mindestens 100 Mbit/s im Download erreichen.
- Selbst mit "sehr optimistischen Annahmen" laut ließe sich über das Starlink-Netz maximal 1,3 Mio. 100 Mbit/s-Anschlüsse oder 130.000 1 Gbit/s-Anschlüsse in Deutschland realisieren. Die Upstream-Bitraten entspreche dabei maximal 30 bis 40 Prozent der Downstream-Bitraten.
Das sind die Anwendungszenarien für Satelliteninternet
"Satelliteninternet wie beispielsweise Starlink stellt für das Geschäftsmodell von Telekommunikationsfirmen keine Bedrohung dar", merkt Kristof Obermann an. Der Professor von der TU Mittelhessen erklärt: Die Stärke derartiger Netze liege weniger in der bereitgestellten Kapazität als vielmehr in der globalen Vernetzung sehr vieler Endgeräte mit moderaten Bitraten aber geringen Latenzen bei hinreichend großen Entfernungen.
Denn mit den Glasfaseranschlüssen könnten Bitraten von 1 Gbit/s, 10 Gbit/s und künftig sogar noch höhere Bitraten (100 Gbit/s, 400 Gbit/s) sowohl im Up- als auch im Downstream realisiert werden.
Glasfaser bleibt alternativlos - aber...
"Die Ergebnisse der Studie unterstreichen, dass Glasfaser als digitale Infrastruktur alternativlos ist", sieht Stephan Albers, Breko-Geschäftsführer, bestätigt. Gleichzeitig liefere die Studie Erkenntnisse, was Satelliteninternet leisten kann. Um auch Bürger in sehr ländlichen und besonders dünn besiedelten Gegenden digitale Teilhabe zu ermöglichen, könne das Internet aus dem All sinnvoll als Brückentechnologie eingesetzt werden.
Bei den Ergebnissen der Studie ist zu berücksichtigen, dass derzeit noch nicht absehbar ist, ob und wann Starlink sein Endausbauziel von insgesamt knapp 42.000 Satelliten im Weltall erreichen wird. Die Studie geht trotzdem von der Annahme aus, dass es gelingt, die geplanten fast 42.000 Satelliten ins All zu bringen. Die komplette Studie finden Sie HIER.



