Herr Palm, wie zufrieden sind Sie mit den nun vorherrschenden Rahmenbedingungen für Glasfaserausbau und -investitionen?
Bernhard Palm: Grundsätzlich geht vieles in die richtige Richtung. Beispielsweise ist das nun verabschiedete Telekommunikationsmodernisierungsgesetz (TKG-Novelle) darauf ausgelegt, den Glasfaserausbau in Deutschland voran zu bringen. Sie schafft durch die vorgesehenen Regulierungserleichterungen Planungssicherheit und damit Investitionsanreize für Glasfaseranschlüsse. Wir freuen uns auch über das Graue Flecken-Förderprogramm. Mit diesem wird der kommunale Glasfaserausbau einen deutlichen Schub erhalten. Diesen werden wir im Schulterschluss mit der Plusnet nutzen, um uns bundesweit als Telekommunikationsunternehmen auszurichten. Die Plusnet bringt hierfür viel Erfahrungen im B2B-Markt sowie bei verschiedenen Services und Diensten mit ein.
Vermissen Sie etwas bei den Rahmenbedingungen?
Palm: Es ist schade, dass das One-Stop-Shop-Prinzip für Genehmigungen im Rahmen des Glasfaserausbaus nicht konsequent genug umgesetzt wurde. Es hätte die bürokratischen Prozesse definitiv erleichtert und beschleunigt. Allerdings ist die Einrichtung koordinierender Stellen für Genehmigungsverfahren durch die Bundesländer lediglich als sogenannte "Soll-Vorschrift" in die TKG-Novelle eingegangen. Außerdem fehlen mir die Erleichterungen bei den alternativen Verlegemethoden wie dem Micro-Trechning-Verfahren. Sie würden die Kosten für den künftigen Glasfaserausbau deutlich reduzieren. Nun sind diese Methoden jedoch lediglich mit Zustimmung des Wegebaulastträgers möglich. Aber auch nur dann, wenn der Netzbetreiber die Kosten für mögliche Beeinträchtigungen oder etwaig höheren Erhaltungsaufwand übernimmt. Das hemmt natürlich den Ausbau mit alternativen Verlegemethoden.
Viele Gemeinden und Städte sowie deren kommunale Unternehmen stehen aber gerade den alternativen Verlegemethoden skeptisch gegenüber.
Palm: Das verstehe ich vollkommen. Es existieren Bad-Practice-Beispiele. Diese basieren aber vor allem auf fehlenden Erfahrungen. Wir setzen seit einigen Jahren beispielsweise das Micro-Trechning-Verfahren ein und haben damit bisher gute Erfahrungen gemacht. Man muss aber wissen, dass die Methode in Gehwegen von Ballungszentren, wo viele Kabel verlegt sind und die Hausanschlüsse sehr nah beieinander liegen, nicht unbedingt geeignet ist. Außerdem erfordert die Umsetzung mehr Fachkompetenz und auch die Vorgaben der Straßenbauvorschriften sollten eingehalten werden. Trotzdem spart beispielsweise das Micro-Trenchning verglichen mit den herkömmlichen Methoden rund 15 Prozent an Kosten mit zusätzlich deutlich gesteigerter Ausbaugeschwindigkeit.
Was raten Sie Kommunen und Stadtwerken grundsätzlich?
Palm: Wenn eine Kommune aktuell in ein Zukunftsthema investieren möchte, dann sollte sie dies in die Telekommunikationsinfrastruktur tun. Hier können die Kommunen ihre eigene Infrastrukturkompetenz einbringen und optimal nutzen. Ein gut ausgewählter Partner kann dann die Stärken der Kommunen sinnvoll ergänzen, meistens im Dienstleistungen-Bereich, um so leistungsfähige Produkte auf den Markt bringen zu können. Gerade Stadtwerke haben einen starken Vertrieb und ein lokales Branding – ein Pfund, das man nutzen muss.
Die Fragen stellte Adrian Gun.



