Fast lückenlos: ist die schnelle Glasfaser-Autobahn in Oberhaching.

Fast lückenlos: ist die schnelle Glasfaser-Autobahn in Oberhaching.

Bild: © enfvx/AdobeStock

Deutschland muss aus Sicht der EU-Kommission beim Ausbau der digitalen Infrastruktur mehr tun. Der reine Glasfaser-Anteil beim Festnetz liegt in der Bundesrepublik mit 19 Prozent wesentlich niedriger als im EU-Schnitt (56 Prozent), wie aus einem am Mittwoch vorgestellten Bericht der Brüsseler Behörde zum Stand der digitalen Transformation in Europa hervorgeht.

Deutschland sollte seine Anstrengungen in Sachen «Glasfaser in die Gebäude» verstärken, betonen die Autoren. «Es ist wichtig, dass Deutschland Hindernisse beseitigt und Investitionen in Hochleistungsnetzwerke verstärkt.»
 

In Deutschland wurde für Internetverbindungen zuhause jahrzehntelang vor allem auf Telefonkabel (VDSL) gesetzt, das nur relativ langsame und schwankungsanfällige Datenübertragungen ermöglichte.

Milliarden-Investitionen für Gigabit-Tempo nötig

Je stärker der Datenbedarf im Internetzeitalter stieg, desto mehr kam VDSL aus der Mode. Auch Fernsehkabel spielten bei der Internetnutzung eine wichtige Rolle. In Sachen Glasfaser war Deutschland ein Spätstarter, erst seit wenigen Jahren werden Milliarden investiert.

Auch EU-weit müssen die Netze aber ausgebaut werden, so die Experten. Damit in der ganzen EU in Gigabit-Geschwindigkeit gesurft werden kann, werden den Angaben nach zusätzliche Investitionen in Höhe von mindestens 200 Milliarden Euro gebraucht.

Dieses Geld sei auch notwendig für eine Abdeckung mit 5G in allen besiedelten Gebieten.

Bis 2030 sollen alle Haushalte in der EU Internet in Gigabitgeschwindigkeit haben

Sowohl beim Festnetz als auch beim Mobilfunk sehen die Fachleute noch Defizite: Derzeit erreichen den Angaben zufolge Glasfasernetze nur 56 Prozent der Haushalte. 55 Prozent der EU-Haushalte auf dem Land seien immer noch nicht an ein fortschrittliches Netz angebunden und 9 Prozent gar nicht mit Festnetz versorgt.

81 Prozent der Bevölkerung in der EU seien mit dem Mobilfunkstandard 5G abgedeckt - in ländlichen Gegenden allerdings nur 51 Prozent. Bei den 5G-Handynetzen schneidet Deutschland im Vergleich relativ gut ab: Jeder der drei hierzulande tätigen Netzbetreiber erreicht mit seinen Antennen nach eigenen Angaben mehr als 90 Prozent der deutschen Haushalte.

Bis 2030 sollen in der EU alle Haushalte Internet in Gigabitgeschwindigkeit haben, in besiedelten Räumen soll eine Netzabdeckung mit 5G gewährleistet sein. Diese Ziele hatte sich die Kommission 2021 mit der sogenannten digitalen Dekade gesetzt.

20 Millionen Computer-Fachleute bis 2030?

So sollen etwa auch bis Ende des Jahrzehnts alle Bürger wichtige Behördengänge online erledigen können. Die digitalen Grundkenntnisse sollen bei mindestens 80 Prozent der 16- bis 74-Jährigen verbessert werden. Zudem sollen 2030 20 Millionen Computer-Fachleute in der EU arbeiten, und mindestens 20 Prozent der weltweiten Produktion von Halbleitern sollen hier angesiedelt sein.

Viele Menschen ohne digitale Grundkenntnisse

Gerade in Sachen digitales Know-How sieht es derzeit eng aus. Wie aus dem Bericht hervorgeht, werden bis 2030 unter den derzeitigen Bedingungen nur 59 Prozent der Bevölkerung zumindest über digitale Grundkenntnisse verfügen. Die Zahl der IT-Kräfte dürfte 2030 zwölf Millionen nicht übersteigen, hieß es.

Auch bei den digitalen Grundkenntnissen in der Bevölkerung liegt Deutschland den Angaben nach mit 49 Prozent weiterhin unter dem EU-Schnitt (54 Prozent). Der Anteil der Computer-Spezialisten an der Gesamtbeschäftigung (5 Prozent) liege aber etwas über dem Durchschnitt (4,6 Prozent).

Erhebliche Lücken bei öffentlichen Dienstleistungen in Deutschland

Die künftigen Wachstumsaussichten in diesem Bereich würden jedoch durch hohe Studienabbrecherquoten in den entsprechenden Fächern beeinträchtigt, hieß es. Deutschland sollte die Aus- und Weiterbildung im Bereich der digitalen Kompetenzen ausbauen, so die Experten - etwa Kurse auf allen Ebenen und in allen Disziplinen für die gesamte Bevölkerung entwickeln.

Erhebliche Lücken sehen die Experten darüber hinaus bei öffentlichen Dienstleistungen in Deutschlands.

Das Bundesdigitalministerium nehme den Bericht als Ansporn, die Anstrengungen zur beschleunigten Digitalisierung konsequent fortzuführen und zur europäische Spitze aufzuschließen, so ein Sprecher. «Betrachtet man die jüngsten Fortschritte, schreitet die digitale Transformation in Deutschland in allen Dimensionen stetig voran.» Insbesondere beim Glasfaserausbau sei die Dynamik hoch und man sei zuversichtlich, bis 2030 jeden Haushalt zu versorgen. (dpa/hoe)

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