Von Julian Korb
Digitales Projektmanagement kommt in der Stadtwerke-Welt an. Ein Beispiel sind die Stadtwerke Stendal. Für den Bau eines neuen Photovoltaik-Parks hat der kommunale Versorger aus Sachsen-Anhalt erstmals eine Software eingesetzt, die das Projektmanagement erleichtern soll. Anbieter ist das ebenfalls in Stendal ansässige IT-Unternehmen Coman Software.
"Bislang haben wir bei größeren Projekten die klassischen Programme von Microsoft Excel genutzt", sagt Holger Meinen, bei den Stadtwerken zuständig für Vertriebsservice und Dienstleistungsgeschäft. "Doch diese Anwendungen kontrollieren keine Termine oder erinnern an Restarbeiten." Obwohl Prozesse bereits digitalisiert seien, falle daher weiterhin viel Handarbeit an.
Layoutdarstellung statt Listen
Die neue Software überführt nun verschiedene Datensätze in eine Layoutübersicht – etwa den Grundriss eines PV-Projekts oder einen Leitungsstrang im Netz. "Wir können Ziele und Fristen eintragen und sofort reagieren, wenn Termine nicht eingehalten werden", so Meinen.
Klassischerweise arbeiten Unternehmen im Projektmanagement mit Listen und Terminplänen, ergänzt Mats-Milan Müller, Marketingleiter bei Coman. "Wir setzen stattdessen auf eine Layoutdarstellung." Neben PV-Parks können etwa Stadtpläne, Straßen oder Gebäude abgebildet werden. Auf einer Karte werden Anlieferungs- und Montagedaten hinterlegt. Eine Farbcodierung zeigt, ob der Zeitplan eingehalten wird.
"Unser Bauleiter konnte Abweichungen direkt auf der Baustelle feststellen und dem Nachunternehmer per App melden", erklärt Meinen. Dank der grafischen Übersicht habe das Subunternehmen sofort gewusst, welches Modul betroffen war. Die Kommunikation per E-Mail oder Brief werde dadurch reduziert.
Einsatz in der Netz- oder Wärmeplanung
Die Planung des Solarparks soll nur der Anfang sein: "Ich sehe das Einsatzfeld der Software auch bei kleineren Projekten", betont Meinen. "Als Stadtwerk verlegen wir täglich Wasser-, Abwasser-, Strom- und Gasleitungen."
Die Lösung könne künftig etwa auch in der Netzplanung oder bei der kommunalen Wärmeplanung eingesetzt werden. Zudem verbessere sie die Zusammenarbeit zwischen Abteilungen. "Wenn wir eine Störung in der Trinkwasserversorgung beheben, ist das für die Kollegen aus dem Stromnetz künftig transparenter." So ließen sich Bauvorhaben besser abstimmen und Bauzeiten verkürzen.
Nutzer haben dabei Gestaltungsspielraum. "Lieferanten und Subunternehmer können eingeschränkten Zugang erhalten", erklärt Müller. Informationen, die Konkurrenten betreffen, lassen sich ausblenden. Die Kunden lernen, Rollen und Berechtigungen selbst zu definieren.
Im Gegensatz zu Excel bietet die Lösung Revisionssicherheit: Einträge können nicht gelöscht werden, selbst bei Fremdzugriff. Zudem lassen sich Daten in andere Formate exportieren. "Wir wollen keine Datensilos aufbauen, sondern Datendurchgängigkeit schaffen", betont Müller. So können Daten auch in ERP-Systeme übertragen werden, wie sie viele Energieversorger nutzen.
Finanzieller Druck auf Stadtwerke steigt
Coman Software bringt Erfahrung aus der Industrie mit. Das Unternehmen hat bereits Projekte beim Ausbau und der Modernisierung von Transformatoren begleitet. "Für uns ist nicht entscheidend, ob es sich um Flugzeugmontage oder U-Bahn-Sanierung handelt", sagt Müller.
Das Unternehmen stammt ursprünglich aus der Automobilfertigung und überträgt dieses Know-how nun auf die Energiewirtschaft. Die Stadtwerke Stendal gehören zu den ersten Kunden aus der Kommunalwirtschaft. "Die Digitalisierung von Projektprozessen ist eine der spannendsten Herausforderungen für Stadtwerke derzeit", so Müller. Der finanzielle Druck steige, und Digitalisierung sei auch auf Geschäftsführungsebene angekommen.
Einschränkungen, wann sich die Software für Energieversorger lohnt, sieht Meinen kaum. "Das kann sich auch bei kleineren Projekten rechnen, vor allem bei wiederkehrenden Aufgaben mit vielen Einzelschritten." Eine Mindestgröße gebe es allerdings nicht.
Auch bei Routinearbeiten, wie der Wartung von Gasleitungen, sieht Meinen Potenzial. Damit gehe der Kommunalversorger einen weiteren Schritt Richtung Digitalisierung. Mit 135 Mitarbeitenden und rund 100 Millionen Euro Umsatz zählen die Stendaler zu den mittelgroßen Stadtwerken. Neben Energie- und Netzgeschäft betreiben sie Ladesäulen, bauen Photovoltaikanlagen sowie Solarparks und vertreiben Wärmepumpen.



