Die Debatte um einen "abgespeckten" Smart-Meter-Rollout zur Beschleunigung der Digitalisierung in Deutschland weiter. (Symbobild)

Die Debatte um einen "abgespeckten" Smart-Meter-Rollout zur Beschleunigung der Digitalisierung in Deutschland weiter. (Symbobild)

Bild: © krisana/AdobeStock

Die Debatte um eine Vereinfachung des Smart-Meter-Rollouts in Deutschland geht weiter. Bei einer Online-Veranstaltung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) am 13. Oktober hat Hausheld-CEO Bouke Stoffelsma vorgeschlagen, bestehende Smart-Meter-Gateways auch für die Anwendungsfälle von "Smart Meter Light" einzusetzen. 

Die Geräte sollen dafür an einem zentralen Standort des Gatewayadministrators installiert werden. Über gesicherte Verbindungen könnten wettbewerbliche Messstellenbetreiber einzelne Kunden an unterschiedlichen Standorten über ein gemeinsames Gateway anbinden.

Ein Gateway für mehrere Kunden 

Grundlage ist das sogenannte 1:n-Prinzip: Mehrere Stromzähler teilen sich ein Smart-Meter-Gateway, das ihre Messwerte sicher übermittelt. Dadurch verteilen sich die Kosten des Gateways auf mehrere Zählpunkte. 

Der Smart-Metering-Anbieter aus Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen) nutzt dieses Prinzip etwa bereits beim straßenweisen Smart-Meter-Rollout. Die Gateways stehen beispielsweise in Trafostationen und verbinden Zähler in benachbarten Häusern.

Grundlage ist § 21 Absatz 3 Messstellenbetriebsgesetz (MsbG). Er erlaubt die gemeinsame Nutzung eines Gateways für mehrere Zählpunkte in räumlicher Nähe einer Liegenschaft. Dazu zählen auch Zählpunkte an mehreren Netzanschlüssen im Bereich desselben Netzknotens gleicher Spannungsebene. 

Diese räumliche Begrenzung will Stoffelsma erweitern lassen. Das MsbG soll nach seinem Vorschlag auch erlauben, räumlich verstreute Kunden über ein gemeinsames Gateway in den Räumlichkeiten des Gatewayadministrators anzubinden, wenn diese einen vorzeitigen Einbau wünschen.

Wettbewerbliche Messstellenbetreiber könnten dann beispielsweise Kunden in verschiedenen Stadtteilen bündeln und die Gatewaykosten auf sie verteilen. Sie müssten nicht erst genügend Kunden innerhalb eines räumlichen Nahbereichs gewinnen. "Man muss nur aufhören zu denken, dass das Gateway immer ins Haus muss", erklärte Stoffelsma.

Man muss nur aufhören zu denken, dass das Gateway immer ins Haus muss.

Stoffelsma will so auch die Anforderungen erfüllen, für die Octopus Energy eine neue Geräteklasse namens "Smart Meter Light" fordert. Bei den Kunden müsste nach seiner Darstellung kein eigenes Gateway installiert werden.

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Die Zähler und gegebenenfalls vorhandene Heimenergie-Managementsysteme (Hems) würden über gesicherte Verbindungen an ein gemeinsam genutztes Gateway beim Gatewayadministrator angebunden. Die vorhandene, zertifizierte Gatewaytechnik soll Kosten und Installationsaufwand reduzieren. Voraussetzung wäre aus seiner Sicht eine Erweiterung der gesetzlichen Möglichkeiten im MsbG. 

Warnung vor weiteren Verzögerungen 

Stoffelsma begründete seinen Vorschlag mit den Erfahrungen aus dem bisherigen Rollout. Neue technische Anforderungen und Zertifizierungsverfahren hätten die Einführung intelligenter Messsysteme wiederholt verzögert. Eine zusätzliche Geräteklasse könne erneut Unsicherheit schaffen und Investitionen bremsen. 

Statt neue Kommunikationstechnik zu entwickeln, sollten die Möglichkeiten der vorhandenen Infrastruktur ausgeschöpft werden. Nach Stoffelsmas Einschätzung ließen sich damit Kosten senken, ohne bestehende Sicherheitsstandards und Marktprozesse aufzugeben. Auch Steuerungsfunktionen wären nach seiner Darstellung möglich: Hems könnten über gesicherte VPN-Verbindungen mit dem Smart-Meter-Gateway kommunizieren, statt unmittelbar über das Internet erreichbar zu sein. 

Konkurrent setzt auf Smart Meter Light 

Einen anderen Ansatz vertrat Sebastian Schaule, Head of Political and Public Affairs bei Octopus Energy. Der Energieversorger mit britischem Mutterkonzern wirbt für Smart Meter Light als Ergänzung zu intelligenten Messsystemen (iMSys). Zielgruppe sind insbesondere Haushalte außerhalb des Pflichtrollouts, die weder eine Photovoltaikanlage noch eine Wärmepumpe, Wallbox oder einen Speicher betreiben. 

Für diese Kunden genüge es aus Sicht von Octopus Energy, den Stromverbrauch viertelstündlich zu erfassen und die Messwerte zu übertragen. Auf Steuerungsfunktionen könne verzichtet werden. Das soll Kosten sparen und mehr Haushalten den Zugang zu zeitvariablen Stromtarifen ermöglichen. Schaule verwies dabei auf Tarife mit festen Preisstufen, die mehr Planungssicherheit bieten sollen als unmittelbar an Börsenpreise gekoppelte dynamische Tarife. 

Auch Octopus Energy will dafür vorhandene Komponenten nutzen. Die vorgestellte Konzeption sieht einen Basiszähler mit Echtzeituhr und zusätzlichem Kommunikationsmodul vor. Bei Hardware und Prozessen soll Smart Meter Light möglichst weitgehend auf bestehender Infrastruktur aufbauen. 

Eine Anfang Oktober vorgestellte Machbarkeitsstudie sieht nach Angaben des britischen Energieversorgers auch gegenüber einem iMSys im Eins-zu-n-Betrieb Kostenvorteile. Schaule betonte, Smart Meter Light solle den bestehenden Pflichtrollout nicht ersetzen, sondern eine zusätzliche Option schaffen. Zugleich kritisierte er die bisherigen Umsetzungslücken: "Wir haben eigentlich keine Lust mehr, uns ständig auf irgendwelche staatlichen Vorgaben zu verlassen, die dann sowieso nicht umgesetzt werden im Markt."

Wir haben eigentlich keine Lust mehr, uns ständig auf irgendwelche staatlichen Vorgaben zu verlassen, die dann sowieso nicht umgesetzt werden im Markt.

Mehrfachanbindung noch nicht überall massentauglich 

Einschätzungen gab es auch aus der Wissenschaft. Erwan Taillanter, Senior Research Consultant bei der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE), beleuchtete die wirtschaftlichen Voraussetzungen. Nach seiner Einschätzung dürfte 1:n bei einer hohen Zahl angeschlossener Zähler wirtschaftlich am günstigsten sein. Offen sei insbesondere der Vergleich bei wenigen Zählern je Gateway. 

Zudem seien noch nicht alle Systeme für den massenhaften 1:n-Betrieb ausgelegt. Insbesondere die Systeme zur Gatewayadministration müssten dafür ertüchtigt werden. 

Auch der Zeitfaktor spiele eine Rolle. Während intelligente Messsysteme bereits verfügbar sind, gebe es noch keine Smart-Meter-Light-Technik, die regulatorisch konform in Deutschland installiert werden könnte. Eine neue Lösung müsste rechtzeitig verfügbar sein, um geplante Austauschtermine für konventionelle Zähler nutzen zu können. 

Taillanter sprach sich zudem deutlich dagegen aus, jeden Messstellenbetreiber zum parallelen Rollout und Betrieb von Smart Meter Light neben intelligenten Messsystemen zu verpflichten. Viele Unternehmen seien durch den laufenden iMSys-Rollout bereits stark gefordert. 

Umweltschützer sind unentschlossen

Andere zeigen sich in der Debatte noch unentschlossen. Für Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe, steht die Teilhabe der Verbraucher im Vordergrund. Auch Mieter und Haushalte ohne eigene Energieanlagen müssten von Verbrauchsdaten und neuen Stromtarifen profitieren können.

Ob dafür Smart Meter Light nötig sei oder der bestehende Rollout schneller und günstiger werden müsse, ließ sie offen. Bereits zu Beginn der Veranstaltung erklärte sie: "Die FfE legt sich da nicht abschließend fest, ich auch nicht." 

Stoffelsma bot Schaule einen vertiefenden Austausch über seinen Vorschlag an. Schaule erklärte sich dazu bereit, blieb gegenüber einer Beschränkung auf die bestehende Gatewaytechnik jedoch zurückhaltend. Er warb weiterhin dafür, mehrere technische Wege zu ermöglichen.  

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