Im Jahr 2018 wurden fast 3 GW an Photovoltaikanlagen neu installiert.

Im Jahr 2018 wurden fast 3 GW an Photovoltaikanlagen neu installiert.

Bild: © OFC Pictures/AdobeStock

Von Julian Korb

Die Stadtwerke München wollen im Solargeschäft künftig stärker auf künstliche Intelligenz (KI) setzen. Der Kommunalversorger führt dazu gerade die Lösung des nach eigenen Angaben international führenden Solar-Softwareanbieters Aurora Solar ein, um die Planung und den Vertrieb von Photovoltaik (PV)-Anlagen schneller und einfacher zu machen.

"Wir haben für rund 80 Prozent der privaten Dächer nun erstmals eine Lösung, mit der wir Planungsprozesse vernünftig automatisieren können", sagt Thomas Lüers, der bei den Stadtwerken das Geschäftsfeld Dezentrale Energielösungen leitet. "Wir erhoffen uns dadurch noch mal einen Schub für die Kosteneffizienz."

Weniger Vor-Ort-Besuche

Die Software von Aurora Solar erstellt 3D-Modelle von Dächern und liefert Verschattungsanalysen, um den optimalen Sonnenertrag herauszuholen. So sollen für Installateure deutlich weniger Vor-Ort-Besuche nötig sein. Das globale Softwareunternehmen nutzt unter anderem Wetter- und Satellitendaten, aber auch LiDAR(Light Detection and Ranging)-Technologie, die mithilfe von Laserstrahlen Entfernungen präzise bestimmt.

"Wir kombinieren als Plattform verschiedene Komponenten: die Daten, die Modellierung und schließlich die Simulierung", sagt Christopher Hopper, Mitgründer und Geschäftsführer von Aurora Solar. So könnten PV-Anbieter die Stromerzeugung und die Ersparnisse an Stromkosten bei einem Projekt einfach berechnen.

Vorplanung mit Google-Maps

Die Stadtwerke haben mit der neuen Software bislang gute Erfahrungen gemacht. "Wir sammeln auch weiterhin Daten beim Kunden vor Ort und machen dort auch Drohnenaufnahmen", erklärt Lüers die Vorgehensweise.

Durch die Softwarelösung seien bei der Vorplanung umständliche Anwendungen, etwa mit Google-Maps, nicht mehr notwendig. "Das entzerrt unglaublich die Prozesse." Die Zeit bei der Erstellung der Dachbelegung habe sich so in etwa auf ein Drittel verringert. Auch im Verkaufsgespräch könne die Aufbereitung durch die Software helfen.

Mit einem sechzigköpfigen Team sind die Stadtwerke in vielen Segmenten im Solargeschäft tätig, von privaten Aufdachanlagen über Gewerbeanlagen bis zu Mieterstromanlagen.

Erweiterung auf Mieterstrom

Zwar bietet Aurora Solar auch eine eigene Lösung für Gewerbeanlagen an. Ob die Lösung sich für die Stadtwerke auch bei größeren Anlagen eigne, etwa beim Mieterstrom, müsse sich jedoch noch zeigen, erläutert Lüers. Hilfreich wäre die Automatisierung. Gerade bei großen Quartieren sei ein Vorabcheck, ob sich ein Projekt überhaupt lohne, sinnvoll.

"Nicht jedes Angebot wird auch ein Projekt", betont Hopper von Aurora Solar. "Aber die Kosten verdoppeln, verdreifachen sich. Deswegen ist es so wichtig, die Bearbeitungszeit zu verringern." In den USA habe man gelernt, die Auslegungszeit von Anlagen maximal zu beschleunigen und sei dort im Eigenheimsegment mittlerweile Marktführer.

Auf dem deutschen Markt arbeitet Aurora Solar bereits mit der Mehrzahl der großen PV-Anbieter zusammen, will sich aber auch an kleinere Installateure und Energieversorger richten. "Für unser Produkt gibt es keine untere Grenze. Wir bieten auch ein kleines Paket an", sagt Hopper. Je größer das Unternehmen, desto wichtiger werde die Prozessoptimierung dabei.

München weniger von Marktschwäche betroffen

Bei den Stadtwerken München sind sie zuversichtlich, dass der Einsatz von KI das PV-Geschäft einfacher und einträglicher macht. Derzeit sieht Lüers bei der Software von Aurora Solar zwar auch noch eine unterschiedliche Datenqualität: "In München-Stadt ist die Genauigkeit noch größer als in den äußeren Landkreisen", aber das könne sich mit der weiteren Erfahrung im deutschen Markt verbessern.

Derzeit verkaufen die Stadtwerke München eine mittlere Anzahl von PV-Anlagen im Monat. "In einem guten Monat ist es eine hohe zweistellige Zahl", sagt Vertriebler Lüers. Der Kommunalversorger hat zudem das Angebot für Mieterstromanlagen und gewerbliche Anlagen ausgebaut. Etwa 250 PV-Anlagen mit einer Leistung von rund 10 Megawattpeak betreibt das Unternehmen selbst.

Dass das Eigenheimsegment schwieriger geworden ist, merken dabei auch die Stadtwerke. "In der Energiekrise haben wir auch viele Vorzieheffekte gesehen", so Lüers. Zweistellige Wachstumsraten seien derzeit nicht zu erwarten. Allerdings sei München etwas weniger von der allgemeinen Marktschwäche betroffen als andere Regionen. "Wir gehen aber weiterhin von einem langfristigen Wachstum im Markt aus."

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