Für ein detailliertes Lagebild: Meteomatics sammelt mit eigenen Drohnen Wetterdaten.

Für ein detailliertes Lagebild: Meteomatics sammelt mit eigenen Drohnen Wetterdaten.

Bild: © Meteomatics

Rob Hutchinson ist Meteorologe und Berater bei Meteomatics.

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Mit dem Klimawandel ändert sich auch das zu erwartende Wetter. Der Wetterexperte Robert Hutchinson von Meteomatics erklärt im Interview, was dies für Erzeuger bedeutet. Das Schweizer Technologieunternehmen liefert detaillierte Wetterdaten.

Was müssen Energieerzeuger über den Einfluss des Klimawandels auf das Wetter wissen?

Bestimmte Wetterparameter ändern sich sehr schnell, beispielsweise die Temperatur und die Niederschlagsmuster. Es gibt heißere Sommer und mildere Winter, also ein tendenziell trockeneres und sonnigeres Wetter.

Worüber in den Modellen noch keine Sicherheit besteht, sind die Auswirkungen auf die Wolkendecke und die Windgeschwindigkeiten, die für die Energiemärkte von großer Bedeutung sind.

Einige Klimamodelle deuten darauf hin, dass es zumindest in Europa insgesamt zu einer Abnahme der Windgeschwindigkeit kommen wird, was für die Planung neuer Projekte sehr wichtig wird.

Über wieviel Veränderung reden wir da?

Im Moment herrscht diesbezüglich große Unsicherheit.

"Das erhöht die Häufigkeit schwerer Gewitter und das wird wiederum auch für den Betrieb und die Wartung erneuerbarer Anlagen relevant sein."

Was ist mit der Wolkendecke?

Ähnlich wie bei der Windgeschwindigkeit sind die Prognosen dafür viel weniger sicher als die Temperaturtrends. Ein anderer relevanter Trend ist aber, dass die Wissenschaft in Klimaszenarien tendenziell mehr Unwetter erwartet. Das erhöht die Häufigkeit schwerer Gewitter und das wird wiederum auch für den Betrieb und die Wartung erneuerbarer Anlagen relevant sein.

Gibt es bereits Schlüsse, die Erneuerbaren-Produzenten jetzt aus diesen Trends ziehen?

Was wir derzeit häufig beobachten, ist die Volatilität auf den Energiemärkten, und ein großer Teil davon ist auf die inhärente Volatilität bei Wind- und Solarenergie zurückzuführen. Es sind also wirklich große Preisschwankungen zu beobachten. Die Investition in bessere Wetterdaten kann hier helfen.

Die traditionellen Wettermodelle, mit denen die Energiemärkte eher vertraut sind, haben eine relativ niedrige Auflösung und werden beispielsweise nur viermal am Tag aktualisiert.

Mit der verbesserten Auflösung wird eine standort- und anlagenspezifische Ebene erreicht. Die häufigere Aktualisierung verdeutlicht die Auswirkungen der feinskaligen Wettermerkmale auf eine bestimmte Anlage, einen Wind- oder Solarpark. Anhand dessen kann die Prognose verbessert und effektiver gehandelt werden.

"Wir verfügen über unsere eigene interne Expertise in der Wettermodellierung mit einem ziemlich einzigartigen Modell, EURO1k, mit einer Auflösung von einem Kilometer für ganz Europa."

Sie arbeiten bei Meteomatics, was setzt Ihr Unternehmen von der Konkurrenz ab?

Wir sind Spezialisten für Wetterdaten und wir zeichnen uns durch die Vollständigkeit der Daten, die wir den Energiemärkten zur Verfügung stellen, aus. Wir haben mehrere Modelle und Datenquellen sowie ein flexibles API-System, das wir darauf aufgebaut haben. Und was vielleicht noch wichtiger ist: Wir verfügen über unsere eigene interne Expertise in der Wettermodellierung mit einem ziemlich einzigartigen Modell, EURO1k, mit einer Auflösung von einem Kilometer für ganz Europa. So können wir hyperlokale Wettervorhersagen bereits Stunden vor dem Eintreten der Wetterlage bereitstellen.

Wie entsteht dieses Modell?

Wir haben sehr viel in ein High-Performance-IT-Cluster investiert, da es für ein solches Modell sehr viel Rechenpower braucht. Zudem verfügen wir über eine sehr starke IT-Infrastruktur, zahlreiche Datenquellen, die in das Modell hineinfließen, und bestens ausgebildete Modellierer.

Welche Rolle spielt KI bei Ihnen bereits?

In Kooperation mit Nvidia bieten wir KI-basierte Wettervorhersagen an und machen gegenwärtig erste Pilotprojekte mit führenden Energiefirmen Europas. Das Ziel ist es, Wettervorhersagen schneller zu berechnen und so einen zeitlichen Vorteil beim Stromhandel zu erlangen.

Dabei wird der Schwerpunkt auf der Prognose erneuerbarer Energien und dem Handel liegen. Energieunternehmen erhalten dadurch einen Wettbewerbsvorteil, da sie Wetterveränderungen frühzeitiger erkennen und den Handel entsprechend anpassen können.

Das Interview führte Pauline Faust.

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