Verbrauchsdaten werden in der Wärmeversorgung derzeit kaum genutzt, um Anlagen zu optimieren. (Symbolbild)

Verbrauchsdaten werden in der Wärmeversorgung derzeit kaum genutzt, um Anlagen zu optimieren. (Symbolbild)

Bild: © Henrik-Gerold Vogel/pixelio.de

Die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung beginnt oft unspektakulär. Nicht mit dem Neubau von Netzen oder Großwärmepumpen, sondern mit der Frage, wie bestehende Anlagen eigentlich laufen. "Viele Wärmeanlagen sind ineffizient eingestellt", sagte Gregor Jascke vom Kompetenzzentrum Energieeffizienz durch Digitalisierung (KEDi) in Halle an der Saale beim Tag der Kommunen auf der E-World 2026. Vorlauftemperaturen seien zu hoch, Heizkurven nicht optimal justiert. "Oft fehlt dafür schlicht die Datengrundlage."

Aus Sicht des KEDi liegt der Schlüssel im systematischen Heizungsmonitoring. Sensoren erfassen Vor- und Rücklauftemperaturen sowie weitere Betriebskennwerte, die eine kontinuierliche Optimierung ermöglichen. Das Potenzial sei erheblich: "Durch die Optimierung sinken die Energiekosten um 10 bis 20 Prozent", betonte Jascke. Gleichzeitig ließen sich Störungen früher erkennen und Investitionsentscheidungen fundierter treffen, weil belastbare Betriebsdaten vorliegen.

Datenlücke in den Kommunen

Der regulatorische Rahmen existiert bereits: In Nichtwohngebäuden ab einer Heizungsnennleistung von 290 Kilowatt ist Gebäudeautomation laut § 71a Gebäudeenergiegesetz vorgeschrieben, die Umsetzungsfrist ist Ende 2024 ausgelaufen. Dennoch arbeiten viele Kommunen weiterhin mit einem Minimaldatensatz. "Oft ist die Jahresabrechnung der einzige verfügbare Datenpunkt", so Jascke. Erfasst werde meist nur der Hauptzähler, automatisierte Daten auf Anlagenebene fehlten.

Die Gründe sind bekannt: Personalmangel, fehlende finanzielle Mittel und Know-how in den Verwaltungen. Hinzu kommt, dass es bislang kaum standardisierte Lösungen gibt. Der Wärmeexperte plädierte deshalb für Kooperationen: Kommunen müssten nicht alles allein stemmen. Gemeinsame Ausschreibungen oder die Einbindung professioneller Dienstleister könnten Prozesse vereinfachen und Skaleneffekte heben.

Minimalinvasiv statt Maximalumbau

Auch Carina Diviccaro, Director Clima Solutions & Infrastructure beim Digitalisierungsdienstleister Rockethome, sah im Bestand kurzfristig realisierbare Potenziale. "Vor allem im Bestand gibt es viele minimalinvasive Maßnahmen." Monitoring direkt an den Anlagen, die Optimierung über intelligente Thermostate oder digitale Steuerungssysteme könnten ohne große bauliche Eingriffe umgesetzt werden.

Während die öffentliche Debatte stark auf die Sanierung der Gebäudehülle fokussiert sei, ließen sich durch intelligente Anlagensteuerung deutlich schneller Effekte erzielen. "Durch den Einsatz erneuerbarer Energien im Rahmen der Sektorenkopplung in Quartieren lassen sich 10 bis 20 Prozent an Kosten einsparen." Durch intelligente Anlagensteuerung seien sogar bis zu 40 Prozent zu heben. Das hänge zwar vom jeweiligen Ausgangsszenario ab, zeige aber die Dimension.

KI als Beschleuniger

Eine zentrale Rolle spielt künftig künstliche Intelligenz, da waren sich die Branchenexperten einig. KI ermögliche eine vorausschauende, statt rein reaktive Steuerung von Energieflüssen. Quartiere und Gebäude würden so zu Flexibilitätsbausteinen im regionalen Energiesystem. "Datenbasierte Dekarbonisierung auf Portfolio-Ebene wird zu einem wichtigen Erfolgsfaktor der Zukunft", so Diviccaro. Stadtwerke entwickelten sich dabei zunehmend zu Orchestratoren lokaler Energiesysteme.

Gleichzeitig warb sie für ein pragmatisches Vorgehen. In der Energiewirtschaft gebe es oft Berührungsängste gegenüber neuen digitalen Lösungen. "Deshalb plädiere ich für verdauliche Einzelschritte." Nicht jedes Unternehmen verfüge über ein voll ausgebautes Smart-Metering-System oder ausreichend Personal. "Wir sind nicht alle Eon", sagte Diviccaro. Partnerschaften mit spezialisierten Dienstleistern könnten helfen, Kompetenzlücken zu schließen.

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