Ein sicheres IT-Netzwerk steht und fällt mit der Implementierung von Sicherheitsrichtlinien und -verfahren.

Ein sicheres IT-Netzwerk steht und fällt mit der Implementierung von Sicherheitsrichtlinien und -verfahren.

Bild: © NicoElNino/AdobeStock

Bild: © Lancom Systems

Von:
Markus Irle,
Vice President Firewall & Security,
LANCOM Systems


Im Februar traf es die Stadtwerke Rodgau, Anfang März die Stadtwerke Karlsruhe – immer wieder sind Versorger Ziel von Cyberangriffen. Die gute Nachricht: Die kritische Infrastruktur, die beide Stadtwerke bereitstellen, konnte geschützt werden. Dennoch: Ein Ende von Attacken auf die IT von KRITIS ist nicht abzusehen.

Schlimmstenfalls können erfolgreiche Angriffe auf Versorgungsnetze die Grundversorgung beeinträchtigen, mit gravierenden Folgen für Bürger*innen. Der Netzwerksicherheit kommt deshalb eine entscheidende Rolle zu. Sind moderne Next Generation Firewalls im Einsatz, wird der Aufwand für Angreifer wesentlich höher, die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls der Infrastruktur geringer.

Bedrohung der öffentlichen Sicherheit

Attacken auf IT-Netze können dem Netzwerk und den Daten, die darüber verarbeitet werden, großen Schaden zufügen. Bei sogenannten KRITIS ist die Lage noch komplexer und der Handlungsbedarf entsprechend größer, da erfolgreiche Angriffe nicht nur die Verfügbarkeit von Diensten beeinträchtigen und finanzielle Verluste zur Folge haben, sondern bei einer Beeinträchtigung der Steuerungsnetze auch eine Bedrohung der öffentlichen Sicherheit nach sich ziehen können.

Im schlimmsten Fall ist das Gemeinwohl betroffen, wenn ganze Versorgungsnetze lahmgelegt werden. Umso mehr gilt es, Netzwerke zu schützen, unautorisierte Zugriffe zu verhindern und Angriffe abzuwehren.

Unterschiedlichste Netzangriffe

Netzwerksicherheit ist einer der integralen Bestandteile um IT-Infrastrukturen gegen unbefugte Zugriffe, Schäden und Verluste geschützt werden, sei es auf technischer oder organisatorischer Ebene. Ziel sämtlicher Maßnahmen muss sein, dass das Netzwerk vertraulich, integer und verfügbar bleibt. Zu den wichtigsten Aufgaben der Netzwerksicherheit gehört die Identifizierung und Abwehr unterschiedlichster Netzwerkangriffe:

Distributed-Denial-of-Service-Attacken (DDoS) zielen darauf ab, ein Netzwerk oder einen Dienst durch unzählige Anfragen zu überlasten. Als Konsequenz kann auf berechtigte Anfragen nicht mehr reagiert werden, der Dienst steht nicht mehr zur Verfügung. Bei Phishing-Attacken werden Nutzer getäuscht und sensible Informationen wie Passwörter oder Kontoinformationen gestohlen.

Eine Malware-Infektion entsteht durch das Einschleusen schädlicher Software in ein Netzwerk, mit dem Ziel, Daten zu entwenden oder das Netzwerk zu kompromittieren. Bei Man-in-the-Middle-Angriffen dringt der Täter in die Kommunikation zwischen zwei Parteien ein und manipuliert diese. Ein Advanced Persistent Threat (APT) ist ein komplexer Angriff auf die Netzwerksicherheit, der über eine längere Zeit andauert und viel Aufwand erfordert. Dabei bewegt sich der Eindringling zuerst unentdeckt und kann dann nach Manipulation der Nutzerrechte weitere schädliche Strukturen einrichten.

Folgen eines erfolgreichen Angriffs

Die Motivation der Täter kann unterschiedlich sein: bestenfalls wollen sich die Eindringlinge nur im Netz umschauen und zeigen, dass es ihnen gelungen ist, sich Zugang zu verschaffen. Noch kritischer wird es, wenn mit den erbeuteten Daten beispielsweise Konten geplündert werden oder Industriespionage betrieben wird. Und im schlimmsten Fall werden Daten manipuliert oder sogar der komplette Betrieb lahmgelegt.

Die Gefahren sind vielfältiger Natur. Ein sicheres IT-Netzwerk steht und fällt mit der Implementierung von Sicherheitsrichtlinien und -verfahren. Eine wesentliche Rolle spielen die permanente Überwachung der Netzwerkaktivitäten, eine umfassende Risikoanalyse sowie regelmäßige Sicherheitsaudits.
Neben Verschlüsselungstechnologien, Sicherheits- und Passwortrichtlinien sowie Security-Schulungen sind moderne Firewalls ein wichtiger Baustein einer ganzheitlichen Sicherheitsstrategie.

Firewalls fungieren als Barriere und Filter

Die Aufgabe einer Firewall besteht darin, unerlaubte Zugriffe auf das Netzwerk zu verhindern und die Sicherheit von Daten und Systemen aufrecht zu erhalten. Dabei fugiert die Firewall als Bindeglied zwischen den einzelnen Netzwerksegmenten und garantiert die Durchsetzung des Security-Regelwerks. Das bedeutet, dass der Datenverkehr dahingehend überprüft und gefiltert wird, ob die Datenströme diesem Regelwerk entsprechen. Nur Mitarbeitende mit entsprechenden Berechtigungen können bestimmte Informationen, Daten oder Dienste nutzen.

Um Netzwerkangriffe zu verhindern, überprüfen Firewalls beispielsweise IP-Adressen, Port-Nummern, Protokolle und Applikationen bis hinein in den Inhalt der einzelnen Datenpakete und entscheiden dann, ob ein Datenpaket zugelassen oder blockiert wird.

Auswahlkriterien bei Firewalls

Bei der Auswahl einer Firewall müssen verschiedene Kriterien berücksichtigt werden. Zunächst muss sie alle Funktionen und Konfigurationsmöglichkeiten aufweisen, um den Anforderungen der kritischen Infrastruktur standzuhalten, darunter Intrusion Detection und Prevention, VPN-Unterstützung, Applikationskontrolle, Contentfilterung sowie Anti-Malware-Funktionen.

Ein weiterer Aspekt ist ihre Skalierbarkeit. Die Infrastruktur von Stadtwerken und Versorgungsunternehmen kann sich mit der Zeit verändern – dem sollte die Firewall gewachsen und entsprechend anpassungsfähig sein. Um ein effizientes und schnelles Arbeiten sicherzustellen, sollte sie in punkto Datenvolumen, Nutzeranzahl und wechselndem Datenaufkommen auf das Netzwerk abgestimmt sein, um auch Durchsatzspitzen zu meistern.

UTM-Firewalls

Eine große Erleichterung bieten sogenannte UTM-Firewalls (Unified Threat Management = „Einheitliches Bedrohungsmanagement“). Dabei handelt es sich um eine „All-in-one“-Lösung, die Security-Funktionen einer einzigen Sicherheitslösung auf einer gemeinsamen Plattform kombiniert, darunter Anti-Virus und SSL Inspection. In der Praxis bedeutet das, dass einzelne Sicherheitsmechanismen nicht mehr aufwändig in verschiedenen Systemen einzurichten sind. Über ein einheitliches Bedienkonzept werden passgenaue Sicherheitsrichtlinien in nur einem Gerät umgesetzt.
Cloud-gestützte, automatisierte Sicherheit

Ein weiteres Kriterium sind das Monitoring und die Konfiguration: Eine Firewall sollte möglichst einfach zu konfigurieren, zu verwalten und zu überwachen sein. Unterstützen können automatisierte Prozesse, die zu einem effektiveren Firewall-Einsatz beitragen und Fehlkonfigurationen vermeiden helfen – Cloud-basiertes Firewall-Management spielt dabei eine immer wichtigere Rolle.

Neben einem grafischen Bedienkonzept ist die Verwaltung von Netzwerksicherheitslösungen aus der Cloud erforderlich, so erübrigt sich die herkömmliche, manuelle, fehleranfällige und zeitintensive Firewall-Konfiguration. VPN-Verbindungen zwischen den verschiedenen Standorten von Versorgungsunternehmen können unkompliziert über die Cloud eingerichtet werden. Gerade KRITIS-Strukturen verfügen häufig über eine große Anzahl an Standorten und verteilten Infrastruktur-Komponenten. Werden Konfigurationen, beispielsweise von Content-Filtern, Anti-Virus-Funktionen und Application Management zentral und automatisiert auf die Standorte angewendet, erleichtert dies die Arbeit der IT-Administratoren enorm.

Sicherheit „Made in Germany“ mit Zertifizierung

Auch die Hersteller selbst, nicht nur deren Lösungen und Features, sollten bei der Auswahl kritisch hinterfragt werden. Digitale Souveränität rückt bei der Anbieterwahl immer stärker in das Bewusstsein. Ein guter Indikator für die Integrität eines Technologieanbieters sind Vertrauenssiegel: Das ITSmiG-Kennzeichen („IT Security Made in Germany”) wird nur an Hersteller mit Hauptsitz in Deutschland vergeben, die frei von drittstaatlicher Einflussnahme sind und die Vertrauenswürdigkeit und Datenschutzkonformität ihrer Lösungen garantieren.

Sie verpflichten sich zu hochsicherer Verschlüsselung und Backdoor-Freiheit in ihren Produkten. Nur unter diesen Voraussetzungen können sie zuverlässig vor Datenabfluss, Manipulation oder Sabotage schützen.

Fazit

Den technischen Fortschritt machen sich auch Cyberkriminelle zu Nutze, das führt zu immer höheren Anforderungen an Unternehmenssicherheit, Datenschutz und Verfügbarkeit von IT-Systemen. Netzwerksicherheit wird zu einer immer größeren Herausforderung.
Eine richtig konfigurierte Next Generation UTM Firewall kann das Schutzniveau im Zusammenspiel mit anderen IT-Sicherheitskomponenten deutlich erhöhen.

Cloud-basiertes Firewall-Management bietet für KRITIS viele Vorteile, die zu mehr Sicherheit, Flexibilität und Effizienz beitragen, weil manuelle Fehlkonfigurationen verhindert und Bedrohungen schnell erkannt und beseitigt werden können
Kommen zertifizierte Lösungen europäischer Anbieter zum Einsatz, sind Versorger digital souverän und alle Voraussetzungen für einen zuverlässigen Schutz vor Datenabfluss, Manipulation oder Sabotage gegeben. (sg)

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