Bild: © monsitj/AdobeStock

Um mehr private Hausdächer in die dezentrale Energiewende einzubeziehen, hat Shine eine Blockchain-Plattform gegründet. Hinter Shine steckt das Energieunternehmen Easy-Optimize, das 2015 in Essen gegründet wurde und seit 2017 in Berlin sitzt. Unternehmensvision ist nach eigenen Angaben, Transparenz in die Energiewirtschaft zu bringen, Unabhängigkeit von den großen Energieversorgern zu schaffen und so den Weg für eine dezentrale Energieversorgung frei zu machen. Die Marke bietet verschiedene Lösungen, um den Energieverbrauch von Verbrauchern zu optimieren. Zum Beispiel eine App als persönlichen Energieassistenten, aber auch technische Geräte wie "Smart Meter".

Auf der Plattform "NEOKII" sollen Energiedaten gesammelt werden. "Die Zeiten, als Energie aus fossilen Brennstoffen gewonnen und über gigantische Netze zum Verbraucher transportiert wurden, könnten wir noch schneller hinter uns lassen, wenn nicht nur fragmentierte Informationen vorliegen würden, wann und wo Energie gebraucht wird", erklärt Dr. Felix Grolman, CEO von Shine.

Energiemarkt zu komplex

Mit Neokii wolle man einen Überblick über bisher unzugängliche Energiedaten liefern, damit Haushalte, Energieversorger und Netzbetreiber präzise Investmententscheidungen in kleine dezentrale Energiequellen treffen können. Bislang sei der bisherige Energiemarkt für potenzielle Prosumer und Investoren zu komplex und intransparent. Ein detaillierter und zugänglicher Überblick über Angebot und Nachfrage zur erneuerbaren Energieproduktion existiere bislang nicht. Dies soll sich mit Neokii ändern.

Anreize für Datenweitergabe

In die Datenbasis von Neokii fließen Daten von Energieanbietern und -verbrauchern ein, aber auch relevante Open Data wie Wetterinformationen sollen dort eingebunden werden. Durch Algorithmen und weitere neue Daten lerne die Plattform und wachse. Entwickler für maschinelles Lernen und Datenbesitzer haben dort die Möglichkeit, sich zu vernetzen.

Die Daten von Energieanbietern müssen dabei nicht zwangsläufig auf die Plattform kommen, teilte Christian Rietz, Neokii-Mitgründer und Chief Operating Officer, auf ZfK-Anfrage mit. "Das ist angesichts der schieren Menge auch sehr schwierig zu gewährleisten", so Rietz. Durch technologische Entwicklungen sei es möglich, dass die Berechnung der Daten zu den Unternehmen kommt. Modelle des maschinellen Lernens ließen sich innerhalb des Unternehmens trainieren, "so dass die Daten isoliert und an der Quelle geschützt bleiben".

Token als Herzstück

Um die nötigen Daten und die dazugehörigen Modelle für ein dezentrales Energiesystem zu gewinnen, gibt es ökonomische Anreize, mit denen die Mitarbeit belohnt wird. Zentraler Bestandteil ist hier ein eigener Token, der die Mitwirkenden der Plattform im Austausch für ihre Leistungen – etwa indem sie Daten liefern – belohnt. Diese Kryptowährung, die für den Werteaustausch auf der Plattform herausgegeben werde, steigere ihren Wert, je mehr die Plattform genutzt wird.

Die Token werden benötigt, um überhaupt an der Plattform partizipieren zu können. "Das schließt Mitwirkende aus, die der Entwicklung der Plattform eher schaden als nutzen. Man benötigt zunächst einen Einsatz, um mitmachen zu können", erläutert COO Rietz. Durch die Belohnung für eine bestimmtes Mitwirken zahle sich der Beitrag am Ende aber aus. Die Kryptowährung diene dabei nicht nur als Zugang zur Plattform, sondern auch der Abwicklung aller Datenaustauschprozesse.

IT-Sicherheit

Datenschutz und Datensicherheit sei ein zentraler Aspekt der Plattform, versichert Shine. Alle geteilten Daten würden ausschließlich in verschlüsselter Form bearbeitet. Datenbesitzer können so ihre Energiedaten mit der Plattform teilen und behalten gleichzeitig die Kontrolle über sie.

Aktuell bietet Shine einen exklusiven Zugang zu Neokii. In einer ersten Beteiligungsrunde können Interessenten, etwa Energieunternehmen mit relevanten Datensätzen, an der Plattformentwicklung als aktive Partner und Unterstützer teilnehmen. Energieunternehmen können in den ersten Pilotprojekten dadurch profitieren, dass sie frühzeitig bei der Entwicklung dabei sind. Ebenso erhalten diese ersten Partner Token zu bevorzugten Bedingungen, verdeutlicht Rietz. Derzeit stehe man in engem Austausch mit potenziellen Pilotpartnern, darunter auch Energieunternehmen.

Anreiz für Versorger

Ein Anreiz zur Teilnahme für Energieversorger, aber auch Netzbetreiber, sei der Zugang zu Wissen über neu entstehende Märkte, Datenanalysen etwa als Grundlage für akkurate Investmententscheidungen und neue Applikationen, so Rietz. Mit zunehmender Verbreitung von Distributed Energy Resources (kurz DER), also PV-Anlagen, sei es unerlässlich, deren Integration zu planen und gleichzeitig die Netzwerksicherheit, und Zuverlässigkeit zu gewährleisten. "Eine profunde Basis aus bislang unzugänglichen Energiedaten liefert den Schlüssel, um die Integration zu gewährleisten und – im Sinne einer echten Energiewende – die dezentrale Energieversorgung weiter zu fördern", bekräftigt Rietz. (sg)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper