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„Auf der energiewirtschaftlichen Ebene kommen wir bei Blockchain-Anwendungen ohne einen Dienstleister wie ein Stadtwerk nicht aus", unterstrich Hans-Peter Schwintowski vom Ewerk-Institut an der Humboldt-Universität Berlin. „Vor allem die bilanzwirtschaftliche Steuerung geht nicht ohne einen Energieversorger", ergänzte Elhady Sene vom Beratungsunternehmen PWC Deutschland. Dazu kommen Verpflichtungen eines Lieferanten, beispielsweise nach dem EnWG, der StromNEV, dem MsbG und dem BGB. Dazu die EEG-Umlagen- und Stromsteuerpflicht gemäß StromStG. „Ein Prosumer kann dies nicht alleine leisten und ist damit überfordert", betonte Sene.

Dienstleistungsmodell als Lösung

Als Lösung entwickelte PWC ein Dienstleistungsmodell mit einem EVU oder einem anderen Unternehmen als Dienstleister für das Bilanzkreismanagement, die Bereitstellung einer Blockchain-App, die Anzeige des Prosumers als EVU, die Zahlung der EEG-Umlage sowie der Stromsteuer. In einem EEG-Unterbilanzkreis sind dann Prosumer mit dem öffentlichen Netz verbunden. In einem Blockchain-Bilanzkreis findet ein „Matching" mit Stromkunden (Haushalte oder andere Prosumer) statt, die regional erzeugten Strom einkaufen und über eine Blockchain-Plattform abrechnen. „Auf diese Weise können auch Erzeugungs- und Lastkapazitäten flexibilisiert und damit die Versorgungssicherheit und Netzstabilität gestärkt werden", so Sene.

Auch Stadtwerke Uelzen testen Blockchain

Als Leuchtturmprojekt für einen Blockchain-basierten Ökostromhandelsplatz durch kommunale Versorger verwies der PWC-Experte auf den Tal.Markt der Stadtwerke Wuppertal. Diese entwickelten zusammen mit Axpo (Schweiz) die IT-technische Infrastruktur und übernehmen die energiewirtschaftliche Abwicklung. Auch die Stadtwerke Uelzen erproben derzeit die Blockchain als Plattformanbieter und „Enabler". Gemeinsam mit fünf anderen Stadtwerken, Trianel und PWC wird eine App entwickelt, berichtete Sene. Geplant sei, 50 Stromkunden mit 15 Erzeugern zusammen zu bringen. Der Stromkunde kann hierbei ein Belieferungsprofil vorgeben und die Stadtwerke gleichen dies mit ihrem Erzeugerprofil ab.

Klar wurde jedenfalls bei der Veranstaltung, dass die Entwicklung erst ganz am Anfang steht und auch für kommunale Unternehmen große Chancen bietet. (hcn)

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