Die im Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende vorgegebenen Mindestverbräuche für den Pflichteinbau intelligenter Messsysteme (iMS) werden zunehmend als Hemmschuh für den Rollout betrachtet. Darauf deutete nicht nur der spontane Applaus für die Forderung nach einem Full-Rollout durch Peter Heuell Peter hin. „Vor drei Jahren“ hätte sich der EMH-Geschäftsführer „das nicht vorstellen können“.
Die im Vergleich zu herkömmlichen Zählern deutlich höheren Kosten oder auch die bei Verbrauchern fehlenden Kenntnisse zu Sinn und Zweck der iMS hatten 2017 gute Gründe für die Bagatellgrenzen abgegeben. Entsprechend zurückhaltend agierten in den ersten Jahren auch die meisten Messstellenbetreiber (MSB). Mit dem Umschwenken zur sich ausbreitenden Aufbruchstimmung treten die Nachteile deutlicher hervor.
Leidvolle Erfahrungen thematisiert
So wurden am Rande der Konferenz leidvolle Erfahrungen diskutiert, wie das gezielte Herauspicken der Pflichteinbaufälle gegenüber einem straßenzugweisen Vorgehen zu erheblichem Mehraufwand führe. Der wiederum wirke als Bremse und erschwere zudem das Einhalten der knappen Preisobergrenzen. Auf eine weitere Schwierigkeit angesichts der erwarteten Zuwächse an steuerbaren Einrichtungen wies Arkadius Jarek von der Netze BW hin. Wie schon Torsten Maus von der EWE Netz geht er in den nächsten Jahren von hunderttausenden Wallboxen, Wärmepumpen, Speichern und PV-Anlagen aus. Dazu kämen immer mehr Anfragen neuer Anbieter smarter Lösungen. „Formal müssen wir aber erst Jahre abwarten, ob die betreffenden Zähler über der Pflichteinbaugrenze liegen.“
Eine besondere Skurrilität beklagte Benjamin Deppe von der Energienetze Mittelrhein im Rahmen des Forums mit Praxisberichten: Wegweisende Mehrsparten-Projekte der Wohnungswirtschaft würden zwar Gas, Wasser und Heizung einbeziehen. Bei Stromzählern mit Verbräuchen unter 6.000 kWh/a wäre die Umstellung aber formal schwierig. „Das können Sie keinem Kunden erklären.“
Rechtliche Sicherheit gefordert
Auch eine andere Baustelle, auf der es nicht voranzugehen scheint, war bei der Eröffnungsrunde Thema: Die Verbindlichkeit der BSI TR-03109-5. Sie definiert den Standard zur Anbindung von Controlable Local System (CLS)-Komponenten an ein Smart-Meter-Gateway (SMGW). Dem Vorschlag, Hersteller und Lösungsanbieter sollten sich mit einer freiwilligen Umsetzung des Entwurfs behelfen, trat VIVAVIS-Ceo Clemens von Dinte entgegen: „Wer glaubt wirklich, dass der Markt das akzeptieren würde? Wir brauchen auch hier rechtliche Sicherheit und Klarheit“.
Unabhängig von den unmittelbar anstehenden Entscheidungen gab sich Benjamin Deppe überzeugt: „Was sinnvoll digitalisiert werden kann, wird digitalisiert. Dabei muss man ab und zu über das vorgeschriebene Mindestmaß hinausgehen.“ (Ulrich Stark)



