Ingo Schönberg, Vorstandsvorsitzender der Power Plus Communication (PPC).

Ingo Schönberg, Vorstandsvorsitzender der Power Plus Communication (PPC).

Bild: © Möller Horcher/Public Relations GmbH

Herr Schönberg, was sind die wichtigsten Erkenntnisse für Sie aus dem aktuellen Barometer zur Digitalisierung der Energiewende?
Ingo Schönberg, Vorstandsvorsitzender von Power Plus Communications (PPC): Es geht im Rollout intelligenter Messsysteme und damit in der Digitalisierung der Energiewende voran. Die Autoren des Barometers beweisen mir als Mitglied des Beirates wieder einmal, dass sie Erkenntnisse und abgeleitete Notwendigkeiten „ungeschminkt“ zu Papier bringen können und dass es gut war, zusätzlich externe Expertise einzubeziehen.

Die geforderten „zentralen Weichenstellungen“ verbunden mit der Roadmap und den für 2020 vorgesehenen Maßnahmen kann ich nur unterstreichen. Es war schon sehr ärgerlich, dass der fehlende Abgleich zwischen EEG und Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) die Ausbaupflicht für viele in der BSI-Marktanalyse als technisch umsetzbar angesehenen Einbaufälle auf den 30. Oktober verschoben hat und die Allgemeinverfügung hierzu nun nachgeholt werden muss.

Mit der Ausgestaltung des §14a EnWG werden aktuell wichtige Weichen für die netzorientierte Einbindung flexibler Verbrauchseinrichtungen und die Elektromobilität gestellt. Hierüber werden aktuell in den §14a-Workshops sehr konstruktive Diskussionen geführt und ein Entwurf ist vom BMWi über den Sommer hinweg zu erwarten.

Die leider schon viel zu lange verzögerte Entscheidung zur Vergabe der 450-MHz-Frequenzen ist kaum noch nachvollziehbar. Der Bedarf in der Energiebranche ist offensichtlich. Daher hat PPC die Entwicklung von CDMA-Smart-Meter-Gateways frühzeitig vorangetrieben und bereits seit Herbst 2019 zertifizierte Geräte für die 450-Mhz-Technologie im Einsatz.

Für zentral halte ich insbesondere den Appell der Gutachter, die zügige Umsetzung des Rollouts voranzutreiben und vom Bundeswirtschaftsministerium umfangreiche Anreize für eine Beschleunigung und Ausweitung der Einbaufälle zu setzen. Die genannten Konzepte und Maßnahmen sollten im Kontext der §14a-Einführung und der in den Task Forces zu spezifizierenden Umsetzung berücksichtigt werden. Einer der wichtigsten Meilensteine in 2020 wird dabei die für den 30. Oktober geplante Einbeziehung der teilflexiblen Anwendungsfälle im Bereich §14a und der EEG-Fälle <100 kW in den Pflichtausbau sein. Die technische Möglichkeit wird vom BSI über die Proxy-Funktionalität des SMGW gesehen und der FNN hat als technischer Regelsetzer mit der Koordinierungsfunktion KOF sowie der Steuerbox die hierfür benötigte technische Umsetzung bereits sehr frühzeitig spezifiziert und mit der Branche zur Marktreife gebracht. Für komplexere Anwendungsfälle und Vollflexible werden aktuell in den Task Forces Lösungen und Stufenpläne entwickelt, um auch hier sehr zeitnah die Umsetzung anzugehen und Investitionssicherheit zu gewährleisten.  

Wie bewerten Sie die Einrichtung für Taskforces, damit der Rollout schneller vorangehen soll?
Mit den Task Forces wurden die notwendige branchenübergreifende Plattform zur Ausgestaltung der Use Cases im Bereich Smart Grid, Elektromobilität und Submetering geschaffen. Durch die Betrachtung spezifischer Use Cases je Task Force wird sichergestellt, dass über diese drei Bereiche hinweg funktionale Synergien gehoben werden. Hierfür müssen detaillierte Diskussionen geführt, unterschiedliche Sichten ausgetauscht und die immer wieder vom BSI betonte Kontinuität und die stufenweise Fortentwicklung angestrebt werden. Die Themenlandkarte des BMWi zeigt ja eindrucksvoll auf, dass sichere Digitalisierung mit SMGW zukünftig in vielen Bereichen zum Einsatz kommen wird.

Auch in den Fachverbänden wird intensiv diskutiert und in Experten-Teams an praxistauglichen Lösungen gearbeitet. Gerade bei den die Netzsicherheit betreffenden Use Cases werden zum Beispiel im FNN bereits seit Jahren technische Konzepte im Detail spezifiziert, in der Branche getestet und nun in den Task-Force-Prozess eingebracht. Nur so kann die im Barometer geforderte Beschleunigung des Rollouts unter Berücksichtigung der Erfordernisse einer kritischen Infrastruktur erfolgreich sein. PPC selbst ist in allen Task Forces aktiv und bringt die Erfahrungen aus mehr als einem Jahr Betrieb zertifizierter Smart-Meter-Gateways in diversen Anwendungsszenarien ein.

Wo sehen Sie die größten Hindernisse beim Rollout derzeit?
Wie immer sind die ersten Schritte auf einem langen Weg die schwierigsten. Entsprechend geht es in vielen Vorhaben noch langsam voran und viele Messstellenbetreiber sehen die Mindestausbauquote als Ziel. Das halte ich jedoch aus mehreren Gründen für problematisch.

Zum einen werden so nur niedrige Umsätze und damit geringe Deckungsbeiträge für die sprungfixen Kosten aus den zentralen Systemen erzielt. Zum anderen werden für Produkte und Dienste zu wenige Endkunden adressierbar. Ganz zu schweigen von der Herausforderung, dass nach drei Jahren enorm an Geschwindigkeit gewonnen werden muss und entlang der BMWi-Roadmap die Grundgesamtheit an Einbaufällen deutlich ansteigt. Ein sukzessiver Hochlauf innerhalb von 1 bis 1,5 Jahren auf nachhaltige Rolloutgeschwindigkeit dürfte hier die effizientere und zielführendere Strategie sein. Ein weiteres großes Hemmnis ist die oft aus der Regulierung folgende fehlende Zusammenarbeit zwischen Netzen und Vertrieb, die integrierte Ausbaustrategien behindert.

Welchen Einfluss hat die Corona-Krise auf den Rollout?
Die bestehenden Kontaktverbote führen zu einem Stopp der Installationen bei Endkunden und allgemeiner Unsicherheit für 2020. Die meisten unserer Kunden gehen jedoch davon aus, dass es hier nur temporär eine Ausbaudelle geben wird und setzen entsprechend ihre strukturellen und prozessualen Maßnahmen und Vorbereitungen weiter fort. SMGW-Lieferungen finden weiterhin statt, um für den Restart gerüstet zu sein und dann nicht mit längeren Lieferzeiten rechnen zu müssen. Ohnehin haben wir mittlerweile bei über 50 MSB zertifizierte SMGW im Einsatz und können so unter anderem Tarifanwendungsfälle, Prozesse, die sichere Lieferkette und CLS-Lösungen gemeinsam vorantreiben. Entsprechend stehen unsere Mitarbeiter unseren Kunden auch weiterhin zu 100 Prozent zur Verfügung. Die ISO27001-Zertifizierung für unsere IT- und Geschäftsprozesse erlaubt es auch im Homeoffice, alle Tätigkeiten wie gewohnt fortzusetzen.

Die Fragen stellte Stephanie Gust

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