Thomas Kaiser, Senior Vice President bei Siemens Management Consulting und Oliver D. Doleski, Principal bei Siemens Management Consulting vor dem Siemens Gebäude in München.

Thomas Kaiser, Senior Vice President bei Siemens Management Consulting und Oliver D. Doleski, Principal bei Siemens Management Consulting vor dem Siemens Gebäude in München.

Bild: © Siemens Management Consulting

"Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat der Energiesektor im Wesentlichen drei Phasen durchlaufen", sagt Thomas Kaiser, Senior Vice President bei Siemens Management Consulting. Das Siemens-Tochterunternehmen ist auf Beratung und Umsetzung digitaler Lösungen insbesondere für die Energiewirtschaft spezialisiert.

Nach Verteilung (Utility 1.0), klassischer Versorgung (Utility 2.0) und einsetzender Dienstleistungsorientierung (Utility 3.0) stehe die Branche inzwischen inmitten ihrer vierten Entwicklungsstufe: Versorger entwickeln sich schrittweise zu digitalen Energiedienstleistungsunternehmen oder Utilities 4.0, deren Leistungsportfolio vorzugsweise vernetzt, flexibel und vor allem datenorientiert ist.

"Eine Schlüsselrolle fällt dabei dem Internet der Dinge oder auch Internet of Things (IoT) als zentralem Wegbereiter der digitalen Energiewirtschaft zu", ergänzt Oliver D. Doleski, Principal bei Siemens Management Consulting.

Grenzen des Machbaren

"Angesichts der für die Energiewelt charakteristischen Datenmengen geraten auf proprietären Programmen zur Tabellenkalkulation fußende Abläufe jedoch schnell an die Grenzen des Machbaren", so Kaiser. Zunehmende Datenmengen und vermehrte Forderungen nach Echtzeitverarbeitung seien in der Energiewirtschaft längst Realität. "Gleichzeitig werden in der neuen Energiewelt komplexe Prozesse zur Sammlung, Auswertung und Darstellung digitaler Daten zusehends zur Kostenfalle", warnt Doleski.

Gefragt seien zukunftsorientierte Lösungen, die zur umfassenden Vernetzung beitragen, bei der Bewältigung der technischen Herausforderungen unterstützen und zu verstärkter Wettbewerbsfähigkeit verhelfen.

Kundenfreundliche Preisoptimierung

„Die Innovationsfähigkeit lasse sich durch digital unterstützte Methoden steigern“, betont Kaiser. So setzt Siemens Management Consulting etwa bei einem süddeutschen Energieversorgungsunternehmen derzeit ein datenanalytisches Verfahren zur Entwicklung von Preis- und Erlösmodellen für Plattformlösungen ein. Um Bürgernähe wie auch eine gezieltere Kundenkommunikation zu erreichen, werden die Preiskomponenten hier mit iterativen, digitalen Optimierungsverfahren analysiert und designt.

Automatisierte Analyse zur Risikoprävention

Als weiteren Anwendungsfall für digitale Technologien im Energiebereich nennt Doleski die automatisierte Analyse von Dokumenten zur Risikoprävention bei Ausschreibungen und Angeboten aller Art. Beispielsweise werden in File-Sharing-Systemen oder Kollaborationstools eines Stadtwerks hinterlegte Angebotsunterlagen mithilfe der intelligenten Textanalyse systematisch auf versteckte Risiken  durchsucht. So lassen sich potentielle Kostenfallen und wichtige Risiken aufspüren.

Energieflüsse optimieren, komplexe Erzeugerparks designen

Daneben trage die Digitalisierung auch zur Dekarbonisierung bei: So habe Siemens Management Consulting einem Stadtwerk aus Norddeutschland ein Reduktionspotenzial schädlicher Treibhausgasemissionen von bis zu 75 Prozent bis 2030 aufgezeigt.  

Dazu wurden alle Daten des existierenden Erzeugerparks in ein Anlagenmodell eingespielt. „Dieser digitale Zwilling wurrde anschließend einem praxiserprobten Simulationsverfahren unterzogen, das unterschiedliche Anlagenkombinationen miteinander vergleicht", erläutert Doleski. Heraus kam schließlich eine konkrete Empfehlung für eine Erzeugungsstruktur mit möglichst geringem Energieeinsatz und reduziertem Ausstoß klimaschädlicher Emissionen. (sg)

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