Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen, neuartige Batteriespeicher – im Stadtteil Sodingen haben die Stadtwerke Herne sieben weitgehend autarke Einfamilienhäuser gebaut: das sogenannte Klimaviertel, das erst im September auf dem Stadtwerkekongress mit dem STADTWERKE AWARD in Silber ausgezeichnet worden war. Mit Hilfe einer neuen IT-Plattform können in diesem Leuchtturmprojekt künftig die schwankende Solarstromproduktion und der Verbrauch noch besser in Einklang gebracht. Entwickelt wurde diese Lösung von den Stadtwerken in Kooperation mit dem englischen Start-up "Accelogress". Eine App informiert die Hausbewohner in dem Klimaviertel, wann es günstig ist, energieintensive Elektrogeräte wie die Waschmachine zu starten. Auch das Laden von Elektroautos kann integriert werden.
Die Empfehlungen der App basieren auf einer Auswertung aktueller Wetterdaten, der Analyse der Stromproduktion und des Füllstands der Batterie. Die App zeigt auch an, wie viel Geld man durch die Nutzung des selbstproduzierten Stroms gegenüber herkömmlicher Energie gespart hat. Das soll den Anreiz erhöhen, sein Nutzungsverhalten möglichst gut an die Verfügbarkeit von Energie anzupassen.
"Funktionierende Schnittstelle"
Auch die Stadtwerke könnten künftig von diesem Projekt profitieren: Wenn immer mehr Hausbesitzer einen Teil der benötigten Energie selbst produzieren, kann eine genaue Vorhersage der erforderlichen Restmengen helfen, das Stromnetz effizienter zu planen. "Die eigentliche Innovation des Projektes liegt allerdings noch tiefer", erklärt Ulrich Koch, Vorstand der Stadtwerke Herne. "Wir haben am Beispiel des Klimaviertels erstmals eine funktionierende Schnittstelle zu einer frei zugänglichen Plattform namens Fiware entwickelt. Damit haben wir den Grundstein für ein Herner Smart-City-Konzept gelegt", verdeutlicht er. Durch die intelligente Verbindung der Bereiche Energie, Mobilität, Verwaltung und Kommunikation wolle man dazu beitragen, die Stadt Herne lebenswert und grün zu machen.
Die Plattform wurde innerhalb von drei Monaten entwickelt. Erstmals vorgestellt wurde sie vergangene Woche auf dem Demo-Day des Data Hub Ruhr in Essen. Der von der Gründerallianz Ruhr ins Leben gerufene Data Hub führt Unternehmen mit Start-ups zusammen. Auf eine internationale Ausschreibung der Stadtwerke hatten sich 29 Start-ups aus 17 Ländern beworben. Die Wahl fiel auf Accelogress.
"Ursprünglicher Ansatz mehrfach verschoben"
"Agile Arbeitsmethoden und die Zusammenarbeit mit Start-ups sind für die Stadtwerke kein Neuland", versichert Ulrich Koch. In dem Projekt habe sich in einem lebendigen Austausch der ursprüngliche Ansatz in kürzester Zeit mehrfach verschoben. Und so kam das Projektteam von einer ersten Idee aus dem Bereich Elektromobilität zum Klimaviertel in Sodingen. Unterstützt wurde das Projekt von Professor Haydar Mecit, der die Stiftungsprofessur der Stadtwerke beim Ruhr Valley innehat. (hoe)



