"Im Moment verdient noch niemand Geld damit, doch das Interesse ist groß", so Hans-Heinrich Kleuker, Kaufmännischer Vorstand der Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) im Gespräch mit der ZfK. Im Oktober 2017 startete das kommunale Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Energy Web Foundation (EWF) und Pricwater Coopers (PWC) einen Feldversuch, um mit Hilfe von Blockchain ein sich selbst regulierendes lokales Stromnetz aufzubauen. Gesteuert wird der Verbrauch und die Erzeugung dezentral durch automatisch ablaufende Verträge (Smart Contracts) auf Basis der EWF-Blockchain. Entsprechend wurden für die bisher vier Teilnehmer entsprechende Steuerboxen installiert, die im 15-Sekunden-Takt reagieren.
Interesse vom Hafenbetreiber und Krankenhaus
Ab Sommer soll die Zahl der Teilnehmer an dem Feldversuch aus den Bereichen Solarparks, Prosumer, Unternehmen und Speicher ausgeweitet werden, berichtet Kleuker. Derzeit liefen Gespräche mit dem Hafenbetreiber in Ludwigshafen sowie einem Krankenhaus. Zudem soll ein sechs Megawatt starker Speicher zur Bereitstellung von Regelleistung eingebunden werden. Doch könnten auch die Betreiber von Heimspeichern integriert werden, so Kleuker. Ziel sei der Aufbau eines sich selbst regulierenden Microgrids. Derzeit sind die Teilnehmer des Feldversuchs noch an das öffentliche Netz angeschlossen. Als Vorteil der Blockchain Technologie sieht der TWL-Vorstand die Skalierbarkeit sowie die im Vergleich zu bisherigen IT niedrigeren Transaktionskosten.
"Ein Stück weit schaffen wir uns selbst ab"
Als künftiges Geschäftsmodell für das kommunale Unternehmen sieht Kleuker Flexibilitäts- sowie weitere Servicedienstleistungen wie den Betrieb des Systems und einer entsprechenden Plattform. Zudem verspreche man sich durch das dezentrale Lastmanagement einen verringerten Netzausbaubedarf. Entsprechende Kosteneinsparungen wolle man künftig über reduzierte Netzentgelte an die Teilnehmer weitergeben, so der TWL-Vorstand. Derzeit dienten noch die Großhandelspreise als Preissignale für Flexibilisierung, doch denke man daran, künftig für die Teilnehmer eigene Preissignale zu setzen. Diese könnten dann auch über eine Kryptowährung oder in Kilowattstunden verrechnet werden.
"Ein Stück weit schaffen wir uns selbst ab, doch wir gehen neue Wege, um unsere Zukunft zu sichern", sagt Kleuker. Jedenfalls sind die Ludwigshafener derzeit in Sachen Energie und Blockchain ganz vorne mit dabei. Sie präsentierten ihr Projekt am Dienstnachmittag beim "Global Summit on Blockchain Technology in the Energy Sector" im Kraftwerk Mitte in Berlin. Die Veranstaltung ist Teil der "Berlin Energy Week" und läuft noch bis Donnerstag. (hcn)


