Ab 1. Januar 2025 müssen alle Stromanbieter dynamische Tarife anbieten. Rabot Energy, das 2021 gegründete Greentech-Unternehmen aus Deutschland bietet seit seiner Gründung dynamische Stromtarife an. Das Unternehmen stützt sich dabei auf AI-basierte Optimierungs- und Börseneinkaufsstrategien und bietet seinen Kunden 100-Prozent-Ökostrom. Der Börsenseinkaufspreis wird dabei 1:1 an die Kunden weitergegeben. Hinzu kommt eine App, die die smarte Steuerung und Optimierung von Smart Assets im Haushalt ermöglicht. Mit intelligenten Ladelösungen soll sich außerdem der Anteil des Ökostroms am Gesamtstromverbrauch erhöhen. Die proprietäre, technologische Infrastruktur und Softwarelösung kommt auch bei B2B-Partnern, wie Energieversorgern und Smart-Asset-Anbietern, zum Einsatz. Die ZfK hat mit Konrad Schade, Chief Commercial Officer und Managing Director, über dynamische Tarife gesprochen.
Herr Schade, Rabot Energy hat knapp 85.000 Kunden und der Großteil, also 90 Prozent, bezieht einen dynamischen Stromtarif. Haben all diese Kunden schon ein intelligentes Messsystem?
Das ist tatsächlich der große Irrtum, wir leisten hier noch viel Aufklärungsarbeit. Das sind nämlich zwei verschiedene Paar Schuhe. Einen dynamischen Stromtarif kann erst einmal jeder haben, selbst mit analogem Drehzähler sind dynamische Stromtarife möglich. Dynamisch heißt erstmal nur, dass man den Strom stündlich am Spotmarkt am Day ahead beschafft. Man schaut dann, was ist der aktuelle Preis an der Börse und dementsprechend wird der Strom gekauft. Da kann man gegenüber Fixpreistarifen gerne schon einmal bis zu 40 Prozent sparen.
Bei Smart Meter wird erst einmal nur geklärt, wie häufig kann der Kunde – und der Versorger sehen –, was er verbraucht. Mit einem intelligenten Messsystem kann er das Viertelstunden-genau nachvollziehen und sein Verhalten anpassen. Wenn der Kunde jetzt nur eine moderne Messeinrichtung oder ein analoges Messgerät hat, kann er seinen Verbrauch nicht zu 100 Prozent selbst steuern und ist nach wie vor an die Ablesefristen vom Netzbetreiber gebunden oder nutzt die Zählerstandsübermittlungs-Funktion der Energieanbieter. Der Ablesedienst der Netzbetreiber kommt meist nur einmal im Jahr in die Wohnung und liest die Zähler aus.
Mit dem intelligenten Messsystem kommt ein Quantensprung hinzu. Die Kunden können dann in der App sehen, wie viel Strom sie verbraucht haben und dementsprechend besser auf ihren Verbrauch einwirken. Insofern haben Sie recht, der dynamische Stromtarif macht erst mit intelligentem Messsystem richtig Spaß, denn ich kann dann selber steuern, ob meine Ersparnis 40 Prozent sind oder vielleicht sogar noch mehr. Und diese Mündigkeit den Verbrauchern zu geben, ist unser Ziel.
Also kann ich eigentlich nur mit intelligentem Messsystem Kosten sparen?
Man spart auch ohne intelligentes Messsystem: Unsere Kunden sparen im Schnitt bis zu 40 Prozent monatlich gegenüber ihrer bisherigen Stromrechnung – und das nur mit dem Wechsel von einem Festpreistarif zum dynamischen. Es gibt bei uns einen großen Unterschied zwischen dem Festpreistarif, wie ihn herkömmliche Anbieter anbieten, und dem dynamischen Stromtarif von uns. Ein Versorger mit Fixpreis muss, damit der Strompreis des Kunden immer gleich ist, eine Risikoprämie verlangen. Sie müssen also rechtzeitig den günstigeren Strom am Terminmarkt beschaffen und sich damit eindecken, damit sie das Risiko managen können. Das Risiko gibt der Versorger im Preis weiter. In einem typischen Festpreistarif können zwischen 2 und 8 Cent pro Kilowattstunde Risikoprämie enthalten sein. Bei unserem Tarif hingegen ist das Risiko, dass der Strompreis mal hoch und mal runter geht. Dieses Risiko trägt der Kunde, da sind wir sehr transparent. Wir haben mündige Verbraucher. Dafür können die Kunden monatlich kündigen. Wir haben aber gesehen, dass selbst im Krisenwinter 2022/2023 der effektive Arbeitspreis für unsere Kunden bei 31 ct/kWh lag. Und damit weit unter den 40 ct/kWh und mehr, die damals bei der Grundversorgung und in vielen Fixpreistarifen abverlangt wurden.
Wenn ich jetzt allerdings nicht weiß, wie viel Strom ich verbrauche, wie funktioniert das dann mit dem dynamischen Tarif und wer trägt da das Risiko?
Wir kaufen jede Stunde Strom und jetzt – da haben Sie recht – weiß der Kunde und wissen wir nicht, wie viel er tatsächlich in dieser Zeit verbraucht. Dafür gibt es das Standardlastprofil, das auf PLZ-Ebene angibt, wie viel ein jeder Haushalt am Tag verbraucht (auf jede Stunde genau). Das ist natürlich nur ein Durchschnitt und für den einzelnen Haushalt nicht 100 Prozent richtig, aber über viele Haushalte gemittelt stimmt es. Nach diesem Profil müssen alle Versorger ihre Energie beschaffen. Die zwangsläufigen Unterschiede zwischen dem Einkauf der Energie und dem tatsächlichen Verbrauch werden dann über alle Kunden sozialisiert.
Wie viele Ihrer Kunden besitzen denn schon ein intelligentes Messsystem?
Unser Schnitt ist mit über drei Prozent deutlich höher als der bundesweite Durchschnitt. Das sind natürlich immer noch viel zu wenige. Und viele unserer Kunden rufen auch an und verstehen nicht, wieso sie nicht einfach ein intelligentes Messsystem eingebaut bekommen.
Sie sind ja Mitglied in der Smart-Meter-Initiative und Sie plädieren auch für einen vereinfachtes intelligentes Messsystem.
Grundsätzlich gibt es drei Arten von Messgeräten: den analogen Drehstromzähler, die modernen Messeinrichtungen, die zu 45 Prozent schon in den bundesdeutschen Haushalten ausgerollt sind – die haben zwar eine digitale Anzeige, aber der Zähler kann nicht kommunizieren – und dann gibt es eben noch knapp zwei Prozent intelligente Messsysteme. Das aktuelle intelligente Messsystem ist eigentlich ein Overkill technisch gesehen, weil auch die Steuerbarkeit nach § 14a EnWg mitgedacht wird. Das braucht es in einem normalen Haushalt nicht. Wir finden, dass diese Geräte überdimensioniert sind und fragen uns, warum kann man das Gerät nicht entschlacken? Es würde reichen, wenn so ein Smart-Meter-light alle 15 Minuten die Messwerte versendet, die Steuerbarkeit und zusätzliche Schnittstellen würde man für den normalen Haushalt nicht benötigen. Und natürlich würden hier auch alle Anforderungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik berücksichtigt werden, um die Datenübertragung sicherzustellen. Das wäre ein Riesenschritt, weil sich damit auch der Wettbewerb erhöhen würde und auch andere Hersteller von Smart Metern aus dem europäischen Umland mitmachen könnten. Das würde die Kosten massiv reduzieren. Eine weitere zentrale Forderung von uns ist, dass der Bestellprozess für das intelligente Messsystem einfacher wird.
"Wir haben hier eher das Gefühl, dass man versucht, den Massenrollout zu unterbinden. Und auch wenn der Pflichtrollout nun wieder die 6000-kWh-Verbrauchsgrenze umfasst: Die Anzahl und die Gesamtmenge sind zu klein. Wir werden die Energiewende nur schaffen, wenn wir den optionalen Rollout ernst nehmen."
Wie meinen Sie das konkret?
Aktuell ist es so, dass wir circa 800 verschiedene Verteilnetzbetreiber haben. Und jeder hat ein eigenes Verfahren, wie man die intelligenten Messsysteme bestellt: per E-Mail, per Webportal oder auch ganz anders. Hinzu kommen sehr lange Fristen, so dass auch gern mal sechs Monate von der Beantragung bis zur Umstellung auf das 15-minütige Verfahren beim Kunden vergehen. Und das können wir unserem Kunden nur schwer erklären, vor allem, wenn er dafür auch bezahlen muss. Das fällt negativ auf uns zurück. Die Energiewende schaffen wir aber nur, wenn wir den Massenrollout hinbekommen, also wenn in allen Haushalten intelligente Messsysteme verbaut werden.
Jetzt gibt es ja immerhin eine Gesetzesnovelle und die Politik hat die Grenze für den Pflichtrollout von 10.000 kWh Jahresverbrauch wieder auf 6000 kWh korrigiert. Das müsste Sie positiv stimmen?
Wir haben hier eher das Gefühl, dass man versucht, den Massenrollout zu unterbinden. Und auch, wenn der Pflichtrollout nun wieder die 6000 kWh Verbrauchsgrenze umfasst: Die Anzahl und die Gesamtmenge sind zu klein. Wir werden die Energiewende nur schaffen, wenn wir den optionalen Rollout ernst nehmen. Darum ist es für uns nicht so wichtig, welche Verbrauchsgrenzen für den Pflichtrollout gelten. Entscheidend ist es eher, wie schaffen wir es, den optionalen Rollout so attraktiv wie möglich zu machen? Und hier finden wir den aktuellen Entwurf nicht gut, sondern eher das aktuell geltende Gesetz. Wir hoffen also, dass es keine Beschlussfassung mehr zur Novelle gibt. Denn sonst erhöhen sich die Kosten von 30 Euro für den Einbau auf 100 Euro und zusätzlich werden noch 60 Euro für die jährliche Messstellengebühr fällig. Wir sind hier sogar bereit, Kosten für die Kunden zu übernehmen, aber eben nur, wenn das in einem gewissen Rahmen bleibt.
Was wäre hier denn der Rahmen?
Ich kann das mal vorrechnen, warum es wichtig ist, ob es jährlich 20 Euro sind oder 60 Euro. Wir haben auf unserer Website eine kleine Umfrage, in der die Kunden rausfinden können, ob sich das intelligente Messsystem überhaupt für sie lohnt. Für 70 Prozent der Kunden lohnt sich das. Für Single-Haushalte, die nur morgens und abends zu Hause sind, lohnt es sich nur bedingt, weil man dann wirklich nur zu den Stromspitzen verbraucht und dann kann man auch nur bedingt den Verbrauch in kostengünstigere Zeiten verschieben.
Die anderen – und wir schauen jetzt nur auf diejenigen, die nicht einmal ihren Verbrauch ändern – könnten im Jahr um die 50 Euro allein mit der Installation eines intelligenten Messsystems sparen. Aber für die sind 60 Euro Messstellengebühr jährlich zu viel. Sie zahlen drauf. Bei 20 Euro würde es sich lohnen – sogar komplett ohne Verbrauchsveränderung.
"Was wir sehen: Wenn Kunden ein intelligentes Messsystem haben, krempeln sie nicht plötzlich ihr Leben um – so ehrlich muss man sein."
Aber es ist ja die Idee der intelligenten Messsysteme, den Verbrauch zu verlagern und damit die Netze zu entlasten.
Das stimmt. Aber was wir sehen: Wenn Kunden ein intelligentes Messsystem haben, krempeln sie nicht plötzlich ihr Leben um – so ehrlich muss man sein. Wir wollen daher den optionalen Rollout so attraktiv wie möglich machen. Und dazu müssen die jährlichen Gebühren so gestaltet sein, dass die Kunden auch davon profitieren. Es ist natürlich ein ganz anderer Case, wenn ich ein Elektroauto habe oder eine Wärmepumpe. Da gibt es andere Einsparmöglichkeiten. Bei unseren Kunden geht das schnell auf 600 Euro und mehr im Jahr hoch, weil dann auch zusätzliche Features wie Smart Charging dazu kommen.
Sie selbst wollen kein wettbewerblicher Messtellenbetreiber werden, dann könnten sich vielleicht einige Probleme lösen?
Wir haben Partnerschaften mit wettbewerblichen Messstellenbetreibern. So kann sich jeder auf seine Stärken konzentrieren. Wir müssten zu dem Kunden einen Elektriker schicken, der für den Einbau quer durch die Stadt fährt, dann kommen noch die Hardwarekosten dazu und der Einbau dauert im Schnitt eine Stunde. Da ist man schnell bei Installationskosten von über 350 Euro. Das wollen wir Partnern überlassen, die genau diese Fälle optimieren können. Ich verstehe es, wenn ein Verteilnetzbetreiber sagt, die 30 Euro initial sind nicht kostendeckend. Aber irgendwann läuft das Gerät und dann sind die Grenzkosten bei null. Die einzigen Kosten, die man hat, ist, dass man der Datenmenge Herr werden muss. Aber mir kann keiner erklären, warum der Messstellenbetrieb dann immer noch 60 Euro kosten soll.
"Das ist mein Hauptkritikpunkt bei der EnWG-Novelle: Dass man kurz vor Ladenschluss nochmal alles über den Haufen werfen will, und das ist meiner Meinung nach für alle Beteiligten, auch für die Netzbetreiber, nicht einfach."
Da wird jetzt der ein oder andere Messstellenbetreiber aber schlucken.
Wir sehen uns primär als Partner der Messstellenbetreiber. Wenn wir alle an einem Strang ziehen und zügig einen Voll-Rollout umsetzen, sind die Kosten beherrschbar. Was nicht hilft, ist, kurz vor Go-Live eines Gesetzes nach zwei Jahren Vorbereitungszeit, das Gesetz wieder ändern zu wollen, auf das sich jetzt viele eingestellt haben. Das ist mein Hauptkritikpunkt bei der EnWG-Novelle: Dass man kurz vor Ladenschluss nochmal alles über den Haufen werfen will, und das ist meiner Meinung nach für alle Beteiligten, auch für die Netzbetreiber, nicht einfach. Wir haben auch sehr gute Erfahrungen mit Netzbetreibern gemacht, die die Geräte innerhalb von vier Wochen installiert haben. Man muss das wirklich differenziert sehen. Die Hauptforderung von uns ist: Wenn wir den Rollout umsetzen, dann müssen alle an einem Strang ziehen. Und die Energiewende ist vor allem über den optionalen Einbau möglich und hier müssten die Messtellengebühren eben in einem moderaten Bereich liegen.
Das Interview führte Stephanie Gust


