Herr Albertsmeyer, zwar gibt es noch keine zertifizierten Smart-Meter-Gateways, aber dafür kommen derzeit fast täglich neue Erfolgsmeldungen hinzu. Gleichzeitig wird es aber zunehmend schwieriger zu verstehen, was überhaupt vor sich geht. Was konkret bedeutet es für den Rollout, dass Landis+Gyr nun fünf Smart-Meter-Gateways für den Test im Wirkbetrieb produzieren dürfen?
Elmar Albertsmeyer: Bereits 2011 hatten EnBW und Netze BW zur Vorbereitung der Digitalisierung des Messwesens das Projekt ROMI, also Rollout Messsystem-Infrastruktur, gestartet. In diesem Rahmen haben wir bei unseren umfangreichen Feldtests mit knapp 1500 Messsystemen und Partnern wie den Stadtwerken Karlsruhe eine Reihe ganz praktische Erkenntnisse gewonnen. Dazu gehört die Erfahrung, dass die erstmalige Inbetriebnahme neuer Gerätegenerationen und IT-Linien immer wieder große Herausforderungen mit sich bringt.
Deshalb sind wir so froh über die Möglichkeit des Lebenszyklus-Tests: Erstmals können wir echte Geräte auf der produktiven Linie unter realen Bedingungen in Betrieb nehmen und Vorgänge parallelisieren. Davon versprechen wir uns eine Zeitersparnis von mehreren Wochen. Sobald zertifizierte Gateways verfügbar sind, wird EnBW in der Lage sein, Messsysteme zu bestellen und mit ihnen produktiv zu gehen.
Landis+Gyr haben anders als PPC noch keine eichrechtliche Zulassung. Dafür erfüllt der Schweizer Hersteller als erster die speziellen Anforderungen an eine sichere Produktion sowie die Prozesse der Lieferung zum Gateway. Nun darf Landis+Gyr fünf Gateways produzieren, die aber noch nicht eichrechtlich durchgewunken wurden. Wieso geht das?
Der Lebenszyklus-Test gehört als optionaler Teil zur Common-Criteria-Zertifizierung durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, dem BSI. Da die fünf Geräte nicht bei ‚echten‘ Kunden für Abrechnungszwecke herangezogen werden, ist eine eichrechtliche Zulassung durch die physikalisch technische Bundesanstalt (PTB) nicht erforderlich.
EnBW und seine ihre Netz-Tochter darf als Erste und Einzige die fünf Smart-Meter-Gateways testen. Wieso fiel die Wahl auf EnBW, welche Voraussetzungen haben Sie dafür erfüllen müssen?
Landis+Gyr kooperiert seit Jahren vertrauensvoll bei der Entwicklung der Smart-Meter-Gateways im Rahmen von ROMI. Aus dem Projekt kam die Anregung für die Lebenszyklus-Tests an das BSI und schließlich auch tatkräftige Unterstützung bei der genauen Ausgestaltung der Rahmenbedingungen. Daher lag auf der Hand, dass diese zunächst nur mit EnBW und dem Projekt ROMI durchgeführt werden.
Schaut man auf die vielen Testprojekte im Rahmen des Smart-Meter-Rollouts, kann EnBW als Vorreiter bezeichnet werden. Wie bewerten Sie die derzeitige Situation? Wann werden Sie mit dem Einsatz intelligenter Messsysteme starten?
Mit Landis+Gyr, PPC und Sagemcom/Dr. Neuhaus haben wir bereits drei wichtige Marktakteure in unserer Systemlandschaft integriert. Für uns hat das Thema Interoperabilität und Mehrlieferantenstrategie einen sehr großen Stellenwert. Über jeden einzelnen Fortschritt freuen wir uns daher sehr. Direkt nach der Verfügbarkeit der ersten zertifizierten Gateways bei unseren Kooperationspartnern werden wir mit dem Rollout beginnen.
Die Geräte werden nach Ablauf des zweimonatigen Tests verschrottet und die Zertifikate gesperrt. Warum eigentlich?
Die Verschrottung dieser nicht zertifizierten Smart Meter Gateways ist zwingend, da sie mit echten Identitäten aus der Smart Metering PKI ausgestattet sind. Insofern muss der Gateway Administrator sicherstellen, dass diese wieder gelöscht werden.
Die Fragen stellte Stephanie Gust
Elmar Albertsmeyer ist Produktmanager intelligente Messsysteme bei der Netze BW.
- Der Artikel dazu: EnBW und Netze BW prüfen finale Geräte von Landis + Gyr


