"Genau dafür ist das Forum Netz & Vertrieb gedacht: unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und aus regulatorischen, technischen und wirtschaftlichen Anforderungen gemeinsame Lösungen zu entwickeln", erklärte Smartoptimo-Geschäftsführer Fritz Wengeler (links), neben ihm Bereichsleiter Unternehmensenwicklung Sebastian Icks. "Stadtwerke müssen diese Aufgaben nicht alleine lösen. Kooperation und der Austausch im Netzwerk werden mit jeder neuen Rollout-Stufe wichtiger."

"Genau dafür ist das Forum Netz & Vertrieb gedacht: unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und aus regulatorischen, technischen und wirtschaftlichen Anforderungen gemeinsame Lösungen zu entwickeln", erklärte Smartoptimo-Geschäftsführer Fritz Wengeler (links), neben ihm Bereichsleiter Unternehmensenwicklung Sebastian Icks. "Stadtwerke müssen diese Aufgaben nicht alleine lösen. Kooperation und der Austausch im Netzwerk werden mit jeder neuen Rollout-Stufe wichtiger."

Bild: © Smartoptimo

Mit über 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie 26 Ausstellern verzeichnete das Netzwerk bei seinem Forum Netz & Vertrieb am 9. September in Osnabrück einen neuen Rekord. Auch die Diskussion darüber, wohin sich der Smart-Meter-Rollout nach dem Erreichen der ersten gesetzlichen Quote entwickeln soll, hat an Fahrt aufgenommen.

Immer wieder kreisten die Vorträge und Debatten um zwei Fragen: Braucht Deutschland zusätzlich zum intelligenten Messsystem ein günstigeres Smart Meter light? Oder sollte die Branche gerade jetzt den Schritt in Richtung Vollrollout wagen? Hinzu kommt eine dritte Baustelle: die Steuerung.

VKU stellt Smart Meter light infrage

Eine klare Position bezog Kai Roger Lobo, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Leiter Energiewirtschaft beim Verband kommunaler Unternehmen (VKU). Er stellte infrage, ob Smart Meter light die richtige Antwort auf den Wunsch der Politik nach einem schnelleren und günstigeren Rollout ist.

Lobo warnte zudem vor einer politischen Aufladung der Smart-Meter-Debatte. Als Beispiel nannte er Österreich, wo die FPÖ Smart Meter nach seiner Darstellung als staatlichen Zwang und Überwachungsinstrument thematisiere. Eine vergleichbare Debatte könne auch in Deutschland die Akzeptanz der Digitalisierung der Energiewende belasten.

Lobo plädierte für einen Vollrollout statt einer zusätzlichen Light-Lösung. Gerade kleine Flexibilitäten in Haushalten – etwa Batteriespeicher und Elektroautos – könnten künftig dazu beitragen, Netze besser auszulasten. Smart Meter Light bezeichnete er in diesem Zusammenhang als mögliche Sackgasse. "Unser Zielbild ist ein vollständiger Smart-Meter-Rollout." Der VKU beginne derzeit, dieses Zielbild mit seinen Mitgliedern zu diskutieren.

BSI: Keine zusätzliche Parallelinfrastruktur

Noch deutlicher fiel die Bewertung von Dennis Laupichler aus. Der Leiter des Referats für die Digitalisierung der Energiewirtschaft beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) argumentierte vorwiegend technisch. Für eine Skalierung des Rollouts stehe bereits eine zertifizierte Infrastruktur zur Verfügung.

"Diese Alternativtechnik wird nicht die Lösung sein, sie beschleunigt nicht, sie vereinfacht nicht und sie wird auch nicht günstiger sein", erklärte Laupichler mit Blick auf Smart Meter light. Statt einer zusätzlichen Parallelinfrastruktur setzt das BSI auf die (1:n)-Lösung: Mehrere Zähler werden dabei über ein Smart-Meter-Gateway angebunden. Dadurch lassen sich die Kosten des Gateways auf mehrere Messstellen verteilen.

Für die weitere Skalierung sieht Laupichler die entscheidenden Hürden vorrangig in Prozessen und IT-Systemen. Das BSI erwartet, dass grundzuständige Messstellenbetreiber ihre heutigen Piloten 2027 und 2028 zunehmend in den Massenrollout überführen. Dafür müsse die gesamte Prozess- und IT-Systemkette skalierbar werden.

Steuerrollout darf nicht in den Hintergrund geraten

Laupichler warnte zugleich davor, über der Debatte um Smart Meter Light den Steuerrollout aus dem Blick zu verlieren. Feldtests und Piloten liefen bereits; nun müsse die Branche die Erfahrungen aus dem Smart-Meter-Rollout auf die Steuerung übertragen.

Dabei sieht das BSI zwei technische Wege: die bereits verfügbaren Kombinationen aus Smart-Meter-Gateway und Steuerbox sowie künftig das Steuern aus dem Gateway selbst. Das BSI begleitet die Gateway-Hersteller derzeit bei der Umsetzung der Steuerung im Smart-Meter-Gateway. Auf diese Lösung müsse die Branche jedoch nicht warten. Vielmehr gehe es darum, mit vorhandener Technik Erfahrungen zu sammeln und die Prozesse parallel weiterzuentwickeln.

BDEW hält Smart Meter light als Option offen

Zurückhaltender positionierte sich der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Geertje Stolzenburg, Fachgebietsleiterin Energiewirtschaftsrecht beim BDEW, machte zwar deutlich, dass der Verband die politische Debatte um Smart Meter light durchaus kritisch sieht. Der eigentliche Fokus müsse darauf liegen, erneuerbare Anlagen zuverlässig und schnell in das Energiesystem zu integrieren. Stolzenburg warnte davor, dass die Debatte um Smart Meter light vom eigentlichen Rollout ablenken könnte.

Dennoch wolle sich der Verband der Diskussion nicht verschließen. "Wir werden das als BDEW konstruktiv begleiten", erklärte Stolzenburg. Ihr Verband wolle sich dazu auch mit dem VKU abstimmen.

Grund dafür sind auch unterschiedliche Interessen innerhalb der Mitgliederschaft. Einige Unternehmen würden sich Smart Meter light als zusätzliche Option wünschen. Ob daraus tatsächlich ein Vorteil entsteht, ist nach Darstellung Stolzenburgs allerdings noch völlig offen. Zu klären seien unter anderem der konkrete Einsatzbereich, Freiwilligkeit oder Verpflichtung, Datenschutz und Datensicherheit, Marktprozesse, Schnittstellen, technische Anforderungen und mögliche Preisobergrenzen.

Gerade bei den Kosten sieht der BDEW offene Fragen. Muss eine Light-Lösung vergleichbare Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit erfüllen wie ein intelligentes Messsystem, könnte der Preisvorteil schrumpfen. Werden die Anforderungen dagegen deutlich reduziert, sinken auch die möglichen Anwendungsfälle. Eine Grenze zog Stolzenburg jedoch eindeutig: "Bei der Steuerung wird kein Weg am intelligenten Messsystem vorbeiführen."

Vollrollout wird zur strategischen Frage

Parallel zur politischen Debatte zeigte das Forum, dass sich auch die Perspektive vieler Stadtwerke auf den Rollout verändert. Nachdem Ende 2025 vor allem die gesetzliche 20-Prozent-Quote im Mittelpunkt stand, geht es zunehmend um die Frage, welchen Nutzen die einmal aufgebaute Infrastruktur stiften kann.

Sören Patzack, Partner bei BET Consulting, beschrieb in der Abschlussdiskussion einen deutlichen Wandel. Im vergangenen Jahr sei der Rollout überwiegend als Pflichtaufgabe behandelt worden. Nun fragten Stadtwerke stärker nach den Chancen. Es gehe um: "Wie kann ich denn jetzt neue Geschäftsmodelle aufsetzen auf dem, was letztes Jahr noch lästige Pflicht war."

Gemeinsam mit der SWO Netz hatte BET zuvor 22 Anwendungsfälle untersucht, die sich aus einem weitergehenden Rollout ergeben können. Dabei zeigte sich weniger der eine große "Killer-Use-Case" als vielmehr eine Vielzahl kleiner Effekte entlang verschiedener Prozesse und Marktrollen.

Die Stadtwerke Flensburg haben den Vollrollout derweil wirtschaftlich untersucht. In ihrer Vergleichsrechnung schnitt der Vollrollout trotz höherer Anfangsinvestitionen langfristig besser ab als ein reiner Pflichtrollout. Hinzu kommen qualitative Effekte, etwa vereinheitlichte Prozesse oder die Möglichkeit, die Gateway-Infrastruktur auch für weitere Sparten zu nutzen. Die Stadtwerke haben sich deshalb für den Weg des Vollrollouts entschieden.

Änderungen bei Steuerung und Quoten erwartet

Für Messstellen- und Netzbetreiber dürfte entscheidend werden, welche Änderungen die angekündigte Novelle des Messstellenbetriebsgesetzes bringt. Der BDEW erwartet dabei insbesondere eine Lockerung der engen Verknüpfung von Smart-Meter-Einbau und Steuerung. Bei den steuerungspflichtigen Einbaufällen gilt die Ausstattung für die Quote erst als vollständig, wenn auch die Steuerkette funktioniert. Technik, Interoperabilität, Testprozesse und Marktkommunikation bremsen den Steuerrollout derzeit stärker als den Einbau intelligenter Messsysteme.

Wie die Entkopplung konkret aussehen soll, ist noch offen. Denkbar wäre nach Darstellung Stolzenburgs, dass ein eingebautes intelligentes Messsystem bereits für die Quote zählt und die Steuerbarkeit innerhalb einer definierten Frist nachgezogen wird.

Parallel verschieben sich auch die Rolloutziele. Auf europäischer Ebene sieht der Vorschlag der EU-Kommission erstmals Mindestquoten für Smart Meter vor, bezogen auf alle Letztverbraucher. Vorgesehen sind 50 Prozent bis Ende 2030 und 75 Prozent bis Ende 2033. Mitgliedsstaaten mit einem Rolloutstand von weniger als 30 Prozent bei Inkrafttreten sollen jeweils ein Jahr länger Zeit erhalten. Nach heutigem Stand würden für Deutschland damit die verlängerten Fristen bis Ende 2031 beziehungsweise Ende 2034 gelten.

Zugleich soll der nationale Rollout beschleunigt werden: Der Koalitionsausschuss will mehr als 90 Prozent der "relevanten Messstellen" bis Ende 2030 erreichen. Der EEG-Regierungsentwurf sieht zudem vor, die Pflichteinbauschwelle für Erzeugungsanlagen von mehr als 7 auf mehr als 2 kW zu senken und die Erzeugungsquote künftig nach der Zahl der Messstellen statt nach installierter Leistung zu bemessen.

Nach Einschätzung des BDEW könnten außerdem neue Regeln für die Steuerung am Netzanschluss und für Anlagen in der Mittelspannung Teil der MsbG-Novelle werden. Dort könnte der Netzbetreiber künftig zwischen intelligentem Messsystem und Fernwirktechnik wählen. Nach Stolzenburgs Darstellung soll möglichst bald ein Eckpunktepapier zur MsbG-Novelle folgen, der Gesetzentwurf noch vor Jahresende.

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