Der BSKI: Links vom Logo steht der Vorstandsvorsitzende Holger Berends rechts davon sein Stellvertreter Hans-Walter Borries.

Der BSKI: Links vom Logo steht der Vorstandsvorsitzende Holger Berends rechts davon sein Stellvertreter Hans-Walter Borries.

Bild: © BSKI

Der Bundesverband für den Schutz Kritischer Infrastrukturen (BSKI) warnt zu seinem einjährigen Bestehen vor zunehmender Blackoutgefahr in Deutschland und Europa.
 
Sieben schwere Vorfälle, die Europa und Deutschland an den Rand eines Schwarzfalls gebracht haben, habe es seit Mitte Dezember vergangenen Jahres gegeben, zählt der stellvertretende Vorsitzende des BSKI Hans-Walter Borries auf.

Klimawandel verstärkt kritische Situationen
 
So etwa am 10. Januar, als die Netzfrequenz innerhalb von zwei Minuten auf die kritischen 49,8 Hz herabfiel, weiter zu fallen drohte und nur mit Hilfe von 1500 MW in Frankreich und weiteren 153 MW des Pumpspeicherkraftwerks Herdecke in Nordhrein-Westfalen ein europaweiter Blackout abgewendet werden konnte. Oder die jüngsten drei Unterdeckungen im Juni.
 
Angesichts von Hitzewellen und starken Unwettern durch den Klimawandel müssen künftig auch solche Szenarien in den Fokus rücken, wenn  die europäischen Nachbarn Deutschland nicht aushelfen können, unterstreicht Borries. Etwa, wenn die französischen Atommeiler heruntergefahren werden, weil deren Kühlwasser in den sehr heißen Sommerphasen überheizt ist.

Emotionen ausklammern

„Bei der Betrachtung der Stromerzeugung müssen wir wieder mehr mit Fakten arbeiten, nicht nur mit installierter Leistung von PV/Solaranlagen und einem Gefühl“, warnt der BSKI-Vize. Denn Photovoltaik oder Windenergie seien eben keine Energiequellen, die 24 Stunden am Tag immer ihre installierte Leistung bringen.

Helfen soll hier ein sogenanntes technisches Energiesicherheits-Monitoring über 24 Stunden an sieben Tagen unter wissenschaftlicher Begleitung und auf Basis digitalisierter Energieinfrastruktursysteme.

Unterbrechungen im MIllisekundenbereich nehmen zu
 
Denn Ausfälle im Millisekundenbereich würden mit dem Zuwachs der Erneuerbaren spürbar häufiger auftreten. Der Schaden kann allein in dieser kurzen Zeitspanne zwischen 50 und 500.000 Euro liegen.
 
Bislang werden solche Ausfälle allerdings nicht aufgezeichnet, im SAIDI-Wert sind nur Stromunterbrechungen enthalten, die länger als drei Minuten dauern. Ein Energiesicherheits-Monitoring könnte solche Vorfälle sichtbar machen.  So würde auch mehr Transparenz und Objektivität im öffentlichen Diskurs erreicht.

Heppendorfer Erklärung

Industrie und KRITIS-Betreiber würden schon heute erhebliche Ressourcen in den Klimaschutz tätigen. Auch würde Deutschland ohne die Wirtschaft seine ambitionierten klima- und energiepolitischen Ziele nicht erreichen. Daher sei es zwingend, dass die Interessen der Industrie und KRITIS-Betreiber berücksichtigt werden müssen.
 
Vor diesem Hintergrund stellte das BSKI die „Heppendorfer Erklärung“ vor, die Mitte Juli zusammen mit den Industrie- und Handelskammern Aachen, Köln, Mittlerer Niederrhein „in puncto Energiesicherheit eine nachhaltige stabile Perspektive“ fordert. Über 100 Unternehmer in Nordrhein-Westfalen folgten dem Aufruf und gründeten daraus die „Industrieallianz für Regionale Energiesicherheit“ (IARES). Auch in Bayern und Baden-Württemberg gebe es großes Interesse an einer solchen Allianz, bestätigte das BSKI.

Regionale Leistungsmärkte

„Jedes der teilnehmenden Unternehmen bekennt sich zum Klimaschutz“, sagt BSKI-Vorstand Stefan Röder. Es gehe aber auch darum, Energiesicherheit und Produktionskontinuität in NRW und damit die Wirtschaftlichkeit der Betriebe zu sichern.

Neben dem Energie-Monitoring fordert die IARES effektive regulatorische Rahmenbedingungen und Marktanreize für Investitionen in innovative Energiesicherheitslösungen, sowie regionale Leistungsmärkte.

Schwellenwerte wenig aussagekräftig

Kritisch sieht das BSKI das Aufweichen von Schwellenwerten bei KRITIS-Unternehmen. So würden beispielsweise Logistik-Unternehmen Tochterfirmen gründen, um die Schwellenwerte zu umgehen, oder im Falle des von einem Sicherheitsvorfall betroffenen Krankenhaus in Neuss wurde der Schwellenwert nur marginal nicht erreicht, weshalb man nicht die IT-Sicherheitsanforderungen erfüllen musste.

Dabei seien KRITIS-Unternehmen fast nahezu gleich von Datendiebstahl, Sabotage oder Wirtschaftsspionage betroffen wie „normale“ Unternehmen. Das ergibt eine Auswertung des Digitalverbandes Bitkom. Hier habe sich der Schwellenwert nicht als optimale Lösung erwiesen, sagt BSKI-Vorstandsvorsitzender Holger Berens.

Gesetze zwingen zum Handeln

Haupttreiber für Unternehmen, in ihre Informationssicherheit zu investieren sei nach wie vor der gesetzliche Druck, dicht gefolgt der Digitalisierung des Unternehmens. Und noch etwas sollte zu denken geben: So hätten 80 Prozent von befragten JVA-Häftlingen als Grund für Ihre Straftaten angegeben, „dass es so einfach war“ angegeben.
 
Sicherheit sei kein Produkt, auch kein Projekt, sondern ein Prozess, bekräftigt Berens. Wichtig sei auch, dass IT-Sicherheit zur Chefsache gemacht werde. Er erlebe es oft, dass die Geschäftsführer für das Thema keine Zeit haben und es in die mittlere Ebene weiter deligieren.

Planen für den Blackout

Der BSKI betont zudem, dass bei einem großflächigen Blackout jedermann betroffen sei. Auch die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS). So hätten sich etwa beim Stromausfall in Berlin-Köpenick Mängel beim Katastrophenschutz offenbart. Ein Kankenhaus sei nicht ausreichend auf einen Schwarzfall vorbereitet gewesen. Dort sprangen die Notstromaggregate zunächst nicht an. Intensivpatienten mussten in einen anderen Stadtteil verlegt werden.  
 
Richtige Planung sei daher das A und O, so Berens. „Jeder, der nicht vorbeugt, hat in dem Moment verloren, in dem die Stromversorgungsunterbrechung eintritt“, warnt er. Was noch hinzukommt: bei Blackouts habe man bislang keine operative Erfahrung, nur Simulationen. Auch dies müsse sich ändern.

Positives Fazit
 
Der BSKI zieht nach einem Jahr Bestehen ein positives Fazit, man habe sich Gehör bei den Politikern verschafft, die IARES mitbegründet, wichtige strategische Partner gefunden und auf vielen Tagungen und Fachmessen mit Beiträgen und Moderationen das Bewusstsein für Gefahren für kritische Infrastrukturen geschärft.

Derzeit baut der Verband eine Akademie auf, wo die Ausbildung zum IT-Sicherheitsfachwirt und -betriebswirt in Kooperation mit der IHK angeboten werden soll. Denn „das Thema kommt an“, so Berens. (sg)

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