280 Stellen – das ist die Zahl, mit der Juwi den Ernst der Lage beziffert. Der auf Erneuerbare-Energien-Projekte spezialisierte Entwickler aus Wörrstadt (Rheinland-Pfalz) hat am Dienstag eine umfassende Neuausrichtung angekündigt.
Hintergrund ist ein branchenweit spürbarer Druck: Fallende Zuschlagswerte bei den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur, steigende Projektkosten und ein verschärfter Wettbewerb um Netzanschlüsse und Investoren haben die Margen in der deutschen Erneuerbaren-Branche in den vergangenen Monaten stark belastet.
"Mit der Restrukturierung schaffen wir die Grundlage für mehr Effizienz, klare Marktfokussierung und nachhaltige Profitabilität", betont Juwi-Chef Jost Backhaus. Ziel sei es, das Unternehmen langfristig stabil und wettbewerbsfähig aufzustellen – als verlässlichen Partner der Energiewende.
Neue Geschäftsführung ab Oktober
Die Restrukturierung geht auch an der Führungsspitze nicht spurlos vorbei. Ab Oktober 2026 besteht die Geschäftsführung nur noch aus zwei Personen: dem bisherigen Vorstandschef Backhaus und dem neuen Finanzchef Thomas Hüsgen. Dieser kommt von Zelestra Deutschland, wo er als Finanzvorstand tätig ist, und bringt nach Unternehmensangaben 20 Jahre Erfahrung in Führungspositionen bei RWE, Innogy und Eon mit.
Die beiden bisherigen Geschäftsführer scheiden aus: Christian Arnold, seit November 2021 verantwortlich für das operative Deutschlandgeschäft, verlässt das Unternehmen zum 30. September 2026. Stephan Hansen, zuständig für das internationale Geschäft sowie Zentralfunktionen wie Einkauf und IT, legt sein Mandat ebenfalls zum 30. September 2026 nieder und verlässt Juwi zum 30. Juni 2027. Bis dahin unterstützt er das Unternehmen als Senior Advisor im internationalen Projektgeschäft.
"Christian Arnold und Stephan Hansen haben Juwi in den vergangenen Jahren mit ihrer Erfahrung und Kompetenz geprägt. Wir danken ihnen herzlich für ihr großes Engagement", sagte Hansjörg Roll, Aufsichtsratsvorsitzender der Juwi-Gruppe und Vorstand der Mannheimer Energiekonzerns MVV Energie. MVV Energie ist alleiniger Eigentümer von Juwi.
Sozialverträglicher Abbau angestrebt
Der Personalabbau soll so sozialverträglich wie möglich gestaltet werden. "Juwi setzt vorrangig auf freiwillige Maßnahmen, um den Personalabbau umzusetzen. Betriebsbedingte Kündigungen werden nur dort ausgesprochen, wo dies unvermeidbar ist", erklärte Constanze Schuhmacher im Namen des Juwi-Gesamtbetriebsrats. Die neue Organisationsstruktur soll ab Oktober in Kraft treten; die Maßnahmen wurden in Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretungen und der Konzernmutter MVV entwickelt.
Starke Projektpipeline trotz Krise
Trotz der schwierigen Lage zeigt sich Juwi operativ nicht ohne Rückenwind. In den jüngsten Ausschreibungsrunden der Bundesnetzagentur im November 2025 und Februar 2026 sicherte sich das Unternehmen Zuschläge für 64 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 390 Megawatt (MW). Auch bei der jüngsten Photovoltaik-Ausschreibung war Juwi erfolgreich. Aktuell baut das Unternehmen in Deutschland, Italien, Griechenland, Südafrika und den USA Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 1000 MW.
Künftig will sich Juwi stärker auf große und wachstumsstarke Märkte konzentrieren, um Skaleneffekte zu nutzen. Zudem sollen hybride Angebote – die Kombination von Wind- und Photovoltaik-Anlagen mit Batteriespeichern – ausgebaut werden. Eine engere Verzahnung mit der MVV soll es ermöglichen, industriebetriebenen Strom aus Erneuerbare-Energien-Anlagen direkt anzubieten.
Juwi ist kein Einzelfall: Wie die ZFK bereits im Mai berichtete, kämpfen auch andere langjährige Projektierer wie Abo Energy und PNE mit strukturell sinkenden Margen und haben Effizienzprogramme aufgelegt. Ob die Branche die Talsohle erreicht hat, bleibt offen.
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