Die Energiewende läuft – zumindest auf dem Papier. Doch die Unternehmen, die Windparks und Solaranlagen entwickeln und bauen, stehen zunehmend unter Druck. Fallende Zuschlagswerte bei den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur, steigende Projektkosten und ein verschärfter Wettbewerb um Investoren und Netzanschlüsse setzen der Branche zu. Drei Unternehmen zeigen exemplarisch, wie ernst die Lage ist.
Abo Energy: Sanierungsrennen gegen die Zeit
Am härtesten trifft es derzeit Abo Energy. Der Wiesbadener Windkraftprojektierer, der jahrzehntelang zu den etablierten Adressen der Branche gehörte, steckt in einer schweren Krise. Fehlkalkulationen im Projektgeschäft hatten das Unternehmen 2025 unerwartet in die Bredouille gebracht: Bei stark überzeichneten Windkraft-Ausschreibungen und gleichzeitig kontinuierlich fallenden Gebotswerten war Abo Energy ganz ohne Zuschlag geblieben.
Laufende Projekte verzögerten sich, Wertberichtigungen häuften sich. Auch der Verkauf fertig entwickelter Windparks lief schlechter als erhofft. Unterm Strich steht nach vorläufigen Berechnungen ein Verlust von 170 Millionen Euro für das Jahr 2025.
Die Folgen sind gravierend: Das Management sieht keine Chance mehr, noch im laufenden Jahr in die Gewinnzone zurückzukehren, und stellte eine Verlustanzeige. Diese wird für Aktiengesellschaften zur Pflicht, sobald das Grundkapital mindestens zur Hälfte aufgezehrt ist. Eine außerordentliche Hauptversammlung soll unverzüglich einberufen werden.
Zuversicht für die Kehrtwende
Dennoch gibt es Hoffnung. Ein erstes Sanierungsgutachten stuft Abo Energy als "sanierungsfähig" ein und stellt eine wirtschaftliche Trendwende für 2027 in Aussicht – sofern eine tragfähige Sanierungsfinanzierung gelingt. Daran arbeitet das Unternehmen derzeit intensiv.
Die neue Krisenmanagerin Britta Hübner bekundet öffentlich, den Gesprächen mit Finanzierungspartnern "zuversichtlich" entgegenzublicken. Bis Juli soll die Finanzierung stehen. Maßgebliche Gläubiger haben bereits Stillhaltevereinbarungen abgeschlossen, um eine Grundlage für neue Kredite zu schaffen. Abo-Energy-Chef Karsten Schlageter betonte, das Unternehmen habe dadurch "neue Handlungsfähigkeit" für die Sanierung gewonnen.
Parallel versucht Abo Energy, operativ wieder Boden gutzumachen. Bei der Mai-Ausschreibung der Bundesnetzagentur für Windkraft hatte sich das Unternehmen um Zuschläge für Projekte mit mehr als 150 Megawatt (MW) beworben. Die Ergebnisse sind noch offen. Zuschläge sind ein wichtiges Signal – für Gläubiger, Investoren und den Markt.
Juwi: Strategieschwenk nach innen
Weniger dramatisch, aber strukturell ähnlich gelagert ist die Lage beim Wörrstädter Projektierer Juwi, einer Tochter des Mannheimer Energiekonzerns MVV. Auch Juwi kündigte zum Jahresbeginn eine Neuausrichtung an: Das Unternehmen wolle "Effizienzpotenziale heben", Prozesse optimieren und sich künftig auf "europäische Kernmärkte" konzentrieren.
Die Begründung damals klang vertraut: "Sowohl in Deutschland als auch in internationalen Märkten hat sich der Wettbewerb um Investoren, Netzanschlüsse und Ausschreibungszuschläge verschärft", erklärte die Unternehmensführung.
Juwi ist bislang deutlich internationaler aufgestellt als viele Mitbewerber – mit Niederlassungen in Italien, Griechenland, den USA, Südafrika und Indien. Der Rückzug aus diesem Auslandsengagement ist bereits im Gange: Im vergangenen Jahr hatte Juwi eine Joint-Venture-Beteiligung in Japan verkauft und sich damit nach mehr als zehn Jahren aus diesem Markt zurückgezogen. Wie der Strategieschwenk im Detail aussehen soll, ist noch offen.
Immerhin: Bei der überzeichneten Februar-Ausschreibung gelang Juwi zuletzt ein beachtlicher Erfolg: Zuschläge für zehn Projekte mit fast 250 MW Gesamtleistung. Damit sicherten sich die Rheinhessen rund sieben Prozent des gesamten Ausschreibungsvolumens.
PNE: Gewinnwarnung und politische Kritik
Ähnliche Signale wie von Abo Energy und Juwi kommen derweil auch von PNE. Der Cuxhavener Projektierer hat die Schwierigkeiten des Marktumfelds bereits zu spüren bekommen. Für das Geschäftsjahr 2025 musste das Unternehmen seine Gewinnprognose deutlich nach unten korrigieren: Statt der ursprünglich erwarteten 70 bis 110 Millionen Euro Gewinn waren es am Ende nur 45 bis 60 Millionen Euro – belastet durch Wertberichtigungen bei Projekten.
PNE-Chef Heiko Wuttke machte damals nicht nur wirtschaftliche, sondern ausdrücklich auch politische Ursachen verantwortlich. Sollte die Bundesregierung bei der Förderung erneuerbarer Energien die Bremse ziehen, sei mit einem Knall zu rechnen, sagte er dem "Handelsblatt". Eine Konsolidierung der Branche hielt er ohnehin für unvermeidlich.
2026 gibt sich Wuttke zwar zuversichtlicher. Doch PNE hat ebenfalls ein Effizienzprogramm gestartet und konzentriert sich künftig auf rentable Kernmärkte – Märkte, die die Renditeerwartungen nicht erfüllen, will das Unternehmen verlassen. Ob sich dieser Kurs auszahlt, wird sich zeigen. Der norddeutsche Projektierer ist seit mehr als 30 Jahren am Markt und zählt zu den erfahrensten Branchenvertretern.
Auswirkungen auf kommunale Partner
Was die drei Fälle verbindet, ist ein strukturelles Dilemma. Die Windkraft-Ausschreibungen der Bundesnetzagentur sind regelmäßig stark überzeichnet – das zeigt, dass Projekte vorhanden sind. Doch genau dieser Wettbewerb drückt die Zuschlagswerte. Bei Windkraft lagen sie zuletzt auf einem Niveau, das für viele Projektierer kaum noch kostendeckend ist – zumal die Baukosten für Windparks in den vergangenen Jahren branchenweit gestiegen sind.
Für die kommunale Energiewirtschaft ist diese Entwicklung mit Sorge zu beobachten. Projektentwickler wie Abo Energy und Juwi sind langjährige Partner kommunaler Versorger beim Aufbau eigener Erzeugungskapazitäten. Die Mainova aus Frankfurt etwa zählt zu den Großaktionären von Abo Energy. Auf eine ZFK-Anfrage nach Bekanntgabe der Neuausrichtung hin wollte sich Juwi nicht äußern, welche Auswirkungen auf kommunale Partner zu erwarten sind.






