So könnte der geplante Zink-Bromid-Speicher in Bruchsal aussehen.

So könnte der geplante Zink-Bromid-Speicher in Bruchsal aussehen.

Visualisierung: © Capac Energy

Ganze 36 Energie-Container sollen es werden – in einem Technopark im badischen Bruchsal (Baden-Württemberg): Was nach einem überschaubaren Infrastrukturprojekt klingt, ist in Wirklichkeit eine europäische Premiere. Die Stadtwerke Bruchsal und das Frankfurter Unternehmen Capac Energy errichten hier den ersten Großbatteriespeicher Europas auf Basis der Zink-Bromid-Technologie. Bis Ende 2026 soll der Speicher ans Netz gehen.

Stadtwerke gelten in der Branche selten als Vorreiter bei unerprobten Technologien. Umso bemerkenswerter ist das Engagement der Bruchsaler, die als regionaler Energieversorger in der 46.000-Einwohner-Stadt sonst vor allem Strom, Gas und Wasser liefern.

"Für uns ist entscheidend, dass dieses Projekt technologisch, sicherheitstechnisch und wirtschaftlich überzeugt", sagt Sebastian Haag, Geschäftsführer der Stadtwerke Bruchsal. Als regionales Unternehmen wolle man die Energiewende vor Ort aktiv mitgestalten und Lösungen unterstützen, die langfristig zur Stabilität des Energiesystems beitragen.

Warum Bruchsal, warum jetzt?

Der Standort ist kein Zufall. In dem Industrie- und Gewerbestandort des Standort- und Infrastrukturentwicklers Triwo treffen Industriefläche und Energiekompetenz aufeinander. Für Großbatteriespeicher eine seltene Kombination. "Batteriespeicher werden künftig ein wichtiger Baustein für die Nutzung und Vermarktung gewerblicher Flächen sowie erneuerbarer Energien", sagt Triwo-Vorstand Johannes Sieringer. Das Projekt in Bruchsal verbinde einen geeigneten Standort, eine "spannende und vorteilhafte" Speichertechnologie und ein tragfähiges Geschäftsmodell.

Heute dominieren Lithium-Ionen-Systeme den Speichermarkt fast vollständig – mit Lieferketten, die überwiegend in China verankert sind. Genau hier will Capac Energy ansetzen: Die Batteriemodule stammen von Eos Energy, einem US-amerikanischen Hersteller zinkbasierter Speichersysteme mit Sitz in Pittsburgh. Capac hat mit Eos einen exklusiven Rahmenvertrag über zwei Gigawattstunden (GWh) Speicherkapazität für die DACH-Region bis Ende 2031 geschlossen und tritt selbst als Systemintegrator und Generalunternehmer auf.

"Zink-Bromid ist meines Wissens die einzige Technologie, die heute lieferbar ist, die auf kritische Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und Nickel verzichtet und gleichzeitig für zyklenintensive, stationäre Anwendungen ausgelegt ist", sagt Benjamin Henecka, CEO und Gründer von Capac Energy. "Das ist kein Nischenprodukt – das ist eine verfügbare Alternative."

Die Projektziele sind marktwirtschaftlich: Erlöse sollen über Day-Ahead- und Intraday-Arbitrage an den Strombörsen sowie über die Bereitstellung von Systemdienstleistungen erzielt werden. Die Steuerung übernehmen vollautomatisierte, KI-gestützte Handels- und Optimierungsalgorithmen. "Der Speicher kann an allen relevanten Energie-Märkten partizipieren – Strompreis-Arbitrage, Regelleistung und Momentan-Reserve", betont Henecka. Auch die Teilnahme am zukünftigen Kapazitätsmarkt soll möglich sein.

Lithium-Alternativen im Kommen

Künftig dürften Lithium-Ionen weiterhin bei kurzen Speicherdauern von ein bis zwei Stunden und für Anwendungen bei denen Leistungsdichte zählt kaum zu schlagen sein. Allerdings verschleißen die Zellen mit jedem Ladezyklus. Nach einigen Jahren muss ein Teil der Speicherzellen ersetzt werden – mit erheblichen Kosten.

Vanadium-Redox-Flow-Speicher gelten als langlebige Alternative. Sie sind nicht brennbar und können theoretisch unbegrenzt Zyklen fahren. Der Haken: Vanadium ist selbst ein kritischer Rohstoff. "Andere Nicht-Lithium-Technologien sind heute schlicht in Masse nicht verfügbar", sagt Henecka von Capac Energy. Wettbewerber mit Vanadium-Speichern betonen dagegen, dass das Element auch als Abfallprodukt bei Industrieprozessen wiederverwendet werden kann.

Ein Einwand gegen die Technologie bleibt aber: Zink-Bromid-Speicher sind in der Anschaffung teurer als Lithium-Ionen-Systeme – ein Faktor, der für Stadtwerke mit begrenzten Investitionsbudgets erheblich ist. Henecka stellt dem die Gesamtrechnung entgegen: "Wer nur auf den Kaufpreis schaut, vergleicht Äpfel mit Birnen." Durch die geringe Degradation müssten über die Dauer von 25 Jahre keine Zellen ersetzt werden. "Zusammen mit den minimalen operativen Kosten ist die Gesamtwirtschaftlichkeit des Speichers viel attraktiver." Ob diese Rechnung in der Praxis aufgeht, wird Bruchsal zeigen.

Hinweis: Dieser Artikel ist zuerst in der Juli-Ausgabe der ZFK erschienen. Zum E-Paper geht es hier.

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