Gaskraftwerke sollen vor allem dann Strom produzieren, wenn Wind- und Solaranlagen zu wenig Elektrizität ins Netz einspeisen. (Symbolbild)

Gaskraftwerke sollen vor allem dann Strom produzieren, wenn Wind- und Solaranlagen zu wenig Elektrizität ins Netz einspeisen. (Symbolbild)

Bild: © guentermanaus/AdobeStock

Ab sofort informiert das Beratungshaus Enerchase die ZfK-Leser in einem wöchentlichen Bericht über das Geschehen auf dem CO2-Markt.

Von Tobias Waniek, Enerchase

Zum Wochenbeginn der aktuellen Handelswoche stabilisierte sich der Markt zunächst weiter. In einer volatilen Handelssitzung bewegten sich die CO2-Zertifikate am Montag zwischen 74,99 Euro/t CO2 und 72,16 Euro/t CO2, bevor sie mit einem leichten Plus von 0,20 Prozent bei 73,87 Euro/t CO2 schlossen. Am Dienstag kam es jedoch erneut zu einem deutlichen Preisrückgang. Die EUAs notierten intraday auf einem Tageshoch von 74,00 Euro/t CO2, bevor sie auf 71,78 Euro/t CO2 absackten und mit einem Rückgang von fast drei Prozent schlossen.

Am Mittwoch setzte sich die Abwärtsbewegung fort, wenn auch in geringerem Ausmaß. Die Verschmutzungsrechte gingen 0,5 Prozent leichter bei 71,33 Euro/t CO2 aus dem Handel. Am Donnerstag kommt es dagegen zu einem starken Anstieg des Kaufinteresses. Nach einem bisherigen Tageshoch bei 73,35 Euro/t CO2 notieren die EUAs um 16:00 Uhr 1,7 Prozent im Plus bei 72,53 Euro/t CO2.

EU verschiebt CBAM-Zertifikatspflicht auf 2027

Laut Medienberichten hat die Europäische Kommission bestätigt, dass die Verpflichtung zum Kauf von CO2-Grenzausgleichszertifikaten (CBAM) von 2026 auf 2027 verschoben wird. Diese Verzögerung soll Unsicherheiten beim offiziellen Start des Mechanismus im Jahr 2026 berücksichtigen und Unternehmen mehr Zeit zur Anpassung geben. Zusätzlich führt die EU eine Freigrenze von 50 Tonnen CO2 pro Importeur ein, um kleine und mittlere Unternehmen zu entlasten. Diese Maßnahme betrifft rund 90 Prozent der Importeure, deckt jedoch weiterhin über 99 Prozent der relevanten Emissionen ab. Ein umfassender CBAM-Bericht soll im dritten Quartal 2025 veröffentlicht werden, gefolgt von einem Gesetzgebungsvorschlag zur möglichen Erweiterung des Mechanismus im ersten Quartal 2026. Die Anpassung ist bearish für die EUAs, da die Nachfrage durch diese Maßnahmen geringer ausfallen wird.

CoT-Report: Long-Position immer noch hoch

Die Investmentfonds haben ihre spekulative Long-Position im EU-ETS zum Stichtag 21. Februar um 11,4 Millionen EUAs reduziert. Die Short-Position wurde ebenfalls reduziert, und zwar um 3 Mio. EUAs. Damit ist die Netto-Long-Position um 8,3 Millionen EUAs gesunken, das spekulative Interesse an den EUAs hat insgesamt nachgelassen. Die Netto-Long-Position ist jedoch noch immer sehr hoch und beinhaltet daher weiterhin ein Kursabschlagspotenzial, falls die Investmentfonds ihre Positionen weiter abbauen.

Verzögerung des Kohleausstiegs

Der wahrscheinlich nächste Bundeskanzler, Friedrich Merz (CDU), plant für die neue Bundesregierung eine rasche Senkung der Energiepreise, um die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu stärken. Mögliche Maßnahmen sind die Reduzierung der Netzentgelte und der Bau neuer Erzeugungskapazitäten, insbesondere von Gaskraftwerken. Zudem sprach sich Merz für ein "Abbaumoratorium" für Kernkraftwerke aus. Frühere Äußerungen lassen darauf schließen, dass das Ziel, die Kohleverstromung in Deutschland bis 2030 zu beenden, mit einer CDU-geführten Regierung deutlich an Priorität verlieren dürfte. Während die bisherige Regierung den Kohleausstieg bis 2030 beschleunigen wollte, könnte sich der Fokus nun wieder auf das ursprüngliche Enddatum 2038 verschieben. Eine verstärkte Nutzung von Technologien zur CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) könnte ebenfalls eine Kompromisslösung sein.

Die Experten des Beratungshauses Enerchase analysieren wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Emissionshandel für das ZfK-Morning Briefing

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