Die Biomethananlage in Brandis bei Leipzig

Die Biomethananlage in Brandis bei Leipzig

Bild: © Baywa.r.e

Die Frist zur Annahme der Vertragsanpassungen des Biomethanlieferanten bpm greengas ist am gestrigen Dienstag (11. Juli) abgelaufen. Dieses sieht in vielen Fällen Mengenreduzierungen von rund 50 Prozent und eine Preiserhöhung im nahezu demselben Umfang für die verbleibenden Mengen vor. Den betroffenen Stadtwerken fehlen deshalb teils dringend benötigt Energiemengen und sie sehen sich mit massiven Mehrkosten konfrontiert.

Laut ZfK-Informationen haben mehrere Stadtwerke die Offerte nicht angenommen und hoffen darauf, anderweitig an die fehlenden Mengen zu kommen. Etwa über den bmp-Konkurrenten Landwärme. In mehreren Fällen wurden auch rechtliche Schritte gegen die EnBW-Tochter bmp greengas eingeleitet.

"Wir haben das Angebot nicht angenommen und warten jetzt auf das, was passiert“, heißt es auf ZfK-Anfrage bei einem betroffenen Stadtwerk.

Zweifel an Rechtmäßigkeit des Schutzschirmverfahrens

bmp greengas habe lediglich die Frist zur Annahme des Angebots vom 5. auf den 11. Juli verlängert, ansonsten habe sich das Angebot inhaltlich nicht verändert, schreibt ein weiteres Stadtwerk. Auch dieses ist auf die Offerte von bmp greengas nicht eingegangen. Nun sollen kurzfristig rechtliche Schritte gegen bmp greengas und die zum EnBW-Konzern gehörende Muttergesellschaft EVS GmbH eingeleitet werden. In diesem Zusammenhang sei zu prüfen, ob das von dem Biomethanlieferanten eingeleitete Schutzschirmverfahren rechtens sei.

Auf große Resonanz in der Branche ist offenbar die Aussage von Zoltan Elek, dem Geschäftsführer des bmp greengas-Konkurrenten Landwärme, im jüngsten Interview mit der ZfK gestoßen. „Grundsätzlich sind wir bereit und auch in der Lage, einen Großteil des Portfolios der bmp greengas zu übernehmen, um die maximale Menge an Kundschaft schadlos zu halten“, hatte Elek angekündigt.

Die Reaktionen in der Stadtwerkebranche schwankten zwischen „Das ist der Hammer, hat sich Landwärme überdeckt mit Biomethan?“ bis hin zu „Wir haben das mit Interesse zur Kenntnis genommen“.

Landwärme-Chef: " Wir haben stets eine leichte Überdeckung"

Auf ZfK-Anfrage präzisierte Zoltan Elek noch einmal, was er genau, wie Landwärme dies umsetzen könne. „Bei einer Fusion von bmp und Landwärme würden sich Synergien in unterschiedlichen Bereichen des Portfolios ergeben“, schreibt der Landwärme-Chef. Das würde dazu führen, dass der Bedarf mit deutlich geringeren Mengenkürzungen und zu geringeren Preissteigerungen gedeckt werden könnte.

Landwärme habe immer einen notwendigen Sicherheitspuffer bzw. Bestand und stets eine leichte Überdeckung. Das sei auch die Vorgabe des Wirtschaftsprüfers.

Betroffenen Stadterken rät er, sich mit einem Rechtsbeistand auszutauschen, bevor man Angebote der bmp annehme. „Grundsätzlich sind wir offen für Gespräche mit allen Seiten“, so Elek.

Was macht Landwärme im Risikomanagement besser als bmp greengas?

Anscheinend hat Landwärme im Rahmen eines angemessenen Risikomanagements das Biomethanportfolio gemanagt, was bei dem Konzernunternehmen bmp greengas GmbH  nicht der Fall gewesen ist, folgerte ein Stadtwerkevertreter gegenüber der ZfK.

Vertragsabschluss im Vertrauen auf gute Bonität von bmp als EnBW-Tochter

Die Aussage der Geschäftsführung der Landwärme, dass es sich bei aktuellen Krise insbesondere um eine „Vertrauenskrise gegenüber dem EnBW Konzern“ handle, können er nur bestätigen, so der Stadtwerkegeschäftsführer weiter. Auch sein Unternehmen habe in der Vergangenheit bewusst die bmp – und damit eine vollkonsolidierte Tochtergesellschaft der EnBW AG – als Vertragspartner gewählt.

„Die bmp greengas GmbH als Konzernunternehmen der EnBW AG erschien aufgrund des Ergebnis- und Beherrschungsvertrags mit der EVS GmbH finanziell solide aufgestellt zu sein“, erklärte er. Zum Zeitpunkt des (damaligen) Vertragsabschlusses hätte das lokale Versorgungsunternehmen auch ein günstigeres Angebot eines Wettbewerbers annehmen können, der allerdings bonitätsmäßig etwas schlechter einzustufen gewesen sei. (hoe)

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