Der Ausbau von Biogas- und Biomethan-Anlagen in Deutschland stagniert trotz Energiekrise. Der Fachverband erwartet im laufenden Jahr «nun sogar einen spürbaren Rückgang bei den Neuanlagen und der neu installierten Leistung». Verbandspräsident Horst Seide beklagte am Mittwoch, dass «zu viele rechtliche Hemmnisse und schleppende Genehmigungsverfahren den dringend notwendigen Ausbau» behinderten. Vom angekündigten Deutschlandtempo sei hier wenig zu spüren.
Gut 107 neu gebauten Biogasanlagen stehen nach Verbandsangaben im Jahr 2022 rund 30 Stilllegungen gegenüber. Insgesamt beläuft sich die Zahl der Biogasanlagen damit auf 9.876 mit einer installierten elektrischen Leistung von 5.895 Megawatt (MW). Die daraus resultierende Stromproduktion stieg marginal auf 33,54 Terawattstunden (TWh).
Auch bei der Einspeisung von zu Biomethan aufbereitetem Biogas tut sich wenig: gerade mal vier Anlagen gingen 2022 ans Netz. Insgesamt speisten Ende 2022 242 Aufbereitungsanlagen gut eine Mrd. Kubikmeter Biomethan ins Erdgasnetz. Die summierte Gasproduktion von Biogas und Biomethan in Deutschland (91 TWh) ersetzt rechnerisch 10,78% des deutschen Erdgasverbrauches 2022. Grundsätzlich ist mit einer zunehmenden Umstellung von Vor-Ort-Verstromungsanlagen in Richtung Biomethaneinspeisung zu rechnen, was sich mit steigenden Zahlen (6 neue Biomethananlagen 2023) und einigen hundert Einspeiseanfragen für neue Biomethananlagen abschätzen lässt
Das Wachstum der Biogasbranche insgesamt wird sich nach den Prognosen des Fachverbandes in diesem Jahr erheblich verlangsamen. Nach Abzug der zunehmenden Stilllegungen wird sich die Zahl der Biogasanlagen vermutlich nur um 33 erhöhen. Einem leichten Anstieg der installierten Leistung (5.905 MW) steht somit erstmals ein Rückgang der arbeitsrelevanten Leistung (3.829 MW) gegenüber, was insbesondere auf die Folgen der Erlösabschöpfung zurückzuführen ist. Diese negativen Effekte werden ggf. durch die temporäre Aufhebung der sog. Höchstbemessungsleistung kompensiert, sodass die Stromproduktion auf annährend gleichem Niveau (33,9 TWh) bleibt.
Das Wachstumspotenzial sei eigentlich enorm - eine Verdopplung der Biogasproduktion auf 140 Terawattstunden sei möglich, ohne dass mehr Energiepflanzen angebaut werden müssten: «Gülle, Bioabfall und landwirtschaftliche Nebenprodukte bergen noch viel energetisches Potenzial», sagte Seide. Diese Quelle für Strom und Wärme sei klimafreundlich, technisch ausgereift und müsste stärker in die energiepolitische Diskussion eingebunden werden. «Alles, was wir brauchen, um dieses Potenzial voll auszuschöpfen, sind verlässliche und langfristige Rahmenbedingungen.»
Spitzenreiter bei Biogas ist laut dem Verband Bayern mit 2707 Anlagen und 1458 MW Leistung, gefolgt von Niedersachsen mit 1691 Anlagen und 1360 MW Leistung. Auch beim Ausbau sei Bayern vorn.
Die Branche steht in Deutschland für rund 50 000 Arbeitsplätze und über 13 Milliarden Euro Umsatz. Die Unternehmen seien Weltmarktführer und exportierten ihre Technik in über 120 Länder, bräuchten dafür aber einen funktionierenden Heimatmarkt.
Derzeit entfällt knapp die Hälfte der in der EU erzeugten Biogasmenge auf Deutschland - Tendenz jedoch sinkend, weil andere Länder den Ausbau vorantreiben. Die EU-Kommission will die Biomethan-Erzeugung bis 2030 verzehnfachen. (amo/mit dpa)



