Die Stadtwerke Stuttgart liefern der Stadt Stuttgart erstmals auch einen Anteil an Biogas. (Symbolbild)

Die Stadtwerke Stuttgart liefern der Stadt Stuttgart erstmals auch einen Anteil an Biogas. (Symbolbild)

Bild: © Jürgen Fälchle/AdobeStock

"Biogas kann eine bezahlbare Alternative zu fossilem Gas werden", sagte Harm Dekker, Geschäftsführer, Europäischer Biogasverband (EBA), bei einer Diskussion des Fachverbandes Biogas. Derzeit werden 85 Prozent des Gases in der EU importiert, vor allem aus Russland.

Derzeit liege die Zahl der Biogasanlagen in ganz Europa bei 20.000, die zusammen rund 17 Mrd. Kubikmeter für grünen Strom und Wärme produzierten und 3 Mrd. Kubikmeter Biomethan einspeisten. Doch das Potenzial sei viel größer, wie der Verbandsvetreter erklärt.

Zwei Drittel der Nordstream-Kapazität

So würden verschiedene Studien belegen, dass die Biomethanerzeugung bis 2030 auf 35 Mrd. erhöht werden könne. Das entspräche rund zwei Drittel der Nordstream-Kapazität. Bis 2050 wären 100 bis 160 Mrd. Kubikmeter möglich, was 30-50 Prozent des künftigen EU-Gasbedarfs entspräche.

Dafür müssten allerdings etwa 5000 Biomethananlagen in Europa gebaut werden, die mit Lebensmittelabfällen, Abwässer, Folgekulturen und landwirtschaftliche Reststoffen betrieben werden könnten, so Dekker weiter.

MWh Biomethan kostet derzeit 55 Euro

Der Preis für die MWh Erdgas liege aktuell bei über 250 Euro; Biomethan kostet rund 55 Euro. Somit wäre die Versorgung mit dem grünen Energieträger weitaus günstiger.

"Die Branche ist bereit zu investieren", versicherte Dekker. Dafür sei eine enge Zusammenarbeit zwischen den nationalen Regierungen, der Europäischen Kommission und der Branche erforderlich.

Kritik an der Flexibilitätsprämie

Simone Peter, Präsidentin, Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) nannte speicherbares Biogas einen "flexiblen Lückenschließer". Allerdings müssten dringend die Rahmenbedingungen angepasst werden, um dieses Potenzial zu heben.

Damit spielte sie unter anderem auf die "Flexibilitätsprämie" aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) an. Diese regelt die Vergütung von Biogasanlagen und "deckelt" deren Produktion. Die Prämie ist der Branche seit langem ein Dorn im Auge.

Sofortige Steigerung um 20 Prozent möglich

Horst Seide, Präsident des Fachverbandes Biogas, forderte eine sofortige Abschaffung des Deckels, was eine sofortige Produktionssteigerung von 20 Prozent zur Folge hätte. Dies entspräche 5 Prozent der Gasimporte aus Russland.

Das Potenzial von Biogas und Biomethan aus Biogasanlagen bezifferte er mit bis zu 450 TWh, was etwa 80 Prozent der heutigen Erdgasimporte aus Russland entspräche. Davon seien derzeit nur etwa 95 TWh erschlossen.

Hoffnungen auf das Osterpaket

Seide machte zudem deutlich, dass Energiepflanzen nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stünden – sondern eher im Gegenteil diese in der Fruchtfolge sogar fördern. Harmen Dekker ergänzte, dass in Europa von Spanien bis Polen noch sehr viel Fläche für den Anbau von Energiepflanzen zur Verfügung stünde.

Um das vorhandene Potenzial zu heben, müsse im Osterpaket noch nachgebessert werden, forderte Seide. Er verwies außerdem auf schnelle, einfache und kostengünstige Stellschrauben wie das Baugesetzbuch, das aktuell den Bau einer Biogasanlage extrem schwierig und langwierig mache. (jk)

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