Bis zum Sommer dieses Jahres möchte Norwegen rund 5 Milliarden Kubikmeter Flüssigerdgas mit Hilfe eines LNG-Terminals im Norden des skandinavischen Landes auf den Markt bringen. Dies erklärte der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeswirtschafts- und -Klimaschutzminister Robert Habeck am Mittwochabend in Oslo.
Habeck unterstrich das Interesse Deutschlands an zusätzlichen norwegischen Gaslieferungen nach Deutschland, um kurzfristig die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern. Sehr interessiert zeigte sich Habeck an der Nutzung von Spezialschiffen norwegischer Reedereien als schwimmende LNG-Terminals durch deutsche Unternehmen.
Habeck baut auf Nutzung schwimmender norwegischer LNG-Terminals
"Es war gut zu hören, dass die norwegische Regierungsseite diese Anfrage von deutschen Firmen unterstützt“, sagte Habeck. "Ich hoffe, dass wir hier bald zu einem Abschluss der Gespräche kommen können", so Habeck weiter. Denn der Bundeswirtschaftsminister treibt zwar den Bau eigener LNG-Terminals in Deutschland voran, doch kann dies kaum kurzfristig realisiert werden.
Zusätzlich stellte der norwegische Ministerpräsident eine geringfügige Erhöhung der Gaslieferungen aus den bisherigen Förderfeldern in Aussicht, doch betonte er, dass hier nicht viel Luft nach oben sei, weil das Land schon beinahe am maximalen Limit exportiere.
Intensivierte Zusammenarbeit beim Aufbau Wasserstoffwirtschaft
Norwegen deckt derzeit etwa ein Drittel des deutschen Erdgas-Bedarfs. 2020 lieferte der norwegische Gastransporteur Gassco 107 Milliarden Kubikmeter Gas nach Europa. Fast die Hälfte ging mit einer Rekordlieferung von 49,9 Milliarden Kubikmetern nach Deutschland.
Gleichzeitig unterstrichen Habeck und Støre dass es mittelfristig darum gehen müsse, weg von der fossilen Erdgasnutzung zu kommen. Hierzu soll vor allem die bilaterale und europäische Zusammenarbeit beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft intensiviert werden. Ziel sei die Erzeugung und Nutzung von erneuerbarem, grünem Wasserstoff. Doch in einer Übergangsphase sei auch die Nutzung von blauem Wasserstoff aus Erdgas, bei welchem CO2 abgespalten und gespeichert wird (CCS), sinnvoll.
Machbarkeitsstudie für eine Wasserstoff-Pipeline in der Nordsee
Norwegen treibt derzeit im größeren Stil die CCS-Technologie mit der Endlagerung des CO2 im Meeresboden der Nordsee voran. Auf dem Weg zum grünen Wasserstoff sei es "besser das CO2 zu speichern als in die Atmosphäre zu bringen", sagte Habeck. In einer gemeinsamen Energie-Arbeitsgruppe soll nun der Bau einer Wasserstoff-Pipeline in der Nordsee geprüft und zügig eine Machbarkeitsstudie ausgearbeitet werden.
Für eine zusätzliche Erdgaspipeline von Norwegen nach Deutschland sieht Habeck allerdings keinen Bedarf, weil Erdgas ja nur eine Brückentechnologie sei. "Norwegen und Deutschland sind enge Partner bei der Energiewende und beim Klimaschutz. Diese Partnerschaft wollen wir weiter vertiefen", erklärte Habeck. Der Besuch des Bundeswirtschaftsministers in Oslo am Mittwoch bildete den Auftakt zu einer Reihe von Auslandsreisen, mit dem Ziel, deutsche Energieimporte auf eine breitere Grundlage zu stellen. (hcn)
