"Wir müssen verschiedene technologische Möglichkeiten nutzen, um die Klimaschutzziele zu erreichen", unterstrich Jörg Bergmann, Sprecher der Geschäftsführung von Open Grid Europe (OGE), am Dienstag bei einem Pressegespräch in Berlin. Insbesondere für die Industrie sei es eine enorme Herausforderung, die notwendigen CO2-Reduktionen zu erreichen und gleichzeitig wettbewerbs- und innovationsfähig zu bleiben. Ein Lösungsansatz hierfür sei die Nutzung von Wasserstoff aus dekarbonisiertem Erdgas, betonte auch Stephen Bull, Senior Vice President Wind and Low Carbon Development von Equinor. Durch diesen Energieträger können signifikante CO2-Einsparpotenziale in einer relativ kurzen Zeitspanne realisiert werden. Außerdem sei Wasserstoff aus dekarbonisiertem Erdgas im Vergleich zur Herstellung aus erneuerbaren Energien derzeit noch deutlich kostengünstiger und jederzeit verfügbar.
Durch die Reformierung von Erdgas aus Norwegen und die Abscheidung von CO2 und der sicheren Speicherung im norwegischen Schelf, mehrere tausend Meter unter der Nordsee, könne der CO2-Fußabdruck um 95 Prozent verringert werden. "Wir haben in diesem Bereich mehr als 20 Jahre Erfahrung", Sorgen um die Sicherheit müsse man sich hierbei nicht machen, sagte Steiner Eikaas, Vice President Low Carbon Solutions von Equinor. In die norwegischen Offshore-Endlagerstätten soll das abgeschiedene CO2 in einer ersten Phase per LNG betriebenen Schiffen angeliefert werden, mittelfristig per Pipelines.
Pilotprojekt „H2morrow“ in NRW
In einer Machbarkeitsstudie entwickelten Equinor und OGE ein geplantes Pilotprojekt "H2morrow". Ein weiterer Partner ist Thyssenkrupp Steel Europe. Bis 2030 sollen die Industrie und andere Endkunden in Nordrhein-Westfalen mit jährlich 8,6 Terrawattstunden Wasserstoff aus dekarbonisiertem norwegischem Erdgas versorgt werden können. Dies entspreche der Energieversorgung (Strom und Gas) von 450.000 durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalten pro Jahr, so Eikaas. Auf diese Weise könne der Ausstoß von jährlich 1,9 Millionen Tonnen CO2 vermieden werden. Die hierfür nötigen Reformerkapazitäten der Wasserstoffherstellung bezifferte er auf rund 1 Gigawatt.
"Nordrhein-Westfalen und speziell die Region Niederrhein ist für ein solches Pilotprojekt besonders geeignet“, unterstrich Bergmann. Denn in der Metropolregion bestehe ein besonders hohes Dekarbonisierungspotenztial für die Industrie, Verkehr und den Wärmebereich, zudem gebe es eine gut ausgebaute Pipeline-Infrastruktur sowie zahlreiche Salzkavernen.
Gasinfrastruktur als Schlagader für blauen und grünen Wasserstoff
Interessant sei die Region auch durch die aktuelle Umstellung von L-Gas auf H-Gas, weil hierdurch bisherige L-Leitungen mit für den Wasserstofftransport genutzt werden könnten. Je nach Bedarf in der Industrie und bei anderen Abnehmern könne es sinnvoll sein, auch reine Wasserstoffnetze zu betreiben oder Mischnetze. Doch insgesamt sei "die vorhandene Gasinfrastruktur der Schlüssel für einen breit aufgestellten Wasserstoffmarkt", betonte Bergmann. "Auch für die verstärkte Nutzung erneuerbaren Wasserstoffs ist eine gut ausgebaute Infrastruktur unverzichtbar", sagte Eikaas. Die Nutzung blauen und grünen Wasserstoffs könne Hand in Hand gehen und schließe sich nicht gegenseitig aus, sagte auch Bergmann.
Nun soll die technische Planung des geplanten Pilotprojekts "H2tmorrow" vertieft, weitere Partner gewonnen und konkrete Standortfragen für die Dampfreformierung beantwortet werden, kündigte Bergemann an. (hcn)



