Im wöchentlichen Marktbericht informiert Tobias Waniek Enerchase über die Entwicklungen beim CO2-Zertifikatehandel.

Im wöchentlichen Marktbericht informiert Tobias Waniek Enerchase über die Entwicklungen beim CO2-Zertifikatehandel.

Bild: © Enerchase/ZfK

Ab sofort informiert das Beratungshaus Enerchase die ZfK-Leser in einem wöchentlichen Bericht über das Geschehen auf dem CO2-Markt.

Von Tobias Waniek, Enerchase

Nach schwachem Start Anfang vergangener Woche setzte sich auch am Donnerstag die Abwärtsbewegung beim Kontrskt "EUA Dez. 25-Future" an der ICE Endex fort und die CO2-Zertifikate markierten mit 66,84 Euro je Tonne CO2 (Euro/t CO2) ihr Wochentief. Ende vergangener Woche kam es nach den starken Preisrücksetzern zwar zu Kaufdruck, dennoch beendeten die Verschmutzungsrechte die Woche mit einem Minus von 4,2 Prozent bei 68,20 Euro/t CO2. Das Wochenhoch wurde am Montag mit 72,87 Euro/t CO2 erreicht.

Am Montag schwankten sie zwischen 70,28 und 67,65 Euro/t CO2 und schlossen mit einem leichten Plus von 1,1 Prozent bei 68,97 Euro/t CO2. Am Dienstag folgte ein Rücksetzer um 1,0 Prozent auf 68,29 Euro/t CO2, wobei die Handelsspanne mit 67,42 bis 69,71 Euro/t CO2 weiterhin breit blieb. Nach einer schwächeren Eröffnung am Mittwoch bei 67,69 Euro/t CO2 stieg das Kaufinteresse im Handelsverlauf an und es ging 1,1 Prozent fester bei 69,06 Euro/t CO2 aus dem Handel. Am Donnerstag behalten die CO2-Bullen das Handelszepter in den Händen. Gegen 13 Uhr notierten die EUAs 2,2 Prozent im Plus bei 70,61 Euro/t CO2.

Die Experten des Beratungshauses Enerchase analysieren wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Emissionshandel für das ZfK-Morning Briefing.Bild: © Enerchase/ZfK

Stimmungslage auf der CERA-Week pro Öl und Gas

Auf der jährlichen Konferenz des Energieforschungsunternehmens Cambridge Energy Research Associates (CERA), CERA-Week-Energiekonferenz, betonte IEA-Direktor Fatih Birol die Notwendigkeit von Investitionen in bestehende Öl- und Gasfelder, um die globale Energiesicherheit zu gewährleisten. Er erklärte, dass von den weltweit 400 Milliarden Dollar, die jährlich in den Sektor fließen, rund 360 Milliarden Dollar erforderlich seien, um den natürlichen Produktionsrückgang auszugleichen. Birol erklärte: "Es besteht Bedarf an Investitionen im Upstream-Bereich von Öl und Gas, Punkt." 

Diese Aussage steht im Einklang mit der pro-fossilen Energiepolitik der Trump-Regierung, die die IEA zuvor für ihren Fokus auf saubere Energie kritisiert hatte. Im Jahr 2021 hatte die IEA noch empfohlen, keine neuen Investitionen in Kohle-, Öl- und Gasprojekte zu tätigen, um bis Mitte des Jahrhunderts Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Es ist bemerkenswert, dass die IEA nun eine 180-Grad-Kehrtwende in der Kommunikation vornimmt. Auf der Konferenz wurden zudem Bedenken geäußert, dass eine Verlagerung der Produktion zu höheren Emissionen in anderen Weltregionen führen könnte, was insbesondere für Deutschland mit seiner energieintensiven Industrie eine entscheidende Rolle spielt.

CoT-Report: Seitwärtsbewegung könnte sich einstellen

Aus dem gestrigen "Commitments of Traders"-Report (CoT-Report) der EUAs an der ICE Endex geht hervor, dass sich die Nettogesamtposition aller Kategorien gegen Null bewegt. Dies deutet darauf hin, dass der Markt möglicherweise zu einem Konsens über das aktuelle Preisniveau gelangt ist. Fokussieren wir uns beim CoT-Report auf die Investmentfonds, kommen wir zu folgender Interpretation:

Die Long-Positionen der Investmentfonds haben sich von 87 Millionen EUAs auf 81 Millionen EUAs reduziert. Dies deutet darauf hin, dass spekulative Marktteilnehmer weniger Vertrauen in steigende Preise haben. Der Rückgang von knapp 6,5 Prozent ist relativ signifikant für eine Woche. Die Short-Positionen sind aber nur leicht von 44,7 Millionen EUAs auf 44,9 Millionen EUAs gestiegen. Das bedeutet, dass einige Marktteilnehmer aktiv auf die fallenden Preise spekulieren, jedoch in geringerem Ausmaß als den Abbau der Long-Positionen. Dadurch ist die Netto-Long-Position deutlich um 5,9 Mllionen EUAs auf 36,4 Millionen EUAs gesunken. 

Der Rückgang der Long-Positionen bedeutet wiederum, dass Marktteilnehmer nicht mehr von weiter steigenden Preisen ausgehen. Der geringe Anstieg der Short-Positionen zeigt allerdings, dass Hedgefonds zwar vorsichtiger werden, aber nicht aggressiv auf fallende Preise setzen. Es ist also keine extreme Baisse-Stimmung feststellbar, da die Short-Positionen eben nur leicht zugenommen haben. Falls die finanziellen Spieler fest mit sinkenden Preisen rechnen würden, wäre der Anstieg der Short-Positionen schlichtweg deutlicher ausgefallen. Dies wiederum interpretieren wir so, dass die Spekulanten scheinbar eher auf eine Seitwärtsbewegung oder eine moderate Korrektur als auf einen weiteren starken Preisverfall setzen.

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