Das Beratungshaus Enerchase informiert die ZfK-Leser in einem wöchentlichen Bericht über das Geschehen auf dem CO2-Markt.
Seit der Verkündung von reziproken Zöllen durch US-Präsident Donald Trump und den entsprechenden Gegenzöllen der anderen Länder stehen die weltweiten Finanz- und Energiemärkte insbesondere unter dem Einfluss der Zollpolitik. Der Verkaufsdruck an den weltweiten Finanzmärkten ab Mittwochabend europäischer Zeit machte auch vor den europäischen Energiemärkten und den EUAs nicht halt, so dass der EUA-Dez-25-Future die vergangenen Handelswoche mit einem Minus von 7 Prozent beendete. Auch in der aktuellen Woche bleibt dies das marktbeherrschende Thema: In Anlehnung an den Rekord-Crash an den Aktienmärkten am 19. Oktober 1987 hat das 21. Jahrhundert mit dem 7. April 2025 nun ebenfalls seinen "Schwarzen Montag".
"Ob die Euphorie dauerhaft anhalten wird, ist anzuzweifeln, da die zehn Prozent Basiszölle bestehen bleiben und damit noch immer die höchsten Zölle seit 100 Jahren sind. "
Am Mittwoch verkündete Trump dann eine 90-tägige Pause der reziproken Zölle gegenüber einer Vielzahl an Ländern inklusive der EU, woraufhin die Marktteilnehmer in einen Kaufrausch gerieten. Die EUAs eröffneten am Donnerstag entsprechend deutlich im Plus, konnten die Kursgewinne aber bislang nicht weiter ausbauen. Denn ob die Euphorie dauerhaft anhalten wird, ist anzuzweifeln, da die zehn Prozent Basiszölle bestehen bleiben und damit noch immer die höchsten Zölle seit 100 Jahren sind.
Auch 25 Prozent auf Autos, Stahl und Aluminium gelten nach wie vor. Zudem eskaliert der Zollkonflikt zwischen den USA und China weiter: Peking erhöhte auf 84 Prozent, Trump erhöhte auf 125 Prozent.
CoT-Daten deuten auf Vertrauensverlust der Spekulanten hin
Angesichts des Abverkaufs an den Märkten war ein Rückgang der Long-Positionen der Spekulanten bei den EUAs wenig überraschend, das Ausmaß der Verkäufe ist aber bemerkenswert. Laut CoT-Daten mit Stand 4. April hat sich die Netto-Long-Position der Investmentfonds im EU-ETS von 30,3 Millionen EUAs auf nun 15,8 Millionen EUAs fast halbiert und liegt damit auf dem niedrigsten Stand seit Ende Dezember 2024. Dabei wurden insbesondere die Long-Positionen um 12,9 Millionen EUAs auf 59,1 Millionen EUAs reduziert.
Die Short-Position hat sich leicht um 1,6 Millionen EUAs auf 43,3 Millionen EUAs erhöht. Der starke Rückzug aus Long-Positionen bei gleichzeitigem leichten Short-Aufbau signalisiert ein deutlich bearishes Sentiment unter den spekulativen Marktteilnehmern. CO2-Händler könnten daraus die Erkenntnis ableiten, sich weiterhin short oder zumindest neutral zu positionieren, solange sich diese Tendenz fortsetzt. Eine Trendwende ist derzeit aus dieser Perspektive nicht erkennbar.
"Emissionshandel braucht Spielräume"
Neben den Turbulenzen an den Finanzmärkten ist es auch die Tatsache, dass der Klimaschutz derzeit politisch in den Hintergrund gerät, was den EU-ETS insgesamt schwächt. Unter anderem gab es Äußerungen zu möglichen Markteingriffen aus Italien (zeitweise Aussetzung des EU-ETS) oder aus Frankreich (Preiskorridor). Nun hat sich auch der Europaabgeordnete Peter Liese (EVP) dahingehend geäußert, dass das 90-Prozent-Ziel mehr Flexibilitäten benötigt. Liese hatte unter anderem die Verhandlungen des Parlaments bei der jüngsten Überarbeitung der EU-Emissionshandelsregeln geleitet, weshalb seine Äußerungen ein entsprechendes Gewicht haben.
"Angesichts der anhaltenden Wirtschaftsschwäche wird auch eine Verzögerung des Ausstiegs aus der kostenlosen Zuteilung von Emissionszertifikaten für wahrscheinlich gehalten."
Dabei griff er auch die jüngsten Anpassungsvorschläge auf (CO2-Reduktion aus der Luft, internationale CO2-Gutschriften), womit eine entsprechende Anpassung des EU-ETS wahrscheinlicher ist. Angesichts der anhaltenden Wirtschaftsschwäche wird auch eine stärkere Forderung nach der Verzögerung des Ausstiegs aus der kostenlosen Zuteilung von Emissionszertifikaten im Rahmen des CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM für wahrscheinlich gehalten. Osteuropäische Länder könnten zudem weitere Vorschläge vorlegen, um die Einführung des bevorstehenden EU-Emissionshandelssystems für Gebäude und Verkehr zu verzögern.
ETS-Emissionen 2024 um fünf Prozent gesunken
Am 4. April 2025 veröffentlichte die Europäische Kommission die verifizierten Emissionsdaten für das Jahr 2024 im Rahmen des EU-ETS. Die Daten zeigen einen Rückgang der CO2-Emissionen um 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was hauptsächlich auf erhebliche Reduktionen im Energiesektor zurückzuführen ist. Dieser Sektor verzeichnete einen Emissionsrückgang von 12 Prozent, bedingt durch einen Anstieg der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien um 8 Prozent und aus Kernenergie um 5 Prozent, während der Einsatz von Gas um 8 Prozent und von Kohle um 15 Prozent zurückging.
Die Emissionen der energieintensiven Industrie blieben insgesamt stabil, wobei sektorale Unterschiede auffielen: Während die Emissionen im Düngemittelsektor um 7 Prozent stiegen, sanken sie im Zementsektor um 5 Prozent. Diese Veränderungen spiegeln hauptsächlich Schwankungen in den Produktionsmengen wider. Im Luftverkehr stiegen die Emissionen um etwa 15 Prozent, teilweise aufgrund der erweiterten geografischen Abdeckung des EU-ETS, die nun auch bestimmte internationale Flüge einschließt. Erstmals wurden auch Emissionen aus dem Seeverkehr erfasst, nachdem das EU-ETS zum 1. Januar 2024 auf den maritimen Sektor ausgeweitet wurde.
Die Experten des Beratungshauses Enerchase analysieren wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Emissionshandel für das ZfK-Morning Briefing.



