Der Energieverbrauch in Deutschland ist im vergangenen Jahr um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Zu diesem Ergebnis kommt der frisch erschienene Jahresbericht der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AG Energiebilanzen).
Demnach wurde Energie in einer Höhe von 402 Mio.Tonnen Steinkohleneinheiten (SKE) verbraucht. Teils dramatisch verloren dabei Stein- und Braunkohle.
CO2-Emissionen sinken stark
Als Ursachen für den Rückgang nennt das Expertengremium vor allem die Auswirkungen der Corona-Krise in Form rückläufiger Industrieproduktion, verminderter Verkehrsleistungen und veränderter Konsumgewohnheiten. Die vergleichsweise milde Witterung habe dagegen nur eine geringfügige Rolle gespielt.
Noch stärker als der Energieverbrauch dürften die CO2-Emissionen gesunken sein. Die AG Energiebilanzen rechnet mit einem Rückgang von 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Heizöl leicht im Plus
Besonders gelitten haben fossile Energieträger. Der Ölverbrauch ging demnach 2020 um zwölf Prozent zurück. Mit Ausnahme von leichtem Heizöl sowie Rohbezin sei der Absatz aller Mineralölprodukte im Minus gewesen, heißt es.
Der Zuwachs von etwa drei Prozent bei leichtem Heizöl lasse sich dabei vornehmlich auf Bestandsaufstockungen bei den Verbrauchern infolge günstiger Preise zurückführen.
Erdgasverbrauch im Minus
Auch der Erdgasverbrauch sank — und zwar um 2,4 Prozent. Dabei wurde in der Strom- und Wärmeerzeugung sogar mehr Erdgas eingesetzt als im Vorjahr.
Deutlich brach der Verbrauch an Steinkohle ein. Die AG Energiebilanzen errechnete einen Rückgang von 16,6 Prozent. Beim Einsatz von Steinkohle in den Kraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung sei gar ein Minus von mehr als 26 Prozent zu verzeichnen gewesen.
Braunkohle hart getroffen
Die Arbeitsgemeinschaft führt dies vorwiegend auf den rückläufigen Stromverbrauch, die höhere Stromeinspeisung aus Wind- und Photovoltaik-Anlagen sowie den stärkeren Einsatz von Erdgas in der Stromerzeugung zurück.
Noch stärker traf es die Braunkohle. Deren Verbrauch verminderte sich 2020 um 17,8 Prozent. Das Expertengremium nennt mehrere Ursachen: Zum einen seien zusätzliche Kraftwerksblöcke in die Sicherheitsbereitschaft überführt worden, habe sich die Stromeinspeisung von Wind- und Photovoltaik-Anlagen witterungsbedingt erhöht.
Kernkraft rückläufig
Hinzu seien ungeplante Kraftwerksausfälle, Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Stromverbrauch sowie durch niedrige Erdgaspreise bedingte Verschiebungen der Wettbewerbssituation auf dem nationalen und europäischen Strommarkt gekommen.
Schließlich ging auch die Stromproduktion aus Kernkraft zurück. Dies war aber durch die planmäßige Abschaltung des Kraftwerks Philippsburg (Baden-Württemberg) Ende 2019 erwartet worden. Die Stromerzeugung aus diesem Segment sank um 14,2 Prozent.
Wind und PV legen deutlich zu
Gewinner des vergangenen Jahres waren dagegen die erneuerbaren Energien. Sie steigerten ihren Beitrag zum gesamten Energieverbrauch 2020 um insgesamt drei Prozent 66,9 Mio. t SKE. Knapp 17 Prozent des gesamten Energieverbrauchs gingen folglich auf sie zurück.
Während Wasserkraftwerke (ohne Pumpspeicher) sechs Prozent weniger Strom lieferten als im Vorjahr, legte die Windkraft um vier Prozent zu. Die Solarenergie verzeichnte sogar ein Plus von acht, die Biomasse von mehr als zwei Prozent. (ab)
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