Die Gaspreise fielen nach Bekanntgabe einer Einigung zwischen den USA und dem Iran auf den tiefsten Stand seit zwei Monaten.
Die Absichtserklärung zwischen den beiden Konfliktparteien wirft dennoch viele Fragen auf, was derzeit einen weiteren Preisverfall an den Märkten verhindert.
LNG-Exporte Katars könnten sich bald erholen
Die gute Nachricht für die Gaswirtschaft vorneweg: Die LNG-Exporte Katars könnten sich in den kommenden Wochen erholen, da der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wohl bald wieder aufgenommen wird.
Katar plant Berichten zufolge, innerhalb eines Monats nach Wiedereröffnung der Straße von Hormus mindestens die Hälfte der aktuellen Betriebskapazität der LNG-Anlage Ras Laffan zu reaktivieren. Im darauffolgenden Monat soll die Produktion durch den Energiekonzern Qatar Energy auf nahezu 80 Prozent der Nominalkapazität der Anlage steigen.
Die Reparatur der durch die iranischen Angriffe beschädigten LNG-Produktionseinheiten (Train 4 und 6) wird jedoch voraussichtlich drei bis fünf Jahre dauern. Man geht davon aus, dass die sogenannten Plattenwärmetauscher ersetzt werden müssen. Derzeit gibt es nur fünf Firmen weltweit, die diese Module liefern können.
Massive Zugeständnisse der USA an Iran
Die 14 Punkte der Absichtserklärung lesen sich wie ein Wunschzettel der iranischen Führung an die USA, die damit praktisch alle ihre Forderungen durchsetzt.
Der Trump-Regierung war wohl kein Preis zu hoch, um sich so schnell wie möglich aus dem Konflikt zurückzuziehen. Dies birgt neben den politischen Konsequenzen für die Region und die iranische Opposition im Iran selbst auch erhebliche Risiken für die Zukunft der Frachtroute durch die Straße von Hormus.
Punkt vier der Vereinbarung sieht beispielsweise vor, dass die USA bis zum 19. Juli Zeit haben, ihre Seeblockade vollständig aufzuheben. Eine Frage, die hier offenbleibt, ist, ob der Iran letztendlich die Kontrolle über die Straße von Hormus behalten wird oder nicht.
Punkt fünf ist der Knackpunkt
In Punkt fünf der Vereinbarung sichert der Iran zunächst zu, den Tankerverkehr durch die Straße von Hormus für die Dauer von 60 Tagen ungehindert und gebührenfrei passieren zu lassen. Für die Zeit danach ist jedoch vorgesehen, dass der Iran gemeinsam mit den Anrainerstaaten am Persischen Golf – darunter Oman – eine neue, völkerrechtskonforme Regelung für die Durchfahrt erarbeitet.
Genau an dieser Stelle liegt der eigentliche Knackpunkt: Die Formulierung lässt erkennen, dass langfristig durchaus neue Abgaben für die Nutzung der Straße von Hormus eingeführt werden könnten. Sollte es tatsächlich dazu kommen, verteuert das die Passagen und erhöht die Risiken für den Transport. Dies könnte sich am Ende in Form höherer Gaspreise auf dem Weltmarkt niederschlagen.
Bericht der "Washington Post"
Laut eines Berichts der US-Zeitung "Washington Post" kam es bereits am dritten Kriegstag zu einer geheimen Vereinbarung zwischen Katar und dem Iran. Katar fuhr am dritten Tag des Krieges die Produktion in Ras Laffan herunter und soll laut dem Bericht dem Iran so zugesichert haben, seinen Einfluss auf die Konfliktparteien zu nutzen und den Iran dabei zu unterstützen, seine Kriegsziele zu erreichen.
Die Einstellung der Produktion trieb die Energiepreise deutlich nach oben. Damit stieg der wirtschaftliche Druck auf die USA und Israel, den Konflikt zu verkürzen. Die anfänglichen Bemühungen Katars waren aber spätestens mit den zerstörerischen Angriffen des Irans auf Ras Laffan am 18. März zunichte gemacht. Der Iran demonstrierte dadurch seine politische Macht in der Region.
Machtdemonstration des Irans
Der Iran hat mit der Absichtserklärung letztendlich seine Ziele erreicht. Die Freigabe seit Jahren in den USA eingefrorener iranischer Gelder wird in Aussicht gestellt. Es ist unklar, ob es mittelfristig zu einer Maut in der Straße von Hormus kommen wird oder nicht.
Die Vereinbarung zeigt den beispiellosen Einfluss des Irans auf die Region im Nahen Osten und die Golfstaaten – nicht nur auf deren Exporte durch die Straße von Hormus, sondern auch auf deren Energieproduktion.



