Die Pläne der Bundesregierung für eine bessere Vorsorge in deutschen Gasspeichern scheinen konkreter zu werden. Nachdem Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) bereits entsprechende Änderungen angekündigt hatte, nannte auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) den Aufbau einer Gasreserve als Vorhaben seiner Bundesregierung.
Demnach soll die Ampel-Koalition beschlossen haben, die Speichermenge an Erdgas über sogenannte Long-Term-Options um zwei Milliarden Kubikmeter zu erhöhen. Dies entspricht rund zehn Prozent der Kapazität deutscher Gasspeicher.
Dreistufiger Plan
Bereits zuvor hatte sich Sebastian Bleschke, Geschäftsführer von Initiative Energien Speichern (Ines), einem Zusammenschluss der meisten deutschen Gasspeicherbetreiber, auf Twitter mit mehr Details gemeldet.
Nach Bleschkes Kenntnis soll das Bundeswirtschaftsministerium einen dreistufigen Eingriff planen. Erstens soll der Gas-Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE) mit zeitlichem Vorlauf sogenannte Vorsorgeprodukte (Strategic Storage Based Options, kurz SSBOs) an Speichern in Deutschland ausschreiben und damit zehn Prozent des Speichervolumens sichern.
Einhalten von Füllstandskorridoren
Diese Vorsorgeprodukte sollen damit neben den bereits eingesetzten Long-Term-Options stehen. Der Unterschied: Während Long-Term-Options den stabilen Netzbetrieb, also Leistung, garantieren sollen, sollen sogenannte SSBOs gewährleisten, dass genügend Gasmenge in Speichern ist.
Zweitens sollen Speicherbetreiber dazu verpflichtet werden, den Speichernutzern Mindestfüllstände vorzuschreiben.
Genaue Mindestfüllstände
Nach Informationen des "Spiegel" sollen die Füllstande mindestens 65 Prozent betragen, Anfang Oktober, zu Beginn der Heizperiode dann 80 Prozent.
Am 1. Dezember müssen die Speicher zu 90 Prozent gefüllt sein, am 1. Februar noch zu 40 Prozent.
Zentrale Rolle von THE
Halten Speichernutzer die von den Betreibern auferlegten Vorgaben nicht ein, sollen sie ihr Speichernutzungsrecht verlieren, schreibt Bleschke. Ungefüllte Kapazitäten fallen dem Marktgebietsverantwortlichen THE zu. THE soll diese Speicherkapazitäten dann über sogenannte SSBO-Sonderausschreibungen befüllen.
Wenn diese Sonderausschreibungen nicht durch den Markt bedient werden können, soll der Marktgebietsverantwortliche selbst Gas einkaufen und entsprechend speichern. Gleiches soll gelten, wenn festgelegte Mindestfüllstände etwa wegen ausbleibender Buchungen der Speicher nicht erreicht werden.
Niedrige Speicherfüllstände
Hintergrund ist, dass sich die Gasspeicherfüllstände in Deutschland aktuell auf ungewöhnlich niedrigem Niveau befinden. Nach Angaben des Branchendienstes AGSI+ betrug der Füllstand zuletzt 29 Prozent.
Ungewöhnlich leer ist zudem seit Monaten insbesondere Deutschlands größter Gasspeicher im niedersächsischen Rehden, der der Gazprom-Tochter Astora gehört. Er war zuletzt zu 3,7 Prozent gefüllt. (aba)



