Blick auf den größten Gasspeicher bundesweit in Rehden (Niedersachsen).

Blick auf den größten Gasspeicher bundesweit in Rehden (Niedersachsen).

Bild: © Astora

Im Falle eines Stopps russischer Gaslieferungen wären die meisten europäischen Ländern kaum mehr in der Lage, ihre Gasspeicher zu mindestens 80 Prozent zu füllen. Zu diesem Schluss kommt Entsog, der Zusammenschluss der europäischen Gas-Fernleitungsnetzbetreiber, in seinem Sommerausblick.

Die 80 Prozent sind der Mindestfüllstand, den deutsche Gasspeicher bis zum 1. Oktober vorweisen müssen. Das entsprechende Gesetz ist seit 1. Mai in Kraft. Auch die Europäische Kommission will diese Marke europaweit vorschreiben.

Worst-Case-Szenario

Entsog geht im Worst-Case-Szenario von russischen Liefereinstellungen im Frühjahr auf allen drei großen Routen aus (Nord Stream 1, Jamal, Ukraine). Demnach wären westeuropäische Länder wie Frankreich, Großbritannien, Belgien und die Iberische Halbinsel am wenigsten betroffen. Sie könnten noch einen Füllstand von 90 bis 100 Prozent erreichen. Das entspräche einem Volumen von etwa 190 TWh.

Drei Länder könnten ihre Speicher zumindest noch bis zu 60 Prozent füllen. Dabei handelt es sich um Italien, Deutschland und die Niederlande (175 bis 350 TWh). Zusammen verfügt das Trio über die Hälfte aller in Europa bestehenden Speicherkapazitäten.

Osteuropa besonders betroffen

Besonders schwer würden sich osteuropäische Länder wie die Baltischen Staaten, Tschechien oder die Slowakei tun. Sie kämen gerade einmal auf einen Füllstand von 5 bis 35 Prozent (17 bis 150 TWh).

Die meisten europäischen Länder seien im Sommer nicht auf russisches Gas angewiesen, um ihren unmittelbaren Gasbedarf zu decken, heißt es in dem Bericht. Allerdings bräuchten sie russisches Gas, um als Vorsorge für die kommende Heizperiode ihre Speicher zu füllen.

LNG-Importe und Alternativen

Helfen könnte bei Engpässen ein innereuropäischer Gasrückfluss oder Reverse Flow vom Westen nach Osteuropa. Dieser sei jedoch nur eingeschränkt möglich, notiert Entsog. Im Ausnahmefall könnte aber ein Gasfluss via Frankreich nach Deutschland unter bestimmten Bedingungen zusätzlich die Abhängigkeit von russischem Gas verringern.

Importe von Flüssigerdgas oder die Nutzung alternativer Routen könnten die Situation weiter lindern, heißt es.

EU-Speicher zu 32 Prozent gefüllt

Zuletzt waren die EU-Gasspeicher im Schnitt zu 32 Prozent gefüllt, wie Daten des Branchendienstes AGSI+ zeigen (Daten vom 27. April). Dabei gibt es zwischen den Ländern teils starke Unterschiede. Die Füllstände in Großbritannien (90 Prozent), Portugal (88 Prozent) und Polen (77 Prozent) sind für diesen Zeitpunkt historisch hoch.

Sehr niedrig fallen die Füllstände dagegen etwa in Belgien (14 Prozent), Österreich (18 Prozent) und Ungarn (20 Prozent) aus. Deutschlands Gasspeicher waren zuletzt im Schnitt zu 34 Prozent gefüllt. Dieser Wert ist vergleichbar mit dem Jahr 2017 und höher als im April der Jahre 2015, 2018 und 2021.

Deutschland bei absoluter Menge vorn

In absoluten Zahlen liegt Deutschland mit einer gelagerten Menge von 81 TWh sogar vor allen anderen Ländern. Italien kommt auf Platz zwei (69 TWh) und die Ukraine auf Rang drei (45 TWh). (aba)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper