Die Heizperiode neigt sich dem Ende zu. Die Gaspeicherfüllstände in Deutschland steigen wieder leicht. Ein Speicher aber wird immer leerer: der größte hierzulande im niedersächsischen Rehden, der allein fast ein Fünftel der deutschen Speicherkapazitäten stellt.
Am Montagmorgen betrug der Füllstand nur noch 0,5 Prozent – ein neuer Tiefstand nach einem Winter, in dem der Speicher nie die Zehn-Prozent-Marke erreichte.
Astora-Speicherkunden?
Der Gasspeicher Rehden wird vom Unternehmen Astora betrieben, das zum Imperium des russischen Gaskonzerns Gazprom zählt. Wer genau die Kapazitäten gebucht hat, ist nicht öffentlich bekannt. Branchenkenner gehen aber davon aus, dass es sich vorwiegend, wenn nicht sogar ausschließlich, um Gazprom-Gesellschaften handelt.
Das am Freitag vom Bundestag beschlossene Gasspeichergesetz ist auch eine Reaktion auf die ungewöhnlich niedrigen Füllstände in Rehden. Der Bundesrat muss noch zustimmen.
"Lex Rehden"
Politiker der Ampelkoalition sprachen mitunter ganz offen von der "Lex Rehden". Ziel ist es, Speicherbetreiber und -kunden dazu zu verpflichten, zu bestimmten Stichtagen Mindestfüllstände einzuhalten, um die Versorgungssicherheit in Deutschland insgesamt zu stärken.
Für Rehden hieße dies, dass spätestens am 1. Oktober 79,5 Prozent oder in absoluten Zahlen rund 35 TWh zusätzlich eingelagert werden müssten, um die 80-Prozent-Mindestvorgabe zu erfüllen. Bis zum 1. November müssten nochmals zehn Prozentpunkte hinzukommen.
Rolle der Speicherbetreiber
Astora selbst wäre dann verantwortlich, dass ihre Speicherkunden diese Vorgaben auch einhalten. Bislang verantwortet das Unternehmen wie alle anderen Gasspeicherbetreiber ausschließlich die Planung, den Bau und Betrieb von Erdgasspeichern sowie die Vermarktung von Speicherkapazitäten.
"Der Erdgashandel ist nicht Teil unseres Geschäfts", heißt es auf ZfK-Anfrage. "Das Erdgas gehört unseren Kunden und nicht uns als Betreiber."
Herausfordernde Zeiten
Wirtschaftlich dürften deutschen Gasspeicherern herausfordernde Zeiten bevorstehen. Wer im Sommer Gas einlagert, muss befürchten, dass er dasselbe Gas im Winter zu niedrigeren statt zu höheren Preisen verkaufen muss.
So zahlte man zuletzt am Handelspunkt TTF für das diesjährige Sommerprodukt 104 Euro pro MWh, während das Winterprodukt bei 96 Euro notierte. Dazu kommen neue vertragliche Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Gasspeichergesetz und Unwagbarkeiten über die russischen Gasflüsse.
Astora-Speicher Jemgum
Insgesamt füllten sich die Gasspeicher in Deutschland in den vergangenen Tagen wieder, wenn auch nur leicht. Am Samstag betrug der Füllstand nach Angaben des Branchendienstes AGSI+ ungefähr 26 Prozent.
Nettoeinspeicherungen hat zuletzt beispielsweise der zweite Astora-Speicher in Jemgum (Niedersachsen) vorgenommen. Sein Füllstand betrug zuletzt 16 Prozent.
Historischer Vergleich
Im Vergleich zu früheren Jahren sind die deutschen Gasspeicherfüllstände zum Ende dieser Heizperiode zwar niedrig, aber nicht historisch tief. Zum selben Zeitpunkt im vergangenen Jahr waren die Speicher ebenfalls zu 26 Prozent gefüllt. Allerdings kam es infolge eines ungewöhnlich kalten Aprilmonats erneut zu Nettoausspeicherungen.
2020 dagegen lag der Füllstand nach einem vergleichsweise mildem Winter bei rund 72 Prozent. 2018 wiederum waren die Speicher zu gerade einmal 15 Prozent gefüllt. Bis Ende Oktober wurde damals allerdings so viel eingespeichert, dass der Füllstand auf 88 Prozent stieg. Und damit auf ungefähr so viel, wie das vom Bundestag verabschiedete Gasspeichergesetz für diesen Zeitraum vorgibt. Demnach soll der Füllstand am 1. November nämlich 90 Prozent betragen. (aba)



