Ab sofort informiert das Beratungshaus Enerchase die ZfK-Leser in einem wöchentlichen Bericht über das Geschehen auf dem CO2-Markt.
Von Tobias Waniek, Enerchase
Nach einer robusten ersten Wochenhälfte nahm der Verkaufsdruck bei den CO2-Zertifikaten in der zweiten Wochenhälfte wieder zu. Infolgedessen schloss der EUA-Dezember-25-Future die vergangene Woche "nur" mit einem Plus von 0,5 Prozent bei 71,27 Euro je Tonne (Euro/t) CO2. Gehandelt wurde das Verschmutzungsrecht zum Preis zwischen 74,23 Euro/t CO2 auf der Ober- und 69,59 Euro/t CO2 auf der Unterseite.
In der aktuellen Handelswoche stabilisierten sich die Preise der EUAs zum Wochenstart am Montag leicht. Die Kurse bewegten sich zwischen 70,75 Euro/t CO2 und 71,94 Euro/t CO2. Der Schlusskurs betrug 71,45 Euro/t CO2, was einem moderaten Plus von 0,3 Prozent entsprach. Dienstag zeigte der CO2-Dezember-Future dann wieder Schwäche.

Debatte um Preiskorridor im EU-ETS
Mit einem Schlusskurs von 70,30 Euro/t CO2 büßten die Zertifikate 1,6 Prozent ihres Werts ein. Am Mittwoch kam es hingegen wieder zu einem kleinen Plus von 0,5 Prozent auf 70,66 Euro/t CO2. Allerdings war der Tageshöchststand mit 71,80 Euro/t CO2 deutlich fester. Am Donnerstagnachmittag kam es dann zu kräftigem Verkaufsdruck. Das Dezember-Future notierte gegen 14 Uhr mit einem Minus von 3,4 Prozent bei 68,28 Euro/t CO2 und fiel damit unter die wichtige Support-Marke von 70 Euro/t CO2.
Frankreich fordert erneut die Einführung eines Preiskorridors im Europäischen Emissionshandel (EU-ETS), um die zuletzt starken Preisschwankungen im EU-ETS einzudämmen. Das System verpflichtet Industrieunternehmen und Kraftwerksbetreiber, Verschmutzungsrechte für jede ausgestoßene Tonne CO2 zu erwerben, um Anreize zur Emissionsreduktion zu schaffen. Kritiker, darunter Polen, beklagen jedoch seit Langem die hohe Volatilität, die vor allem durch spekulative Finanzakteure verursacht werde.
Die Nachrichtenagentur "Reuters" berichtet von einem internen französischen Regierungspapier, wonach der vorgeschlagene Preiskorridor Mindest- und Höchstpreise festlegen soll, die im Einklang mit den Klimazielen der EU stehen. Die französische Klimaministerin Agnès Pannier-Runacher betonte, dass Unternehmen langfristig kalkulierbare Preissignale benötigen, um Investitionen besser planen zu können. Frankreich wirbt nun um Unterstützung bei anderen EU-Mitgliedstaaten, wobei Tschechien bereits Zustimmung signalisiert hat.
Optionsverfall und CoT-Report im Fokus
Angesichts des derzeit hohen Anteils an spekulativem Handel (Stichwort: "Headline-Trading"), war in der aktuellen Woche – neben den neuesten CoT-Daten – der Fokus auf dem Optionsverfall der EUA-März-Optionen am 26. März gerichtet. Zu erwarten war eine hohe Volatilität. Nach Ermittlung des Referenzpreises um 14 Uhr kam es anschließend zunächst zu stärkerem Kaufdruck. Dieser ließ in den letzten Handelsstunden aber wieder merklich nach.
Der CoT-Report der ICE Endex mit Datenstand 21.März zeigte einen Anstieg der Netto-Long-Position der Investmentfonds im EU-ETS von 31 Mio. t CO2 in der Vorwoche (14.03.) um 2,2 Mio. t CO2 auf 33,3 Mio. t CO2. Die Long-Position stieg um 0,5 Mio. t CO2 auf 82,3 Mio. t CO2 und die Short-Position fiel um 1,6 Mio. t CO2 auf 49 Mio. t CO2.
Der CoT-Report ist neutral zu interpretieren, die Veränderungen in der Positionierung der Spekulanten sind gering. Weiterhin besteht eine relativ hohe Netto-Long-Position, die Investmentfonds setzen also mehrheitlich auf steigende Notierungen. Mit dem Rückfall unter die 70-Euro-Marke im Handel am Donnerstag könnte es jedoch zu weiteren Positionsschließungen kommen.
Die Experten des Beratungshauses Enerchase analysieren wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Emissionshandel für das ZfK-Morning Briefing.



