Die "Deutsche Erdgas Versorgungs GmbH" aus Rheine hat Insolvenz beantragt. Dies geht aus einer Insolvenzbekanntmachung des Amtsgerichts Münster vom Montag vergangener Woche hervor. Demnach hat das Gericht Anwalt Dirk Hofschulte aus Emsdetten zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannt. Alle Verfügungen der "Deutschen Erdgas" bedürfen seitdem seiner Zustimmung. Und alle Zahlungen werden nur noch wirksam, wenn sie an ihn geleistet werden (auch nicht an das Gericht).
Die "Deutsche Erdgas" ist seit 2012 im Vertriebsgeschäft. Zunächst firmierte sie als "Eposso Network GmbH", so das Handelsregister. Geschäftsführer ist von Anfang an Harald Pliet (54). Während andere Discounter den Massenmarkt ansprechen, hat sich dieses Unternehmen auf Wohnungswirtschaft, Handel und Industrie als Kundengruppen spezialisiert.
Angeblich Bilanzkreisverträge gekündigt – der Fall Kiel
Im Gebiet der SW Kiel Netz, einer Tochter der Stadtwerke Kiel, kann die "Deutsche Erdgas" von diesem Mittwoch an ihre Kunden nicht mehr mit Gas beliefern: Der für Kiel verantwortliche Marktgebietsbetreiber kündigte ihr nach Angaben aus Kiel seinen Bilanzkreis mit Wirkung zum 18. Juli. Ohne dieses Energiemengenkonto können seine Beschaffungs- und Liefermengen im gesamten Marktgebiet nicht mehr zugeordnet werden. Die SW Kiel Netz kündigte der "Deutschen Erdgas" daher den Netzzugang in Kiel. Sie will die Endkunden schriftlich darüber informieren.
Die Kunden des Discounters fallen damit nahtlos in die Ersatzversorgung durch den Grundversorger, den offiziellen lokalen Marktführer. Das sind in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt die Stadtwerke Kiel. Diese wollen ebenfalls auf die ehemaligen Kunden der "Deutschen Erdgas" zugehen und sie bei der Auswahl eines Gastarifs (statt des Ersatzversorgungstarifs) beraten.
Sonstige Pleiten 2018
In diesem Jahr haben, soweit bekannt, vor der "Deutschen Erdgas" folgende neue Energieanbieter für Endkunden Pleite angemeldet:
- die bundesweit vertrieblich tätige Energiegenossenschaft Eveen im Juli mit mehr als 100.000 Kunden,
- der Discounter "Energieagenten" im Juni und
- der Vertrieb Enversum vorläufig im März sowie endgültig im April.
Der Schaden bei Gläubigern, vor allem Netzbetreibern, Marktgebieten und Endkunden, dürfte insgesamt geringer ausfallen als bei den spektakulären Pleiten von Teldafax, Flexstrom und Care-Energy. Allein Care hinterließ nach einer damaligen Schätzung des Insolvenzverwalters Schulden in zweistelliger Millionenhöhe. (geo)


