Von Joachim Endress, Ganexo
Seit der Preisspitze zu Beginn der letzten Woche haben die Gaspreise rund 15 Prozent abgegeben. Ob die Gaspreise in den nächsten Wochen mit milderen Temperaturen weiter abgeben, hängt auch vom asiatischen LNG Markt ab.
Achterbahnfahrt der Gaspreise im Februar
Die Geopolitik, politische Ankündigungen und Taktik der Investoren haben bisher im Februar zu einer wahren Achterbahn der Gaspreise geführt. Seit Monatsbeginn haben sich die Spotpreise am THE von 48 EUR pro MWh auf bis zu 60 EUR pro MWh hoch und wieder runter bewegt.
In den EU-Mitgliedsstaaten wurde zuletzt der Ruf nach einer Lockerung der Speicherziele lauter, was den jüngsten Preisverfall unterstützte. Die Anbahnung der Friedensgespräche zwischen den USA und Russland brachte die Frage nach einer möglichen Wiederaufnahme von russischen Gasflüssen zurück auf den Verhandlungstisch.
Die LNG-Importe der EU-Länder sind weiterhin stabil und die USA brechen mit der Inbetriebnahme des achten LNG Exportterminals (Plaquemines LNG) neue Exportrekorde. Und natürlich unterstützten die Gewinnmitnahmen einiger spekulativer Marktteilnehmer zusätzlich den Preisverfall.
Gaspreise in Asien im Blick
Der jüngste Preisverfall veränderte die Preisdifferenz gegenüber den asiatischen LNG-Märkten. Gegen Ende Januar notierten die Preise am niederländischen TTF knapp 2 USD pro MMBtu (rund 6,50 EUR pro MWh) teurer als am asiatischen JKM.
Das war die höchste Preisdifferenz seit knapp 2 Jahren und wäre rein theoretisch ausreichend gewesen auch australisches LNG nach Europa anzuziehen. Die zuletzt schwache Nachfrage in China unterstützte dabei die Preisentwicklung am JKM.
Mit dem Preisverfall am TTF fielen auch die Preise am JKM, jedoch war die Abwärtsbewegung schwächer und die asiatischen Preise zogen zuletzt wieder mit den europäischen Gaspreisen nahezu gleich.
Europa braucht LNG im Sommer
Den Preisabstand zu den asiatischen LNG-Preisen müssen die europäischen Händler im Blick behalten, um weiterhin genügend atlantisches LNG in Europa anzuziehen. Ab einer Preisdifferenz von 3-4 EUR pro MWh zugunsten des JKM, könnten LNG-Lieferungen aus den USA wieder vermehrt nach Asien abfließen.
Das bedeutet, auch wenn es in den nächsten Tagen wieder wärmer wird und sich auch die Gasverstromung wieder rückläufig entwickeln sollte, so ist das Abwärtspotential am niederländischen TTF mit Blick auf Asien mittelfristig begrenzt.
Bisher im Februar entwickeln sich die LNG-Importe an den europäischen Terminals positiv und es wurden seit Beginn des Monats 85 Schiffsladungen importiert. Bis zum Monatsende werden noch mindestens 15 weitere Lieferungen erwartet.
Sommer-Winter-Spread gestiegen
Die Aussicht auf Lockerung der Speicherregelungen in Europa war ein wichtiger Faktor für den jüngsten Preisverfall und erhöhte wieder den Sommer-Winter-Spread. Ende Januar lag der Preis für den Kontrakt Sommer-25 bis zu 6 EUR pro MWh höher als für den nachfolgenden Kontrakt Winter-25.
In diesem Fall spricht man dann von einem negativen Sommer-Winter-Spread, der den Speicherbetreibern keinen ökonomischen Anreiz zur Speicherbefüllung für den nächsten Winter gibt.
Der negative Spread hatte sich in der letzten Woche erholt und stieg zuletzt auf mehr als -3 EUR pro MWh, nachdem Deutschland die EU dazu aufgefordert hatte, die Speicherziele zu lockern.
Die Europäische Kommission plant nun einen flexibleren Ansatz unter Einbeziehung dynamischer Speicherziele, um die Systembelastung zu reduzieren. Eine Entscheidung der Kommission wird in der nächsten Woche am 26. Februar erwartet.
Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.


