Preisturbulenzen nicht ausgeschlossen: Der Kohleausstieg wird zum Stresstest für Regierung und Energieversorger.

Preisturbulenzen nicht ausgeschlossen: Der Kohleausstieg wird zum Stresstest für Regierung und Energieversorger.

Bild: © EEX

Die Leipziger Energiebörse EEX hat angekündigt, die Aktivitäten ihrer Pariser Börsentochter Powernext zum 1. Januar 2020 zu integrieren. Dies geht aus einer Pressemitteilung vom Dienstag hervor.

Die bisherige Powernext SAS hatte 2001 als reine Strom-Spotbörse begonnen. Heute bietet sie laut Website folgende Dienstleistungen, die künftig EEX-Dienstleistungen werden sollen:

  • die Organisation des Gasgroßhandels, Spot und Termin, in zehn europäischen Ländern zur Lieferung an zwölf verschiedene virtuelle Handelspunkte (VHP) von Spanien bis Dänemark, darunter die VHP der beiden deutschen Marktgebiete NCG und Gaspool, auf der bisherigen Powernext-Plattform "Pegas"
  • die Organisation kurzfristiger Segmente im Gas-Regelenergiemarkt für NCG, Gaspool und für andere Marktgebiete oder Ferngasnetzbetreiber
  • die Führung des französischen Herkunftsnachweisregisters (HKNR) im staatlichen Auftrag und den Handel mit französischen HKN – die EEX hat 2018 den skandinavischen Registerbetreiber Grexel übernommen
  • die Organisation des Handels mit französischen Energieeinspar-Zertifikaten ("Negawatt")
  • IT-Dienstleistungen für algorithmischen Handel, Kopplung von Marktgebieten, Versteigerungsplattformen und die Registrierung von Zertifikaten im französischen Kraftwerks-Kapazitätsmarkt

"Einfacherer Zugang zu breiterem Handelsspektrum"

Als Vorteile für ihre Handelskunden streicht die EEX hervor:

  • eine einfachere Zulassung neuer Teilnehmer zu allen bisherigen Märkten von EEX Power Derivatives und Powernext
  • Zugang zu mehr Handelsprodukten und einem wachsenden Liquiditätspool auf einer einzigen Plattform
  • ein erweitertes Portfolio zum Handel an der EEX zur Verfügung, darunter Erdgas, Strom und Emissionsrechte

Die bisherige Powernext SAS in Paris soll eine Niederlassung der EEX werden. Die EEX-Gruppe will ihre Kunden weiter in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch betreuen.

Zwölf Jahre Kooperation

EEX und Powernext kooperieren seit 2007 intensiv miteinander, um Handelsliquidität auf jeweils einer einzigen Plattform zu bündeln, aber bisher stets auch als deutsch-französischer regulatorischer und standortpolitischer Kompromiss. In dieser Form wird diese Kooperation bald hinfällig, denn die Powernext soll als eigenständiger organisierter Markt verschwinden. Daher steht die beabsichtigte Transaktion unter behördlichem Vorbehalt. Schlaglichter der Zusammenarbeit sind:

  • Die EEX migrierte vor zwölf Jahren ihren deutschen Strom-Spotmarkt zum Pariser Partner in der gemeinsamen Tochter Epex Spot, die Powernext brachte bei der EEX Power Derivatives ihre Elektrizitäts-Terminmärkte ein. Beide Standorte, Leipzig und Paris, gewannen somit etwas hinzu.
  • 2013 legten beide Energiebörsen ihren Gashandel für verschiedene Marktgebiete in der gemeinsamen Plattform "Pegas" mit Wirkung zum Januar 2015 zusammen.
  • 2017 stiegen die letzten Übertragungsnetzbetreiber als Powernext-Aktionäre aus, die EEX übernahm 100 Prozent und gewann damit auch eine direkte und indirekte Mehrheit von 51 Prozent an der Epex Spot. Was ist dann 2020 mit der Epex Spot in Paris? Kein Wort darüber in der Pressemitteilung. Sie hat auch noch Fremdaktionäre: Ein Joint Venture der Übertragungsnetzbetreiber RTE (Frankreich), Tennet (Holland/Deutschland) und Elia (Belgien) hält immer noch knapp 37 Prozent an der reinen Strom-Spotbörse, die für Deutschland eine immense Bedeutung hat: Über sie läuft die gesamte Vermarktung des mit Fixsätzen geförderten deutschen Grünstroms sowie mittlerweile ein Großteil des deutschen Day-ahead- und Intradayhandels.
  • Diesen Juli trat Powernext-Präsident Egbert Laege zurück und machte dort Platz für den Strategievorstand der EEX, Tobias Paulun. Paulun tat jetzt die Absicht kund, "ein (einziges) Regelwerk und einen Zulassungsprozess einzuführen". (geo)
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