Die Zeit des Wartens ist nach gut einer Woche vorbei und Eon als Gasversorger auch für Neukunden wieder zurück. Die Preise sind jedoch deutlich nach oben geschnellt.
"Bei unserer Preisgestaltung können wir uns – wie viele andere Anbieter auch – den aktuellen Marktbedingungen nicht entziehen", teilte ein Unternehmenssprecher mit. "So bezahlt ein durchschnittlicher Haushalt mit einem Verbrauch von 18.000 kWh im Jahr rund 170 Euro netto monatlich für Erdgas". Ein Vorgeschmack darauf, was Gaskunden in ganz Deutschland bevorsteht?
Stadtwerke Neumünster erhöhen Preise
In Neumünster (Schleswig-Holstein) etwa zahlen Eon-Neukunden nun einen Arbeitspreis von 13,29 Cent pro kWh.
Das ist deutlich mehr, als die Stadtwerke Neumünster Bestandskunden im Tarif SWN-Gas Premium in Rechnung stellen. Dabei wird es auch für sie deutlich teurer, wie der Kommunalversorger am Dienstag bekanntgab.
Ende des Höhenflugs nicht in Sicht
Für sie steigt der Arbeitspreis zum 1. Dezember um fast ein Drittel auf 8,18 Cent pro KWh. Täglich angepasst wird zudem der monatlich kündbare Flexpreis der Stadtwerke. Er kostete am Dienstag 13,09 Cent pro kWh, damit aber noch immer knapp weniger als das Angebot von Eon. Allerdings fällt der Grundpreis des Essener Konzerns etwas günstiger aus.
Wie hoch die Erdgaspreise bei weiteren Versorgern steigen, dürfte dabei wesentlich von der Preisentwicklung am Großhandel abhängen. Dort scheint ein Ende des Höhenflugs vorerst nicht in Sicht.
Preisniveau weiter "sehr hoch"
Zwar seien die Kontrakte bis zum ersten Quartal 2022 seit Freitag etwas gesunken, schreibt Gasversorger GVS in seinem jüngsten Telegramm. Im Gegenzug seien die Preise vom zweiten Quartal 2022 an in den meisten Kontrakten etwas nach oben gegangen.
Das absolute Preisniveau sei weiterhin "sehr hoch", heißt es dort. Am Dienstag notierte der Day-Ahead am Handelspunkt TTF bei 84,94 Euro pro MWh (Mehr Zahlen und Grafiken finden Sie im ZfK-Datenraum.)
Sorgenkind Rehden
Preistreibend dürften weiterhin extrem hohe Preise für Flüssigerdgas, geringe Gasflüsse aus Russland sowie nur langsam voller werdende Gasspeicherfüllstände in Deutschland (aktuell laut Branchendienst AGSI+ zu etwas mehr als 70 Prozent gefüllt) wirken.
Sorgen bereitet des Weiteren Deutschlands größter Gasspeicher in Rehden, der seit zwei Wochen keine Einspeicherungen mehr vorgenommen hat. Betreiber Astora, eine Tochter des russischen Konzerns Gazprom, verweist allerdings auf ZfK-Nachfrage auf jährliche Wartungsarbeiten an technischen Anlagen, weshalb der Speicher in den vergangenen beiden Wochen nicht zur Verfügung gestanden habe. Rehden ist derzeit zu etwas mehr als neun Prozent gefüllt.
Grundversorger meldet Stromlieferende an
Marktbeobachter gehen davon aus, dass nicht alle Energieversorger das Gaspreishoch überstehen werden. So soll das Hamburger Energieunternehmen Smiling Green Energy mit seiner Vertriebsmarke "Natürlich Grün" einen Insolvenzantrag gestellt haben, wie zuerst die "Wirtschaftswoche" berichtete.
Laut Bundesnetzagentur haben seit 1. September zwei Stromversorger angezeigt, ihre Lieferungen beenden zu wollen. Darunter befindet sich mit der Firma Ziegler auch ein Grundversorger.
Ziegler belieferte bislang die meisten Kunden in der 6000-Einwohner-Gemeinde Kappelrodeck (Baden-Württemberg). Das Unternehmen kündigte an, bis Ende des Jahres die Stromlieferung einzustellen. Für den 1. Dezember plant es noch eine Preiserhöhung, wie der Firmenwebsite zu entnehmen ist. (aba)



