Was wäre wenn Russland die Erdgaslieferungen kurzfristig stoppt? Stünde die Versorgungssicherheit vor dem Kollaps? Nicht unbedingt, denn Stadtwerke haben je nach Vorrausetzungen Erdgas-Einsparpotenziale von bis zu 60 Prozent. Zu diesem Schluss kommt eine Kurzstudie des Fraunhofer IOSB-AST, die auf realen Anlagedaten und Versorgungsszenarien basiert. Dabei beziehen sich die Gaseinsparungen sowohl auf die Strom- als auch auf die Wärmeversorgung, heißt es in der dazugehörigen Pressemitteilung. Im Rahmen der Untersuchungen wurde der Fokus auf sofort verfügbare Technologien gelegt. Die Reduktionspotenziale sind nicht zeitlich beschränkt und können kurzfristig, d.h. ohne die Erzeugungsanlagen strukturell anpassen zu müssen, umgesetzt werden.
Es wurde angenommen, dass die zusätzlich benötigte Strommenge am Spotmarkt beschafft werden kann. Und genau dies ist eine der Schattenseiten: Um das Erdgas zu kompensieren, wird mehr Strom benötigt, die Beschaffungskosten steigen. Unter diesen Voraussetzungen erhöhten sich die Kosten im Vergleich zum Erdgasbezugsszenario um bis zu 35 Prozent. Gleichzeitig wird der Erdgasbezug je nach Berechnung und Szenario um bis zu sechzig Prozent reduziert. Aber es ist auch klar: Sollte Gas eingespart werden und mehr Strom benötigt werden, brauche es eine Diskussion über einen finanziellen Ausgleich für die Kommunalwirtschaft. Das bleibt jedoch offen. Das eingesparte Erdgas steht dann zusätzlich zur Befüllung der Erdgasspeicher für den kommenden Herbst bereit.
Berücksichtigt wurden die Mindeststillstands- und Mindestbetriebszeiten der Betriebsmittel sowie die monatsscharfen Verbrauchs- und Erzeugungsprognosen. Die zugrundeliegende Simulation bezieht sich auf den Monat November 2021. Russisches Gas hatte 2021 einen Anteil von 55 Prozent am gesamten Gasverbrauch on Deutschland. Momentan liegt der Importanteil unter 40 Prozent. Die vollständigen Ergebnisse der Studie und deren Simulation wird auf der E-World im Juni 2022 in Essen vorgestellt. (gun)



