Mehr Klarheit für Erdgas-Kunden: Die Bundesnetzagentur hat für Oktober 2021 neue Regelungen festgesetzt.

Mehr Klarheit für Erdgas-Kunden: Die Bundesnetzagentur hat für Oktober 2021 neue Regelungen festgesetzt.

Bild: © Rainer Sturm/pixelio.de

Der Sinkflug der Gas-Haushaltskundenpreise, der seit dem Jahr 2013 angehalten hatte, hat sich in diesem Jahr ins Gegenteil verkehrt. Das ergibt der seriöse "Verbraucherpreisindex Gas" des Preisvergleichsportals Verivox, aus dem es am Mittwoch das 2019er-Rumpfergebnis veröffentlichte. Demnach stiegen die Bruttokosten für haushaltsübliche 20.000 kWh Gas in einem mengengewichteten Schnitt aus Grundversorgungs-, Sonder- und Wettbewerbertarifen gegenüber 2018 um 8,5 Prozent auf 1216 Euro. Alle Kosten auf die kWh umgelegt, drehte sich der Bruttopreis von seinem Tiefpunkt bei 5,63 Cent auf 6,07 Cent. 2013 hatte er noch bei 6,8 Cent gelegen.

Für Verivox, das hauptsächlich von Provisionen für Neukunden-Akquise lebt, also vom Versorgerwechsel auf seinem Portal, steht jetzt schon fest: "Der kommende Winter wird noch teurer." Dabei beruft sich das Portal darauf, dass nach seinen Erhebungen 34 Gasversorger diesen Herbst, also kurz vor der Heizperiode, ihre Grundversorgungstarife im Schnitt um weitere 8,4 Prozent oder 109 Euro anheben.

Dauert eine Heizperiode zwölf Monate?

Das Portal weiß sogleich einen – allerdings nicht ganz uneigennützigen – Rat: "bereits jetzt einen günstigen Gastarif wählen. Dieser sollte eine Preisgarantie von mindestens 12 Monaten haben. So sind die Kunden vor Preiserhöhungen während des Winters geschützt." Warum es zwölf Monate sein sollen, das bleibt das Geheimnis von Verivox. Wer nämlich etwa zum 1. Oktober zu einem anderen Versorger wechselt, heizt normalerweise bis Ende März und verbraucht danach kaum mehr Gas. Das wären aber nur sechs Monate.

Die nackten Zahlen aus der ständigen Verivox-Erhebungsarbeit sind in ihrer Größenordnung mit Sicherheit glaubhaft. Aber an der Deutung ist massiv zu zweifeln. Es spricht sogar einiges dafür, dass noch Preissenkungen bevorstehen.

Was Verivox erneut verschweigt

Was Verivox wie üblich nicht in seine Pressemitteilung schreibt: 34 Gasversorger – das klingt in den Augen von Publikumsmedien und von Privatverbrauchern wie eine bedeutende Menge. Aber sie sind nicht einmal fünf Prozent der 715 Gas-Grundversorger. Man müsste also umgekehrt feststellen: Mehr als 95 Prozent der lokalen Marktführer verteuern ihren Grundversorgungstarif mit Sicherheit bis Ende Oktober nicht weiter, denn dies müssten sie sechs Wochen vorher unter anderem auf ihrer Website angekündigt haben, und es darf jeweils nur an Monatsersten in Kraft treten.

Auf ZfK-Nachfrage heißt es: Ja, Verivox hätte die Zahlen 34 und 750 ins Verhältnis setzen können. Doch die Masse der Grundversorger habe ohnehin schon früher in diesem Jahr erhöht, nämlich 438. Dem stünden 29 Preissenkungen gegenüber. Nur: Das erklärt nur einen Teil der Preissteigerungen um 8,5 Prozent gegenüber 2018 – Verivox hatte aber suggeriert, dass diesen Herbst nochmal 8,4 Prozent draufkommen.Schaut man sich die von Verivox nachgelieferte Zahl der betroffenen Haushalte an, die von September oder Oktober an im Schnitt 8,4 Prozent mehr zahlen müssten, wenn sie im Grundversorgungstarif bleiben, dann sieht der Anteil immerhin wesentlich höher aus. Er macht mit 4,71 Millionen immerhin 24 Prozent aus. Die ZfK hat hierzu die 2014er-Zahl aller gasversorgten Wohngebäude vom Verband BDEW herangezogen.

Importpreis um ein Drittel gesunken

Außerdem erwähnt Verivox selbst einen potenziellen Anlass, die Endpreise zu senken: den Verfall der Großhandelspreise im Laufe dieses Jahres. Allein der Importpreis frei Bundesgrenze, der sogenannte Grenzübergangspreis (GÜP), der für gut 90 Prozent des deutschen Gasverbrauchs maßgeblich ist, ist seit Jahresbeginn demnach um ein Drittel gefallen.

Freilich wird sich die Masse der Grundversorger in den Vorjahren für ihre Haushaltskunden mit Gas eingedeckt haben, über Terminprodukte. Die waren damals teurer als das derzeitige Niveau der Notierungen, vor allem jenes am Kurzfristmarkt, dem Spot. Doch es bleibt auch für sie immer ein Spot-Beschaffungsanteil, da tendenziell nur für einen milden oder mittelkalten Winter so weit im Voraus beschafft wird. Und damit womöglich auch ein Preissenkungs-Spielraum.

"Auswirkungen erst viel später"

Valerian Vogel vom Energiebereich von Verivox schreibt, sinkende Großhandelspreise hätten bisher "deutlich länger als ein Jahr gebraucht, um bei den Verbrauchern anzukommen". 2020 "könnten" daher die Privatkundenpreise wieder sinken. Kann wieder so laufen – oder auch nicht. Das wird von der Werbepower neuer Vertriebe abhängen, die überwiegend oder gar ganz auf Spot-Beschaffung setzen und damit momentan einen Wettbewerbsvorteil hätten. Sie könnten mit aggressiven Endpreisen die Marktführer unter Druck setzen, ihren Kunden ebenfalls einen Nachlass zu bieten. Die alljährlichen Wechselkampagnen zum Jahresende – allerdings erfahrungsgemäß mit Schwerpunkt Strom – stehen erst bevor. (geo)

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