Nach der Strom- nun also die Erdgasbilanz der Bundesnetzagentur zum Jahr 2022. Und die scheint nach einem Jahr historischer Turbulenzen auf mehreren Ebenen besonders interessant.
Da sind zuerst die Gasimporte, die im Vergleich zum Vorjahr zurückgingen: von rund 1650 auf etwa 1450 TWh. Dabei änderte sich auch die Rangfolge der größten Gaslieferanten Deutschlands. Das meiste Gas kam diesmal von Norwegen (33 Prozent), der früheren Nummer zwei. Dahinter reihte sich Russland mit einem Anteil von 22 Prozent ein (Vorjahr: 55 Prozent).
Russische Lieferungen brechen ein
Die russischen Gaslieferungen waren infolge des Angriffskriegs des Landes auf die Ukraine drastisch zurückgegangen.
Wurden Mitte Juni nach Angaben der Bundesnetzagentur täglich noch rund 1,7 TWh über die Nord-Stream-Pipeline nach Deutschland gepumpt, waren es schrittweise dann nur noch 60, zwischenzeitlich 80 und schließlich null Prozent davon.
Steigende Importe aus Belgien und Niederlanden
Im Gegenzug stiegen die Gasimporte insbesondere aus den LNG-Terminal-Ländern Belgien und Niederlande rapide. Zudem exportierte Deutschland weniger Gas in Nachbarländer – statt wie im Vorjahr rund 750 waren es diesmal nur noch etwa 500 TWh Erdgas.
Die Folge: Deutschland standen im vergangenen Jahr rund 50 TWh mehr Gas selbst zur Verfügung als im Vorjahr.
Industrie spart mehr als Haushalte
Zugleich verbrauchte die Bundesrepublik deutlich weniger Gas als in den vergangenen vier Jahren. In der Jahresbilanz stand ein Minus von 14 Prozent.
Dabei sparten Haushalte und Gewerbe zwölf und die Industrie 15 Prozent ein. Besonders stark ging der Verbrauch in den traditionell kalten Monaten Oktober bis Dezember zurück. Die Industrie sparte in diesem Zeitraum 23 und private Verbraucher sowie Gewerbetreiber 21 Prozent im Vergleich zu den Vorjahreszeiträumen. Vergleichsweise milde Temperaturen trugen einen wesentlichen Teil dazu bei.
Gaspreise steigen und fallen wieder
Vor diesem Hintergrund bewertete die Bundesnetzagentur die Lage als "weniger angespannt als zu Beginn des Winters". Eine Gasmangellage werde "zunehmend unwahrscheinlich". Währenddessen füllten sich die Gasspeicher den 15. Tag in Folge und erreichten Stand Mittwoch einen Füllstand von 90,76 Prozent.
Am Freitag stiegen die Gaspreise für den Frontmonatskontrakt TTF zwischenzeitlich auf 77 Euro pro MWh, ehe sie unter den Vortageswert von 72 Euro pro MWh fielen. Positive Nachrichten kamen von Wetterdiensten. Demnach könnte es in Deutschland bis in den Februar hinein mild, nass und windig bleiben. (aba)



